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	<title>Reisen Archive - Ahnenblog</title>
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	<description>Geschichten, Tipps und Tricks aus meiner Ahnenforschung</description>
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		<title>Zeitreise in Pommern￼</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Jun 2022 13:53:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familiengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Pommern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wo Familienforschung in Pommern lebendig wird: die Museen in Swołowo, Starkowo und Kluki</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/zeitreise-in-pommern%ef%bf%bc/">Zeitreise in Pommern￼</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Wo Familienforschung in Pommern lebendig wird: drei ganz besondere Museen</h2>



<p>Haben wir nicht alle schon einmal davon geträumt, einen Tag mit unseren Vorfahren verbringen zu können, vor 100 oder 150 Jahren? Dem Urgroßvater über die Schulter zu gucken bei der Feldarbeit oder in seiner Werkstatt. Der Urgroßmutter bei der Hausarbeit zuzuschauen und abends mit allen in der guten Stube zu sitzen. In Pommern gibt es drei wunderbare Orte, wo man diesem Traum mit relativ wenig Phantasie ganz nahe kommt.</p>



<p>Reisen muss man dafür in das &#8222;Karierte Land&#8220;. Wobei nicht das Land, sondern seine Häuser schwarz-weiß-kariert sind. Hier im Landkreis Stolp sind drei Museen entstanden, für die es sich lohnt, weit zu reisen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Museum der Pommerschen Volkskultur in Swołowo</h2>



<p>Swołowo, das frühere Schwolow, ist ein kleines Bauerndorf an der Straße von Rügenwalde nach Stolp. Ein Bilderbuchdorf. Karierte Häuser in allen Erhaltungszuständen, ein Dorfweiher, in dem die Frösche quaken, uraltes Kopfsteinpflaster. Das <a href="https://muzeum.swolowo.pl" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Muzeum Kultury Ludowej Pomorza w Swołowie</a> ist so perfekt in den Ort integriert, dass ich es zunächst gar nicht finde. Am Rande des Dorfes sind Kasse und Hauptausstellungsgebäude mit dem Schwerpunkt Handwerk untergebracht. Ein weiterer Museumsteil, ein restaurierter Hof, befindet sich mitten im Ort. Für 18 Zloty steht einem das Paradies offen. Man kann durch die perfekt sanierten und liebevoll ausgestatteten Häuser streifen und das Landleben auf sich wirken lassen. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9139.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="582" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9139.jpg" alt="Der Bauernhof der Familie Albrecht in Swołowo" class="wp-image-1216" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9139.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9139-300x273.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption>Der Bauernhof der Familie Albrecht in Swołowo</figcaption></figure>
</div>


<p>Viele Bereiche sind lebensecht inszeniert, durch große Fotografien im Hintergrund oder Puppen. Schade ist, dass das allermeiste nur auf polnisch erläutert wird. Bei den Schrifttafeln hilft Google Translate, ich war wirklich verblüfft, wie gut die Übersetzungen mittlerweile sind. Einfach Handy draufhalten, abwarten und später kann man sich den übersetzten Text sogar vorlesen lassen. Das hilft leider nicht bei den mündlichen Zeitzeugenberichten der polnischen Einwohner. Aber ist ja auch eine schöne Entwicklung: das Museum scheint sich in erster Linie an die Einheimischen zu richten, die etwas über die deutsche Vergangenheit der pommerschen Orte erfahren möchten &#8211; und es sind einige Menschen, die den Weg hierher finden. Überlaufen wirkt das Museum trotzdem nicht. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9131.jpg"><img decoding="async" width="640" height="640" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9131.jpg" alt="Das Museum fur Pommersche Volkskultur in Swołowo" class="wp-image-1207" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9131.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9131-300x300.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9131-150x150.jpg 150w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption>Das Museum fur Pommersche Volkskultur in Swołowo</figcaption></figure>
</div>


<p>Ans Herz ging mir der restaurierte Hof der Familie Albrecht. Die Ställe werden von Tieren bewohnt wie vor 100 Jahren. Im Innenhof ein Misthaufen, Gänse schnattern der hingerissenen Besucherin entgegen, die Pferde lassen sich gerne und ausführlich kraulen, die Ziege stellt sich neugierig auf die Hinterbeine. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9129.jpg"><img decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9129.jpg" alt="Der Bauernhof der Familie Albrecht in Swołowo" class="wp-image-1205" width="640" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9129.jpg 533w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9129-250x300.jpg 250w" sizes="(max-width: 533px) 100vw, 533px" /></a></figure>
</div>


<p>In der Scheune sieht es aus als seien die Arbeiter gerade nur kurz zur Mittagspause hinaus in die Sonne gegangen. Auch das Wohnhaus wirkt so als würden die Bewohner in ein paar Stunden von ihrer Arbeit zurückkehren. Hier klappt die Zeitreise für mich perfekt. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9138.jpg"><img decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9138.jpg" alt="Der Bauernhof der Familie Albrecht in Swołowo" class="wp-image-1219" width="640" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9138.jpg 582w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9138-273x300.jpg 273w" sizes="(max-width: 582px) 100vw, 582px" /></a></figure>
</div>


<p>Auf einen gelungenen Besuch kann man nebenan im Restaurant <a href="https://www.facebook.com/gospodaswolowo/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gospoda Swołowo</a> mit einer Tasse köstlicher Gänsebrühe anstoßen. Um auf der Wiese hinter dem Haus dann gleich ein schlechtes Gewissen zu bekommen <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9134.jpg"><img decoding="async" width="640" height="320" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9134.jpg" alt="" class="wp-image-1210" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9134.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9134-300x150.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption>Sorry, ihr lieben Gänse</figcaption></figure>
</div>


<p>Eher zufällig hatte ich mich für drei Nächte in Swołowo eingemietet. Mindestens eine Übernachtung empfehle ich dringend, um den Charme des Ortes voll aufzunehmen, die schönen Häuser ausgiebig zu betrachten, einen Abendspaziergang durch das Dorf zu machen und den Fröschen am Weiher beim Quaken zuzuhören. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_8763.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_8763.jpg" alt="Swołowo" class="wp-image-1211" width="480" height="360" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_8763.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_8763-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Die Heringsfarm in Starkowo</h2>



<p>Swołowo ist nur eine kleine Wanderung von Starkowo, früher Starkow, entfernt. Dort wurde der Bauernhof der Familie Hofmeister liebevoll renoviert. In der <a href="http://Zagroda Śledziowa" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zagroda</a><a href="http://Zagroda Śledziowa"> Śledziowa</a> dreht sich heute alles um den Hering. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9135.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="554" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9135.jpg" alt="Heringsfarm in Starkowo" class="wp-image-1212" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9135.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9135-300x260.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>
</div>


<p>Das kleine Museum nimmt den Besucher mit in den Alltag der Heringsfischer. Im Restaurant nebenan, bei schönem Wetter auch im Hof, hat man die Wahl unter mehreren Heringssalaten, die rustikal mit Pellkartoffeln serviert werden &#8211; lecker! Im alten Bauernhaus wurde ein Bed and Breakfast eröffnet, weit muss man nach dem Heringsschmaus also nicht gehen, falls man sich von der Fischeridylle nicht trennen möchte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9136.jpg"><img decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9136.jpg" alt="Heringsfarm in Starkowo" class="wp-image-1213" width="640" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9136.jpg 582w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9136-273x300.jpg 273w" sizes="(max-width: 582px) 100vw, 582px" /></a></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Das Slowinzische Dorfmuseum in Kluki</h2>



<p>Museum Nummer drei befindet sich in der Nähe des Slowinzischen Nationalparks in Kluki, zu deutsch Klucken. Der Ort hat auch einen slowinzischen und sogar einen kaschubischen Namen &#8211; Kluki war der letzte Ort, in dem noch slowinzisch gesprochen wurde. Klucken war ein Fischerdorf, das dank der Restaurierung wiederauferstanden ist. Im <a href="https://muzeumkluki.pl/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Slowinzischen Dorfmuseum</a> sind die Häuser reetgedeckt, Fischernetze und Torfziegel trocknen in der Sonne und Gänse streifen umher. Leicht hatten es die Menschen hier nicht, viele Monate im Jahr war es feucht und kalt, die Hütten der Fischer waren karg und Landwirtschaft musste natürlich trotzdem betrieben werden. Umso schöner präsentiert sich das Freiluftmuseum heute. Die Häuser und Außenanlagen sind mit großer Liebe fürs Detail ausgestattet worden. Die kleinen Felder innerhalb des Dorfes werden originalgetreu mit altem Gerät bewirtschaftet. Im Backhaus wird regelmäßig gebacken &#8211; mit etwas Glück bekommt man ein Stück knuspriges Brot in die Hand gedrückt und kann es auf einer sonnigen Bank vor einem der Fachwerkhäuschen genießen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9140.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="558" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9140.jpg" alt="Slowinzisches Volksmuseum in Kluki" class="wp-image-1217" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9140.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9140-300x262.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>
</div>


<p>Durch die Lage am Nationalpark und unweit des Meeres ist hier schon mehr los als in Swolowo. Das hat aber was Gutes: viele Erläuterungen gibt es auch auf deutsch. Ist man früh genug dran, kann man im Anschluss an den Besuch noch Richtung Nationalpark fahren, den Leuchtturm von Czołpino, früher Scholpin, besteigen und den traumhaften Ostseestrand erkunden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9141-2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="612" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9141-2.jpg" alt="" class="wp-image-1231" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9141-2.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_9141-2-300x287.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>



<p>Familienforschende, die nach Hinterpommern kommen, sind auf der Suche nach ihrer eigenen, ganz individuellen Geschichte. Für jeden hat sie in einem anderen der vielen kleinen Dörfer und Städtchen ihren Ausgang genommen. Die Spuren der Vorfahren sind dort oft verblasst, die Häuser nicht mehr vorhanden oder in keinem guten Zustand. Aber in den Museen wird die Geschichte für uns alle wieder lebendig. Die Mühe und Liebe, die in ihre Gestaltung gesteckt wurde, hinterlässt ein wohliges Gefühl. Es ist dann doch ein ganz klein wenig so als würde man nach Hause kommen.</p>



<p></p>



<p></p>
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		<title>Das verschwundene Dorf</title>
		<link>https://ahnenblog.globonauten.de/das-verschwundene-dorf/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jun 2022 08:22:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familiengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Familie Werner]]></category>
		<category><![CDATA[mitteldeutsches Braunkohlerevier]]></category>
		<category><![CDATA[Umsiedlung]]></category>
		<category><![CDATA[Verlorene Orte]]></category>
		<category><![CDATA[Wuitz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Schicksal des abgebaggerten Dorfes Wuitz und seines Braumeisters Max Werner</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/das-verschwundene-dorf/">Das verschwundene Dorf</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Im Gasthaus von Wuitz drängten sich am 9. April 1952 die Männer und Frauen, die rechtzeitig einen Platz im Saal hatten erhaschen können. Längst nicht alle der knapp 650 Einwohner des kleinen Dorfes im Süden von Sachsen-Anhalt hatten Einlass gefunden. Viele von ihnen waren nach ihrer Schicht im Braunkohlenwerk Zipsendorf hierher geeilt, konnten aber nicht mehr in den langgezogenen Anbau des zweistöckigen Hauses gelassen werden. Gerüchte hatten schon seit Wochen die Runde gemacht, wir sollen weg hier, unser Dorf soll weg, unsere Häuser, unsere Kirche. So wie vor dreißig Jahren unsere Gipsdiele, die alte Bahnhofsgaststätte. Am Ende dieses Mittwoch Abends hatten sie Gewissheit, dass all ihre Befürchtungen eintreten würden: nach 800 Jahren sollten die Geschichte von Wuitz enden und alle Bewohner ihre Heimat verlieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Untergang ist beschlossen</h2>



<p>&#8222;Was soll denn mit uns passieren?&#8220; &#8222;Wohin bringt ihr unsere Toten?&#8220; &#8222;Und unsere Höfe? Unsere Kirche?&#8220; Diese Fragen hallten durch das überfüllte Gasthaus. Die Antworten waren vorbereitet: ihr bekommt schöne neue Wohnungen, irgendwo. Die Häuser brechen wir ab, verschwenden will ja schließlich keiner etwas, und das Material könnt ihr für eure neuen Häuser verwenden. Die Toten, ja auch die werden umgesiedelt. Und eine Kirche, da gibt es jetzt wirklich Wichtigeres. Es geht um unsere Volkswirtschaft, den ersten Fünfjahrplan, den Aufbau des Sozialismus. Ihr sitzt hier auf einem riesigen Braunkohlevorkommen, an das müssen wir ran.</p>



<p>In den nächsten zwei Jahren gingen erst die Menschen, danach ihre Toten und zuletzt wurden die Häuser abgebrochen. Dann kam der Löffelbagger. Als die Braunkohle abgebaggert war, füllte sich das riesige Loch, das einmal ein Dorf war, mit Wasser. Heute erinnern nur noch Warnschilder am Ufer eines idyllischen Sees an das untergegangene Wuitz.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Wuitz-See.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" data-id="1135" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Wuitz-See.jpeg" alt="" class="wp-image-1135" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Wuitz-See.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Wuitz-See-300x225.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Wuitz-Schild.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" data-id="1133" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Wuitz-Schild.jpg" alt="" class="wp-image-1133" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Wuitz-Schild.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Wuitz-Schild-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>
</figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Dorf in der Elsteraue</h2>



<p>Wuitz lag im heutigen Dreiländereck Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, grob zwischen Leipzig und Gera. Nördlich der alten Reichsstraße von Altenburg nach Zeitz in hügligem Gelände. Die fast putzig klingenden Namen der Orte in der Region &#8211; so wie Meuselwitz, Würchwitz oder Obertitz &#8211; sind slawischen Ursprungs. Heute prägen leuchtendgelbe Rapsfelder, kleine Seen und Wälder die Gegend. Vom Braunkohletagebau ist nicht mehr viel zu sehen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Messtischblatt-Wuitz.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Messtischblatt-Wuitz-1024x991.jpeg" alt="" class="wp-image-1134" width="512" height="496" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Messtischblatt-Wuitz-1024x991.jpeg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Messtischblatt-Wuitz-300x290.jpeg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Messtischblatt-Wuitz-768x744.jpeg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Messtischblatt-Wuitz-1536x1487.jpeg 1536w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Messtischblatt-Wuitz-1320x1278.jpeg 1320w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Messtischblatt-Wuitz.jpeg 1600w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71055528" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Meßtischblatt 2875, sächs. Nr. 57&nbsp;</strong></a></figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">800 Jahre Dorfgeschichte</h2>



<p>Am 13. April 1167 findet sich die erste urkundliche Erwähnung von Wuitz, damals noch als &#8222;Wza&#8220;, in einem Brief von Bischof Udo zu Naumburg an den Domherren zu Zeitz. Name und Zugehörigkeit von Wuitz wechselten über die Jahrhunderte, mal Kursachsen, mal Preußen, dann wieder Sachsen, zuletzt Sachsen-Anhalt. Aus Wza wurden Wozh, Wucz, Wuecz, Wuitzcsch und schließlich Wuitz. Unklar ist, was der Name bedeutet, mal wird auf &#8222;Anhöhe&#8220;, mal auf &#8222;Verhau&#8220; getippt, aber einig ist man sich, dass der Ursprung sorbisch ist. Über die Jahrhunderte lebten hier Bauernfamilien, die die umliegenden 1200 Morgen Land bewirtschafteten. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Dorfstrasse.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Dorfstrasse.jpg" alt="" class="wp-image-1158" width="621" height="351" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Dorfstrasse.jpg 828w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Dorfstrasse-300x170.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Dorfstrasse-768x434.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 621px) 100vw, 621px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Quelle: &#8222;Chronik von Wuitz&#8220;</figcaption></figure>
</div>


<p>Das änderte sich im 19. Jahrhundert. In den 1870er Jahren entstanden rund um Meuselwitz Kohlengruben. Und Untersuchungen ergaben, dass auch Wuitz auf großen Mengen Braunkohle saß. Zunächst wurde eine Schmalspurbahn gebaut, die von Gera nach Wuitz führte und die Kohle abtransportieren sollte. Wuitz hatte jetzt einen Bahnhof und mit der Einrichtung der Leonhard-Werke der Berliner Firma Vehring und Wächter auch einen Arbeitgeber, der Bergbauarbeiter in das Dorf brachte. Schon bald überstieg die Zahl der Bergleute die der Bauern. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Braumeisterfamilie Werner in Wuitz</h2>



<p>Mein Großvater Johannes Werner wurde am 31.05.1905 in Wuitz geboren. Wahrscheinlich wurde er in der kleinen Kirche unter dem Rundbogen mit der Aufschrift &#8222;Ehre sei Gott in der Höhe&#8220; getauft.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="654" height="448" data-id="1146" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz3.jpg" alt="" class="wp-image-1146" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz3.jpg 654w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz3-300x206.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 654px) 100vw, 654px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz2-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="654" height="448" data-id="1148" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz2-1.jpg" alt="" class="wp-image-1148" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz2-1.jpg 654w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz2-1-300x206.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 654px) 100vw, 654px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="654" height="448" data-id="1155" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz1.jpg" alt="" class="wp-image-1155" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz1.jpg 654w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Kirche-Wuitz1-300x206.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 654px) 100vw, 654px" /></a></figure>
<figcaption class="blocks-gallery-caption wp-element-caption">Quelle: &#8222;Chronik von Wuitz&#8220;</figcaption></figure>



<p>Wie viele der Bergbauarbeiter im Ort waren auch seine Eltern Zugezogene. Agnes Werner geborene Noack stammte aus dem knapp 15 Kilometer südwestlich gelegenen Kleinpörthen, ihr Mann Max war in Waldenburg in Sachsen, etwa 40 Kilometer südöstlich geboren. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/Bildschirmfoto-2022-06-03-um-21.19.43.jpg" alt="" class="wp-image-1174" width="381" height="346" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/Bildschirmfoto-2022-06-03-um-21.19.43.jpg 762w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/06/Bildschirmfoto-2022-06-03-um-21.19.43-300x272.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 381px) 100vw, 381px" /></figure>
</div>


<p>Max Werner war kein &#8222;Kumpel&#8220;, aber für die Dorfbewohner hatte er eine zentrale Aufgabe: er war der Braumeister. Die Brauerei gab es schon seit über einhundert Jahren in Wuitz. Sie stellte seit Anfang des 19. Jahrhunderts ein &#8222;gut bekömmliches Lager- und Braunbier&#8220; her, das sich eines guten Rufes erfreute. Mit Pferd und Wagen wurde das Bier in die Schankstätten der Umgebung gebracht. Anfänglich kam das Wasser für den Gerstensaft aus den Brunnen der Brauerei. Als der Grundwasserspiegel durch den Bergbau mehr und mehr sank, mussten die Leonhard-Werke der Brauerei täglich 25 Kubikmeter Wasser kostenlos liefern. 1904 entschied sich der Eigentümer &#8211; damals Karl Müller aus dem benachbarten Altenburg -, auf dem Grundstück zusätzlich eine Malzkaffeefabrik zu errichten. Das kleine Brauhaus in Wuitz wurde von den großen Brauereien der Region immer mehr verdrängt und so sollte ein zweites Standbein her.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/wuitz1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="456" height="309" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/wuitz1.jpg" alt="" class="wp-image-1143" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/wuitz1.jpg 456w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/wuitz1-300x203.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Offensichtlich wichtig: oben links die Brauerei von Wuitz</figcaption></figure>
</div>


<p>Mein Großvater war drei Jahre alt, als sein Vater starb. Ein Schlaganfall mit nur 49 Jahren. Der Deutsche Braumeister- und Malzmeister-Bund beklagte in der &#8222;Zeitschrift für das gesamte Brauwesen&#8220; 1908 einen &#8222;biederen, offenherzigen Kollegen&#8220;, der sich &#8222;warmen Anspruch auf ehrendes Gedenken&#8220; bei ihnen gesichert hat. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Todesanzeige.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Todesanzeige.jpg" alt="" class="wp-image-1136" width="510" height="137" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Todesanzeige.jpg 1020w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Todesanzeige-300x81.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Todesanzeige-768x206.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px" /></a></figure>
</div>


<p>Max Werner war der letzte Braumeister von Wuitz, nach seinem Tod wurde die Bierbrauerei dort aufgegeben. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Toten von Wuitz</h2>



<p>Wahrscheinlich wurde Braumeister Werner in Wuitz beerdigt. Sollte das Grab 50 Jahre nach seinem Tod noch existiert haben, mussten auch seine sterblichen Überreste in den fünfziger Jahren den Ort verlassen. Die Toten des Dorfes wurden auf den Friedhof im benachbarten Zipsendorf umgebettet. &#8222;Die reibungslose und einwandfreie, insbesondere auch pietätvolle Durchführung der Umbettung fand allgemein Anerkennung unter der Bevölkerung.&#8220;, schreibt der Wuitz-Chronist Herbert Böttger. Wie das Ergebnis der pietätvollen Umbettung konkret aussah, kann man heute auf dem Friedhof in Zipsendorf betrachten. Ein Massengrab, nicht nur für die Toten von Wuitz, sondern gleich auch für das ebenfalls abgebaggerte benachbarte Sabissa. Der über die Jahre hochgewachsene Strauch vor dem Grabstein versperrt heute den frontalen Blick, als wolle sich das Grab verstecken. Fand das wirklich die beschriebene Anerkennung bei den Bürgern von Wuitz?</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Friedhof-Zipsendorf.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Friedhof-Zipsendorf.jpeg" alt="" class="wp-image-1151" width="480" height="360" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Friedhof-Zipsendorf.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Friedhof-Zipsendorf-300x225.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Friedhof in Zipsendorf</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Verlorene Heimat</h2>



<p>Johannes Werner und seine Mutter Agnes zogen nach dem Tod des Braumeisters zu Agnes&#8216; Vater nach Kleinpörthen. Mein Opa wuchs also bei seinem Großvater auf. Anfang der fünfziger Jahre verließ er die DDR. Kurze Zeit später wurde sein Geburtsort abgebaggert. Auch wenn er nur drei Jahre seines Lebens dort verbracht hatte, so war es doch sicherlich für ihn und sogar für mich ein ganz besonderer Ort, der unwiederbringlich verloren ist.</p>



<p>Fährt man heute auf der Autobahn 38 Richtung Leipzig, kann man die riesigen Ausleger der Bagger nicht übersehen. Im empfehlenswerten <a href="http://www.bergbau-technik-park.de/park/">Bergbau-Technik-Park</a> vor den Toren der Messestadt bekommt man einen guten Einblick in die Technologie und die Ausmaße des Kohleabbaus in Mitteldeutschland. </p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Bagger2-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" data-id="1142" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Bagger2-1.jpg" alt="" class="wp-image-1142" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Bagger2-1.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Bagger2-1-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Bagger1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" data-id="1141" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Bagger1.jpg" alt="" class="wp-image-1141" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Bagger1.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Bagger1-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Baggerschaufel1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" data-id="1140" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Baggerschaufel1.jpg" alt="" class="wp-image-1140" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Baggerschaufel1.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/Baggerschaufel1-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>
</figure>



<p>Station 13 des Rundgangs durch die Anlage erinnert an die verlorenen Orte im Tagebau in der Region südlich von Leipzig: &#8222;Wenn man von Verlorenen Orten spricht, so immer mit den unterschiedlichsten Emotionen und Sichtweisen, je nach Standpunkt des Betrachters. Nicht selten kam es vor, dass die im Tagebau beschäftigten Kumpel selbst ihre eigenen Wohnorte und damit die Heimat Überbaggern halfen. Es ist für Betroffene nicht einfach, den Prozess des langsamen Sterbens der Heimat voll zu erfassen und zu verarbeiten. Dass der Heimatverlust nicht spurlos an vielen Menschen vorbeigeht, zeigen uns viele Treffen Umgesiedelter. Sie halten die Erinnerungen an die verlorenen Orte sowie die Heimat wach und helfen, die Vergangenheit zu bewältigen.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ersatz für die Heimat?</h2>



<p>Ob diese Bewältigung in den 50er Jahren zu DDR-Zeiten so möglich war, ist fraglich. Der Chronist Herbert Böttger betont, wie hoch der Lebensstandard der ehemaligen Wuitzer in den neuen Wohnungen war: &#8222;Alle diese Wohnungen sind mit Bad und Innenklosett ausgestattet, ebenso ist für Speisekammer und reichliche Nebenräume, wie Keller und Bodenkammer, gesorgt. Jede Wohnung, auch die kleinste, ist völlig für sich abgeschlossen und schön eingerichtet, so daß sich ihre Bewohner darin sehr wohl fühlen. Diese Ausstattung der Wohnungen beweist, daß sich unser Arbeiter-und-Bauern-Staat in seiner fortschreitenden sozialistischen Entwicklung um die Befriedigung des ständig steigenden Bedürfnisses an Wohnraumkomfort im Interesse seiner Bürger besonders bemüht.&#8220; </p>



<p>Bittersüß versucht der Chronist von Wuitz, dem Verlust noch etwas Positives abzugewinnen:  &#8222;Eine Dorfgemeinschaft hat sich aufgelöst. Viele haben eine liebgewordene Heimstätte verloren. Stolz können aber ihre Kinder und Kindeskinder auf ihre Eltern sein. Zeigt ihnen doch die Chronik, daß auch ihre Eltern und Großeltern ihr Bestes gaben und sich immer tapfer für den Fortschritt, für die Aufwärtsentwicklung und für eine glückliche Zukunft eingesetzt haben.&#8220; </p>



<p>Abschließend stellt er fest: &#8222;Eine die Jahrhunderte überdauerte Gemeinschaft hat sich aufgelöst. Ihre Menschen sind jedoch in der engeren Heimat verblieben. Die Erinnerung an ihr freundliches Dörfchen möge ihnen die Gewissheit geben, daß sie durch die Aufgabe dieser liebgewordenen Heimstätte dem Aufbau unseres sozialistischen Staates und somit ihrer engeren deutschen Heimat dienten.&#8220; </p>



<p>Die Zerstörung jahrhundertealter Orte, um den Energiehunger der Gesellschaft zu stillen, ist kein ostdeutsches oder sozialistisches Phänomen. Es passierte ebenso im Westen und dauert heute noch an. Im Rheinischen Braunkohlerevier werden trotz bevorstehenden Kohleausstiegs im Tagebau Garzweiler weiter Ortschaften geopfert, die Heimat vieler Menschen und ihrer Geschichte sind. </p>



<p>Der unfreiwillige Verlust der Heimat prägt die Geschichte meiner Familie so wie vieler Familien in Deutschland, Europa und weltweit. Das Thema ist heute aktueller denn je. Die Orte zu besuchen, die für meine Familie Heimat waren, bringt mich ihrer und damit meiner Geschichte näher. Eine gewisse Wehmut wird dabei wohl nie vergehen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/IMG_7220.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/IMG_7220.jpg" alt="" class="wp-image-1162" width="480" height="360" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/IMG_7220.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2022/05/IMG_7220-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Blick auf das verschwundene Wuitz im Frühjahr 2022</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Quellen zu Wuitz und seinen Bewohnern</h3>



<p>Die Geschichte, der Untergang und das Schicksal der Bewohner von Wuitz wurden 1957 im Auftrag des VEB Braunkohlenwerk Zipsendorf dokumentiert. In der &#8222;Chronik von Wuitz&#8220; schildert Autor Herbert Böttger Geschichte und Alltag garniert mit vielen Bildern des Ortes. Auch die Daten aller Bewohner zum Zeitpunkt der Umsiedlung hat er zusammengetragen. Das Büchlein ist heute noch in Bibliotheken bestellbar. Herbert Böttger ist bemüht, den Untergang des Dorfes im Sinne seines Auftraggebers zu rechtfertigen. Doch zwischen den Zeilen liest man die Wehmut eines Betroffenen. </p>



<p>Ganz neu erschienen ist die Dokumentation &#8222;Bergbau und Umsiedlungen im Mitteldeutschen Braunkohlerevier&#8220; von Andreas Berkner und der Kulturstiftung Hohenmölsen e.V. (Sax-Verlag, 1. Auflage 2022). Geschichte und Schicksal von Wuitz sind auf den Seiten 360-361 dokumentiert.</p>



<p>Die Darstellungen im Internet basieren weitgehend auf den Informationen von Herbert Böttger:</p>



<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wuitz">Wikipedia</a></p>



<p><a href="http://www.schnaudertal.de/meuselwitz/wuitz.htm">www.schnaudertal.de</a></p>



<p><a href="http://www.schnaudertal.de/meuselwitz/gmwe.htm">Zur Bahnstrecke Gera &#8211; Pforten &#8211; Wuitz &#8211; Mumsdorf</a></p>



<p>Auf Ancestry findet man einige genealogische Daten von Wuitz, wenn auch etwas versteckt in der Sammlung &#8222;Saxony, Anhalt, Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau und Anhalt-Köthen, Deutschland, evangelische Kirchenbücher, 1760-1890&#8220;. Dirk Peters hat die konkreten Fundstellen auf seiner <a href="https://dirkpeters.info">Website</a>, die eine Fundgrube für Familienforschende ist, dankenswerterweise zusammengestellt. </p>



<figure class="wp-block-table aligncenter"><table><tbody><tr><td>Wuitz</td><td>1799-1840</td><td>ev. x oo +</td><td>Göddeckenrode u Wuitz / 1799-1874, Bild 549-794</td></tr><tr><td>Wuitz</td><td>1841-1873</td><td>ev. x oo +</td><td>Büddenstedt, Wuitz u Wulferstedt / 1808-1873, Bild 5-208</td></tr></tbody></table></figure>



<p></p>



<p></p>
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		<title>Friedhöfe &#8211; eine Reise in die Geschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Nov 2021 15:35:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps + Tricks]]></category>
		<category><![CDATA[Friedhof]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Quelle für die Familienforschung und faszinierendes Reiseziel</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Quelle für die Familienforschung und faszinierendes Reiseziel</h2>



<p>Friedhöfe sind ein Spiegel der Kultur. Der Umgang einer Gesellschaft mit ihren Toten gibt einen tiefen Einblick in die Welt der Lebenden, ihrer Geschichte, ihres Glaubens, ihrer Wertvorstellungen. Grabmale konservieren den Zeitpunkt des Todes und das manchmal über Jahrhunderte hinweg. Denn anders als bei den Städten der Lebenden käme niemand auf die Idee, bestehende Gräber einer grundlegenden Modernisierung zu unterziehen. Und so erleben wir die Pyramiden in Ägypten, das Taj Mahal in Indien oder die Grabsteine auf dem Friedhof in unserer Stadt fast so wie zum Zeitpunkt der Beisetzung, sei die 4000, 400 oder 40 Jahre her. Also eigentlich kein Wunder, dass sich sowohl Familienforscher als auch kulturell interessierte Reisende von Friedhöfen angezogen fühlen. Auf mich trifft beides zu und so soll im Mittelpunkt dieses Beitrags der Friedhof als Quelle der Familienforschung und als Reiseziel stehen.</p>



<p>Natürlich sind Friedhöfe in allererster Linie eine Stätte für Angehörige und Freunde der Verstorbenen, ein Ort des Gedenkens, der Trauer und der Erinnerung. Diesen ganz persönlichen Aspekt lasse ich außen vor.</p>



<p></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/16426117_1573304642687651_2573121635384627444_n.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="640" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/16426117_1573304642687651_2573121635384627444_n.jpg" alt="" class="wp-image-855" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/16426117_1573304642687651_2573121635384627444_n.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/16426117_1573304642687651_2573121635384627444_n-300x300.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/16426117_1573304642687651_2573121635384627444_n-150x150.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption>Mit liebem Dank an meine Schulfreundin Anja für die schöne Collage!</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Ich bin im Norden Hamburgs aufgewachsen, in der Nähe des Friedhofs Ohlsdorf. Der ist mit 400 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt, fast ein eigener Stadtteil für sich, durch den Autos und Busse fahren, zum Verirren groß. An jeder Ecke gibt es eine kleine verwunschene Welt zu entdecken, mal ein versteckter See, mal eine Kapelle und so viel Grün. Gräberfelder, die Krieg, Zerstörung und Verfolgung widerspiegeln, Grabmale berühmter und berüchtigter Menschen, Geschichte und Geschichten auf Schritt und Tritt. Hier kann man so viel entdecken, dass es sogar für einen eigenen <a href="https://www.friedhof-hamburg.de/die-friedhoefe/ohlsdorf/podcast/">Podcast</a> reicht. Das Interesse für Friedhöfe ist mir also fast schon in die Wiege gelegt.</p>
</div>
</div>



<p>Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Deswegen zunächst ein paar Tipps für die Familienforschung auf Friedhöfen. Und später dann meine ganz persönliche Top 10 der Begräbnisstätten, die ich auf der ganzen Welt besucht habe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Friedhöfe und Ahnenforschung</h2>



<h5 class="wp-block-heading">Lohnt es sich überhaupt, auf einem Friedhof nach lange verstorbenen Vorfahren zu suchen?</h5>



<p>Die durchschnittliche Liegezeit auf einem Friedhof beträgt heute 20 bis 30 Jahre. Macht es da überhaupt Sinn, nach verstorbenen Vorfahren zu suchen, die vor hundert oder mehr Jahren geboren wurden? Klare Antwort: ja! <br>Aus unterschiedlichen Gründen kann man auf deutlich ältere Gräber stoßen. So können die Nutzungsberechtigten die Liegezeit weit über die 30 Jahre verlängert haben. In Familiengräbern können mehrere Generationen beerdigt sein und so Personen zu finden sein, die schon lange tot sind. Und zuletzt kann die Gemeinde ein Grab als erhaltenswert einstufen und es bestehen lassen. Dieses Glück hatte ich beim Grab meiner Ururgroßeltern. Obwohl mein Ururugroßvater Moritz Noack, Lehrer in Kleinpörthen, 1919 verstorben ist, existiert sein Grab noch heute.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-medium"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/image.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/image-300x225.png" alt="" class="wp-image-909" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/image-300x225.png 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/image.png 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></figure></div>



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<h5 class="wp-block-heading">Wie finde ich den richtigen Friedhof und das Grab?</h5>



<p>Weiß man, in welchem Ort eine Person verstorben ist, kennt man noch lange nicht den Friedhof, auf dem sie beerdigt wurde. Selbst in kleinen Städten gibt es in der Regel mehrere Friedhöfe. Einfach mal auf dem um die Ecke der letzten Wohnadresse gelegenenen Friedhof nachschauen, wird meist nur in sehr kleinen Orten erfolgreich sein. Eine Anfrage bei der Friedhofsverwaltung des Sterbeorts per E-Mail ist der einfachste und bequemste Weg, die Suche zu beginnen. In den meisten Fällen findet man eine zentrale Anlaufstelle mit einer Mailadresse (z.B. in <a href="https://www.friedhof-hamburg.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hamburg</a>), so dass man nicht jeden Friedhof in der Stadt einzeln anschreiben muss. In einigen Städten kann man komfortabel online über eine Suchmaske recherchieren (z.B. in <a href="https://www.karlsruhe.de/b4/buergerdienste/bestattungen/grabsuche.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Karlsruhe</a>). Meist findet man im Internetauftritt eines Ortes eine zuständige Stelle, wenn das ausnahmsweise nicht der Fall sein sollte, einfach die allgemeine Mailadresse der Stadt verwenden.&nbsp;</p>



<p>Die Friedhofsverwaltungen verfügen über deutlich mehr Daten als nur das Sterbedatum und die Lage der Grabstätte. Es lohnt sich, danach zu fragen, ob noch weitere Informationen zum Grab und dem Verstorbenen vorliegen. Für Gräber gibt es zum Beispiel meistens einen lebenden Nutzungsberechtigten, häufig ein Verwandter. Und der kann für Familienforscher durchaus interessant sein. Es ist auch eine Frage der Freundlichkeit, wie hilfreich die Friedhofsverwaltung ist. Denn man muss sich darüber klar sein, dass sie andere Aufgaben hat und es keinen Anspruch auf Auskunft gibt.</p>



<p>Ab und an wird empfohlen, auch bei den Bestattungsunternehmen der Umgebung nachzufragen, um Informationen über den Verstorbenen und seine Angehörigen zu bekommen. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass diese Betriebe, die von Diskretion und Seriosität leben, hier besonders auskunftsfreudig sind, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen. </p>



<h5 class="wp-block-heading">Auf dem Weg schon mal umschauen</h5>



<p>Hat man dann die genaue Lage des Grabes erfahren, sollte man sich auf dem Weg dorthin auch die anderen Grabsteine etwas genauer anschauen. Schnell bekommt man einen Eindruck, welche Namen in dem Ort häufig vertreten sind und wo die Einwohner so herkamen. Vielleicht findet sich ein bisher noch nicht bekannter Verwandter? Oder ein Nachbar aus dem gleichen Geburtsort? Auf der Suche nach den Vorfahren meiner Großmutter stieß ich auf dem kleinen Friedhof in Falken bei Treffurt/Thüringen sehr häufig auf ihren Mädchennamen Werneburg. Daher vermute ich, dass ihre Vorfahren nicht von weit entfernt zugewandert, sondern schon lange in Falken und Treffurt ansässig waren. Auf dem Friedhof St. Georgsberg in Ratzeburg ist die Vertreibung aus dem Osten allgegenwärtig: auf einer großen Zahl der Gräber ist ein Geburtsort in Pommern angegeben. Vielleicht findet sich also in der Nähe des gesuchten Grabs ein Puzzleteil, ein Ansatzpunkt für die weitere Forschung. Ich würde großzügig fotografieren &#8211; wer weiß, vielleicht lässt sich erst Jahre später ein Grab und ein Name in die eigene Familiengeschichte einordnen.</p>



<figure class="wp-block-gallery columns-4 is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex"><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern4-rotated.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern4-225x300.jpg" alt="" data-id="873" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern4-rotated.jpg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=873" class="wp-image-873" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern4-225x300.jpg 225w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern4-rotated.jpg 480w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern3-rotated.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern3-225x300.jpg" alt="" data-id="872" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern3-rotated.jpg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=872" class="wp-image-872" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern3-225x300.jpg 225w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern3-rotated.jpg 480w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern2-300x225.jpg" alt="" data-id="871" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern2.jpg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=871" class="wp-image-871" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern2-300x225.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern2.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern1-300x225.jpg" alt="" data-id="870" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern1.jpg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=870" class="wp-image-870" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern1-300x225.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Pommern1.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></figure></li></ul></figure>



<h5 class="wp-block-heading">Was kann mir das Grab erzählen?</h5>



<p>Zentrales Element der Grabstätte ist meist der Grabstein. Datenschutz spielt hier keine Rolle mehr: bei aktuelleren Sterbefällen findet man manchmal erst auf dem Grabstein das genaue Sterbedatum der gesuchten Person. Leider sind deutsche Gräber häufig nicht sehr mitteilsam. Aber Inschriften wie „Meine geliebte Mutter“ oder &#8222;Mein treusorgender Gatte&#8220;  können auf weitere Angehörige hinweisen. Familiengräber sind meistens etwas informativer was Eheschließungen oder Kinder angeht. Auf älteren Gräbern findet sich oft eine Berufsbezeichnung, die ein Anhaltspunkt für weitere Forschungen sein kann.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-medium"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/P1090725.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/P1090725-225x300.jpeg" alt="" class="wp-image-838" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/P1090725-225x300.jpeg 225w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/P1090725.jpeg 480w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><figcaption>Mehr als Geburts- und Sterbedaten auf einem Grabstein auf dem Alten jüdischen Friedhof in Breslau: Ein geschätzter Arzt, der Nichten, Neffen und Geschwister hatte.</figcaption></figure></div>



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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-medium"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/South-Park-Street3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="199" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/South-Park-Street3-300x199.jpg" alt="" class="wp-image-825" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/South-Park-Street3-300x199.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/South-Park-Street3.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption>Ein gesprächiger Grabstein auf dem South Park Street Cemetery in Kalkutta: Anne war mit Thomas verheiratet, der bei der East India Company arbeitete. Sie starb am 29.12.1801 auf dem Schiff Sir Stephen Lushington Indiaman im Alter von 26 und war Mutter.</figcaption></figure></div>



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<p>Neben dem Grabstein kann auch die Grabgestaltung einen wichtigen Eindruck vermitteln. Ist hier nur ein Grabpflegeunternehmen tätig oder wird das Grab persönlich gepflegt? Finden sich Gedenksteine, die auf weitere Familienmitglieder hinweisen? </p>



<p>Wer einen Friedhof nicht selber besuchen kann, der wird vielleicht bei <a href="https://de.findagrave.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Find a Grave</a> oder beim Projekt <a href="https://www.buergerschaffenwissen.de/projekt/digitale-dokumentation-von-grabsteinen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Digitale Dokumentation von Grabsteinen</a> fündig. Letzteres sucht auch ständig ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die bei der Erfassung von Grabstätten tätig werden. </p>



<p> </p>



<h2 class="wp-block-heading">Friedhöfe rund um die Welt</h2>



<p>Und jetzt zum touristischen Teil. Der Zentralfriedhof in Wien oder der Père Lachaise in Paris sind sicherlich keine Geheimtipps, aber gute Beispiele dafür, dass Friedhöfe auch ein lohnendes Reiseziel sein können. Auf unseren Reisen rund um die Welt haben wir häufig auch Begräbnisstätten besucht und die zehn interessantesten möchte ich hier kurz vorstellen. Wer mehr darüber erfahren möchte: ich habe reichlich zu unserem Reiseblog verlinkt.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Malaysia: Old Protestant Cemetery in Georgetown/Penang</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-medium is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/omackookhngjhefd.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/omackookhngjhefd-225x300.jpeg" alt="" class="wp-image-858" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/omackookhngjhefd-225x300.jpeg 225w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/omackookhngjhefd.jpeg 480w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a></figure>
</div></div>
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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Im feuchtheißen Penang findet sich außerhalb der Altstadt der alte protestantische Friedhof, auf dem man auch auf Gräber von Deutschen stößt. Hier kann man sich in die Zeit der East India Company zurückversetzen und das anschließend bei einem traditionellen Afternoon Tea im nahegelegenen Kolonialhotel Eastern and Oriental vertiefen. Aber unbedingt noch Platz im Magen lassen, Georgetown ist ein Foodie-Paradies!</p>



<p><a href="https://www.globonauten.de/penang-street-art/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Den Reisebericht findet ihr hier.</a></p>
</div>
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<h5 class="wp-block-heading">Mauritius: St Martin&#8217;s Jewish Cemetery bei Bambous</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-medium is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/St-Martin-Mauritius2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="225" height="300" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/St-Martin-Mauritius2-225x300.jpg" alt="" class="wp-image-828" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/St-Martin-Mauritius2-225x300.jpg 225w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/St-Martin-Mauritius2.jpg 480w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a></figure>
</div></div>
</div>



<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p></p>



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<p>Die Geschichte der 127 jüdischen Gräber mit häufig deutschen Aufschriften im Tropenparadies Mauritius ist zu lang und zu bewegend für ein paar Zeilen. Ausführlich habe ich darüber in meinem Reiseblog berichtet. In &#8222;<a href="https://www.globonauten.de/exil-in-mauritius/">Exil in Mauritius</a>&#8220; erzähle ich von der Reise zu diesem einzigartigen  Friedhof und dem Schicksal der dort Begrabenen.</p>
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</div>



<h5 class="wp-block-heading">Indien: South Park Street Cemetery in Kalkutta</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-top is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-medium is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/South-Park-Street4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="199" height="300" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/South-Park-Street4-199x300.jpg" alt="" class="wp-image-826" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/South-Park-Street4-199x300.jpg 199w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/South-Park-Street4.jpg 425w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" /></a></figure>
</div></div>
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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Mitten im chaotischen Kalkutta, ganz in der Nähe des Mutterhauses der Missionarinnen der Nächstenliebe, in dem Mutter Teresa begraben ist, liegt der verwunschene South Park Street Cemetery. 1767 eröffnet war er nur wenige Jahre in Betrieb und galt damals als der größte christliche Friedhof außerhalb Europas und Amerikas. Eigentlich nur Europäer liegen hier begraben, viele in sehr jungen Jahren verstorben. Im damals sumpfigen und entsprechend Malaria-verseuchten Kalkutta gab man den Ausländern aus dem Norden maximal zwei Monsune. Ein Spaziergang hier ist ein Bummel durch die koloniale Vergangenheit Indiens.</p>



<p>Als wir Kalkutta 2014 besuchten, gab es unseren Reiseblog noch nicht. Wer sich mit den Globonauten ein bisschen nach Indien träumen möchte, findet <a href="https://www.globonauten.de/reiseprofis/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier den Reisebericht über Mumbai, Gujarat und Rajasthan</a>.</p>
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<h5 class="wp-block-heading">Usbekistan: Nekropole Shohizinda in Samarkand</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-medium is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Shohizinda1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="200" height="300" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Shohizinda1-200x300.jpg" alt="" class="wp-image-820" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Shohizinda1-200x300.jpg 200w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Shohizinda1.jpg 427w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a></figure>
</div></div>
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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Usbekistan ist ein Märchenland und Samarkand seine Märchenkönigin. Neben den vielen Wundern der Stadt ist die Nekropole Shohizinda ein besonderer Höhepunkt im türkisblauen Traum. Ab dem 11. Jahrhundert wurden hier Mausoleen errichtet und adlige Herrscher beigesetzt. Die Timuriden aus der Herrscherdynastie Amir Timurs perfektionierten die Majolika-Kunst, die man hier in ihrer ganzen Pracht bewundern kann. Wer noch nicht müde ist von der Pracht des Registan in Samarkand, dem sei dieser wunderbare Ort unbedingt empfohlen! <a href="https://www.globonauten.de/samarkand/">Hier geht es zu unserem Reisebericht.</a></p>



<p></p>
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<h5 class="wp-block-heading">Usbekistan: Muslim Cemetery in Samarkand</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Muslimischer-Friedhof-Samarkand6.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Muslimischer-Friedhof-Samarkand6.jpeg" alt="" class="wp-image-851" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Muslimischer-Friedhof-Samarkand6.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Muslimischer-Friedhof-Samarkand6-300x225.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>
</div></div>
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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Samarkand darf zwei mal dabei sein. Hinter den Prachtgräbern der Timuriden tut sich ein moderner Friedhof auf, der mich ebenfalls fasziniert hat. Kunstvoll in die schwarzen Granitgrabsteine sind die Bilder der Verstorbenen gemeißelt. Wie schön wäre es, wenn ich einem meiner unbekannten Vorfahren auf dem Friedhof so ins Auge schauen könnte. </p>
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<h5 class="wp-block-heading">Israel: Jüdischer Friedhof am Ölberg in Jerusalem</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/linbfdphcgpeicmj.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="425" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/linbfdphcgpeicmj.jpeg" alt="" class="wp-image-844" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/linbfdphcgpeicmj.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/linbfdphcgpeicmj-300x199.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>
</div></div>
</div>



<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Einer der berühmtesten Friedhöfe der Welt ist der jüdische Friedhof am Ölberg. Vor über 3000 Jahren wurde das erste Grab gelegt und bis zu 300.000 Grabsteine werden hier vermutet. </p>



<p><a href="https://www.globonauten.de/mein-israel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier geht es zum Reisebericht.</a> </p>
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</div>



<h5 class="wp-block-heading">Indonesien: Felsengräber in Toraja-Land in Sulawesi</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-top is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
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<figure class="wp-block-image size-full is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/382013_10200218405802461_1800828388_n.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="719" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/382013_10200218405802461_1800828388_n.jpg" alt="" class="wp-image-835" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/382013_10200218405802461_1800828388_n.jpg 960w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/382013_10200218405802461_1800828388_n-300x225.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/382013_10200218405802461_1800828388_n-768x575.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></a></figure>
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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Sulawesi haben wir Ende 2012 bereist, vor dem Start unseres Reiseblogs. Die Felsengräber des Volkes der Toraja werden von den Tau Taus bewacht, geschnitzten Abbildern der Toten. Die Leichname werden zunächst einbalsamiert und so lange im Haus aufbewahrt, bis eine riesige Beerdigungsfeier finanziert und organisiert werden kann. Wir waren als Gäste bei einer solchen Beerdigung eingeladen. Eine blutige Angelegenheit mit vielen Büffelschlachtungen, aber auch ein großes Fest zu Ehren des schon lange Verstorbenen. <a href="https://www.facebook.com/media/set/?vanity=julia.henke.35&amp;set=a.10200218396202221" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weitere Bilder unserer Reise gibt es hier. </a></p>
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<h5 class="wp-block-heading">Malta: St Paul&#8217;s Catacombs in Rabat</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-top is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
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<figure class="wp-block-image size-full is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Malta.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Malta.jpg" alt="" class="wp-image-862" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Malta.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Malta-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>
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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Die Katakomben von St Paul&#8217;s in Rabat konnte ich in diesem Sommer trotz Corona besuchen. Die Grabanlage wurde etwa 350 n.Chr. errichtet, die etwa 1400 Toten ruhen mittlerweile woanders. Gut temperiert, historisch spannend und stimmungsvoll beleuchtet ein ideales Reiseziel im heißen Sommer.</p>



<p><a href="https://www.globonauten.de/maltesische-erkundungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier geht es zum Reisebericht.</a></p>
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<h5 class="wp-block-heading">Polen: Alter Jüdischer Friedhof in Breslau</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-top is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
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<figure class="wp-block-image size-full is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/P1090731.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/P1090731.jpeg" alt="" class="wp-image-841" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/P1090731.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/P1090731-300x225.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure>
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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Dass Breslau einmal eine deutsche Stadt war, kann man nirgendwo so deutlich spüren wie auf dem Alten Jüdischen Friedhof in der Südstadt. Mehr als 10.000 Grabsteine mit deutschen Inschriften geben einen Einblick in die deutsche Geschichte der Stadt und die wesentliche Rolle, die die Menschen jüdischen Glaubens hierbei spielten. </p>



<p><a href="https://www.globonauten.de/planaenderung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mehr lesen über Breslau könnt ihr im Reisebericht.</a></p>
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<h5 class="wp-block-heading">Nepal: Pashupatinath bei Kathmandu</h5>



<div class="wp-block-columns are-vertically-aligned-top is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p>Nirgendwo fühlte sich der Hinduismus für uns so fremd und so verstörend an wie beim Ritual der Leichenverbrennungen. Im indischen Varanasi haben wir 2014 erstmals diese Form der Bestattung erlebt. Eine ganze Stadt als ein Ort des Todes und des Wartens auf das Sterben. In Nepal ist es die Tempelstätte Pashupatinath etwas außerhalb von Kathmandu, wo man die Verbrennungszeremonien vom Ufer des Bagmati-Flusses aus beobachten kann. Die Asche der Verstorbenen wird irgendwann in den heiligen Fluss gekehrt &#8211; ein Friedhof als physischer Ort der Erinnerung ist für die Hindus nicht notwendig. Denn die Seele wandert weiter oder wurde durch die Verbrennung an einem heiligen Ort endgültig ins paradiesische Nirwana aufgenommen. <a href="https://www.globonauten.de/tag-der-gegensaetze/">Hier geht es zum Reisebericht.</a></p>



<p></p>
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<p>Diese kleine Auswahl zeigt, wie sehr der Besuch einer Begräbnisstätte mit der Kultur und Geschichte des jeweiligen Landes verbunden ist. Das gilt nicht nur für ferne Länder, sondern auch und ganz besonders für den Ort, in dem man lebt. Hier in Stuttgart genieße ich Spaziergänge und Entdeckungen auf dem Pragfriedhof, dem Wald- oder dem besonders schönen Hoppenlau-Friedhof. Jede Begräbnisstätte schmückt sich mit den Gräbern berühmter Menschen, mittlerweile gibt es <a href="http://app.wo-sie-ruhen.de/#" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Apps</a>, mit denen man diese Orte finden und sich von der Geschichte der dort Begrabenen berichten lassen kann. <br>Ohne jeden Hinweis stößt man im kargen Dornhaldenfriedhof in der letzten Reihe auf einen unscheinbaren Grabstein. &#8222;Mit dem Tod muss alle Feindschaft enden&#8220;, entgegnete der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel der großen Kritik und ließ Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Andreas Baader hier beerdigen.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-medium"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Terroristengrab.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="225" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Terroristengrab-300x225.jpg" alt="" class="wp-image-892" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Terroristengrab-300x225.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/11/Terroristengrab.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></figure></div>



<p>Wo auch immer, wie auch immer: Friedhöfe sind ganz besondere Orte, Orte der Trauer, Orte der Einkehr, Orte der Stille. Sie sind voller Kultur, voller Geschichte und voller Geschichten, die das einstige Leben ausmachten. Und insoweit ganz besondere Orte für jeden Menschen, den die Familienforschung fasziniert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/friedhoefe-eine-reise-in-die-geschichte/">Friedhöfe &#8211; eine Reise in die Geschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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		<title>Wer sind Tante Annelise und Onkel Paul?</title>
		<link>https://ahnenblog.globonauten.de/wer-sind-tante-annelise-und-onkel-paul/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jul 2021 14:06:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familiengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Familie Noack]]></category>
		<category><![CDATA[Kleinpörthen]]></category>
		<category><![CDATA[Plauen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf der Suche nach meinen unbekannten Verwandten aus der DDR</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wer-sind-tante-annelise-und-onkel-paul/">Wer sind Tante Annelise und Onkel Paul?</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Auf der Suche nach</strong> <strong>meinen unbekannten Verwandten aus der DDR</strong></p>



<p>Ich bin mit der Teilung Deutschlands groß geworden. Die DDR war für mich ein unbekanntes und furchteinflößendes Land. Ein Land, das so weit weg zu liegen schien, dass Pakete dorthin viele Wochen unterwegs waren. Aus dem die Menschen nicht raus und in das wir nicht rein durften. Und sowieso kannte ich niemanden, der jemals dort war. Wir reisten nach Italien, nach Frankreich, sogar nach Amerika &#8211; aber Magdeburg oder Plauen schienen auf einem anderen Planeten zu liegen.</p>



<p>In dieser fernen Welt hatte ich Verwandte. Doch genauso wenig wie ich über ihr Land wusste, war mir klar, wie wir eigentlich verwandt waren. Als Kind habe ich nie gefragt, wer Tante Annelise und Onkel Paul waren und warum sie zur Familie gehörten. Das Paket in die rätselhafte Stadt Plauen, das als allererste Weihnachtspost meist schon im November auf die Reise ging, war ganz anders gefüllt als das an andere Verwandte. Eierlikör musste rein, Feinstrumpfhosen, Schokolade und Kaffee. Neben die Adresse schrieben wir in großen Buchstaben „Geschenksendung- Keine Handelsware“ auf das Packpapier. Ich trug das Päckchen vorsichtig wie einen kleinen Schatz zum Postamt und gruselte mich beim Warten in der Schalterhalle vor den finsteren Gestalten, die mich vom Terroristen-Fahndungsplakat an der Wand zu beobachten schienen.</p>



<p>An Heiligabend lag dann immer auch ein braunes Paket aus Plauen unter dem Weihnachtsbaum. Drin waren kleine Holzfiguren mit großen Blumen in den Händen oder fein gehäkelte Spitzendeckchen, die mich als Kind nicht sehr interessierten. Einmal auch eine Schallplatte mit Liedern und Texten, über die mein Vater laut und nicht sehr freundlich lachte. Ich verstand nicht, was für ihn so witzig war. Im Gegenteil, ich fand es schön, dass sich die unbekannten Verwandten Gedanken gemacht hatten, womit sie einem angehenden Teenager eine Freude machen konnten. Bis heute aufgehoben habe ich ein grünes Poesiealbum, in das Tante Annelise und Onkel Paul geschrieben haben. </p>



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<figure class="wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex"><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/IMG_4927-1.jpg"><img decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/IMG_4927-1-e1627236918816.jpg" alt="" data-id="650" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/IMG_4927-1.jpg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=650" class="wp-image-650"/></a></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/Text-e1627237518556.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="391" height="487" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/Text-e1627237518556.jpeg" alt="" data-id="591" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/Text-e1627237518556.jpeg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=591" class="wp-image-591" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/Text-e1627237518556.jpeg 391w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/Text-e1627237518556-241x300.jpeg 241w" sizes="auto, (max-width: 391px) 100vw, 391px" /></a></figure></li></ul></figure>



<p>Irgendwann an Heiligabend kam dann der Anruf, immer zur falschen Zeit, wir hatten uns entweder gerade zum Essen hingesetzt oder angefangen, die Geschenke zu öffnen. „Das Gespräch aus der DDR ist da“, riefen meine Eltern. Wir standen aufgeregt um den Hörer und jeder kam mal dran. Wie es mir ginge, wie es in der Schule sei und ob ich mich freuen würde auf den Weihnachtsmann, wollte Tante Annelise wissen. Die Leitung rauschte und knackte und der Dialekt war mir fremd, so als säßen die Anrufer an einem sehr weit entfernten Ort.<br>Ob wir vielleicht einmal hinfahren könnten, in dieses Plauen, fragte ich. Meine Eltern lachten: die lassen uns nicht rein, sagte meine Mutter. Und dann erzählte sie, dass sie sich mit Tante Annelise heimlich getroffen hätte, auf der Toilette einer Autobahnraststätte an der Transitstrecke. Zwei Restaurants hätte es da gegeben, eines für Menschen aus dem Westen und eines für die aus dem Osten, nur die Toiletten hätten keinen Unterschied gemacht. Sie hätte Annelise zwischen Waschbecken und Kloschüsseln umarmen und ihr Geschenke zustecken können, die sie in ihrem weiten Mantel verborgen hatte.</p>



<p>Dann schrieb Tante Annelise einen Brief, der letzte, den wir je von ihr bekamen. Ihr Sohn würde in den Staatsdienst gehen und ab sofort wäre es schwierig mit Westkontakten. Ich war damals mitten in der Pubertät und unbekannte Verwandte kümmerten mich nicht sehr. So verschwanden Tante Annelise und Onkel Paul aus meinem Leben.</p>



<p>Fast 30 Jahre später wollte ich wissen, wer diese Tante und dieser Onkel waren, die mich in meiner Kindheit aus der Ferne begleitet hatten. Fragen konnte ich niemanden mehr und der einzige Anhaltspunkt den ich hatte, war eine vage Erinnerung an eine Erzählung meiner Mutter. Tante Annelise sei mit meinem Großvater verwandt gewesen. </p>



<p>Ich stand noch ganz am Anfang meiner Ahnenforschung. Wo meine Großeltern herkamen, wusste ich damals nicht. In den Unterlagen meiner Mutter fanden sich zwei vergilbte Kopien vom &#8222;Staatlichen Notariat in Zeitz, Platz der Einheit 1&#8220;. Die Sterbeurkunde einer Agnes Werner, geborene Noack, geboren am 13. September 1874 in Kleinpörthen, gestorben am 10. Januar 1956 in Geußnitz-Wildenborn. Und der letzte Wille von Agnes, sieben Zeilen, mit denen sie ihren Enkelinnen, darunter meiner Mutter, ihr Besitztum in Kleinpörthen vererbte. Agnes Werner war also meine Urgroßmutter, die Mutter meines Großvaters Johannes.</p>



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<figure class="wp-block-image size-large is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/KP-Dorf.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/KP-Dorf.jpeg" alt="" class="wp-image-574" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/KP-Dorf.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/KP-Dorf-300x225.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption>Kleinpörthen</figcaption></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/KP-Dorfstrasse.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/KP-Dorfstrasse.jpeg" alt="" class="wp-image-575" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/KP-Dorfstrasse.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/KP-Dorfstrasse-300x225.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption>Kleinpörthen Dorfstraße</figcaption></figure>
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<p>Kleinpörthen ist ein winziges Dorf ganz im Süden von Sachsen-Anhalt an der Grenze zu Thüringen. Und fährt man ein paar Minuten nach Osten, ist man schon in Sachsen. Ein echtes Dreiländereck mit kilometerweise wechselnden Zuständigkeiten der Standesämter und Archive. Aber ich hatte Glück: In Family Search fand sich doch tatsächlich das Kirchenbuch von Kleinpörthen. Von Seite zu Seite wuchs meine Familie. Agnes Noack hatte fünf Geschwister, alle in Kleinpörthen geboren. </p>



<p>Und mein Glück ging weiter: auf MyHeritage hatte jemand einen Stammbaum eingestellt. Danach hatte ein Emil Richard Noack, geboren 1877 in Kleinpörthen, eine Martha Helene Kapitain geheiratet. Und sie hatten eine Tochter Annelise. Das mussten sie sein. Richard, der Bruder meiner Urgroßmutter Agnes. Annelise, seine Tochter und damit Cousine meines Großvaters. </p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/Stammbaum-Noack-final.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="629" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/Stammbaum-Noack-final-1024x629.png" alt="" class="wp-image-705" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/Stammbaum-Noack-final-1024x629.png 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/Stammbaum-Noack-final-300x184.png 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/Stammbaum-Noack-final-768x471.png 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/Stammbaum-Noack-final-1320x810.png 1320w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/Stammbaum-Noack-final.png 1466w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure></div>



<p>Letzte Sicherheit gaben mir die historischen Adressbücher von Plauen &#8211; Richard Noack hatte in der Gluckstraße gewohnt, genau die Straße, in die unsere Pakete an Tante Annelise und Onkel Paul gegangen waren. Er war Inhaber eines Baugeschäfts. Und sein Geschäftspartner war Onkel Paul gewesen! </p>



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<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/Adresse_Noack.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="336" height="57" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/Adresse_Noack.jpg" alt="" class="wp-image-568" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/Adresse_Noack.jpg 336w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/05/Adresse_Noack-300x51.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 336px) 100vw, 336px" /></a></figure></div>



<p class="has-text-align-center">Aus dem Adressbuch der Stadt Plauen 1940</p>
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<p>Tante Annelise war also die Cousine meines Opas &#8211; ungewöhnlich, dass der Kontakt zu uns so intensiv gewesen war. Aber vielleicht auch ein Zeichen, dass die Flucht über die Zonengrenze bei meiner damals erst neun Jahre alten Mutter Sehnsüchte hinterlassen hatte. Wurzeln, die Mauern und Todesstreifen nicht kappen konnten.</p>



<p>2014 machte ich mich auf ins unbekannte Plauen. Hinter dem Autobahn-Dreieck Hochfranken endet Bayern und das sächsische Vogtland beginnt. Nach Plauen sind es dann noch zwei Ausfahrten. Was früher wie aus einer anderen Welt schien, ist eigentlich so nah. </p>



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<figure class="wp-block-image size-large is-resized is-style-default"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/IMG_4677-2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/IMG_4677-2-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-674" width="320" height="240" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/IMG_4677-2-1024x768.jpg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/IMG_4677-2-300x225.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/IMG_4677-2-768x576.jpg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/IMG_4677-2.jpg 1049w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a></figure>
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</div></div>



<p>Mein erster Eindruck von Plauen ist mit den Jahren verschwommen. Ein sehr großer Marktplatz. Straßenzüge mit tollen Altbauten, aber auch Bausünden, nicht nur aus DDR-Zeiten. Ein wunderbares kleines Hotel im Zentrum, sehr liebevoll restauriert und voller Antiquitäten, das <a href="https://altes-handelshaus.de/">Alte Handelshaus</a>. Aber ich war ja nicht als Touristin da.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/town-hall-3724474_1920.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/town-hall-3724474_1920-1024x865.jpg" alt="" class="wp-image-682" width="512" height="433" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/town-hall-3724474_1920-1024x865.jpg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/town-hall-3724474_1920-300x253.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/town-hall-3724474_1920-768x648.jpg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/town-hall-3724474_1920-1536x1297.jpg 1536w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/town-hall-3724474_1920-1320x1114.jpg 1320w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/07/town-hall-3724474_1920.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></a><figcaption>Altes Rathaus Plauen, Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/hanslinde-3418194/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=3724474">Hans Linde</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=3724474">Pixaba</a>y</figcaption></figure></div>



<p>Ich fand es, das Haus in der Gluckstraße. Ein stilvoll renoviertes historisches Gebäude, vielleicht von Richard Noack gebaut, zumindest das Gebäude 25-29 geht laut Wikipedia auf sein Konto. Gar nicht so weit entfernt lag ein Friedhof. Waren Annelise und Paul hier begraben? Ein freundlicher Friedhofsmitarbeiter telefonierte für mich herum &#8211; nein, nicht hier, sondern auf dem Hauptfriedhof. Ich machte mich sofort auf den Weg. Die wieder sehr freundliche Friedhofsmitarbeiterin hatte schon auf mich gewartet. Das Grab sei leider nicht mehr erhalten. Aber die Urnen seien umgebettet worden, in ein Gemeinschaftsgrab. Sie notierte die Sterbedaten für mich und zeigte mir den Weg über den großen Friedhof. </p>



<p>Tante Annelise und Onkel Paul haben die Grenzöffnung nicht mehr erlebt, sie sind beide 1983 gestorben, im Abstand von nur wenigen Monaten. Sie wurde 78 Jahre alt, er 82. Ich saß an dem großen Rasengrab und beschloss, ihnen einen letzten Brief zu schreiben. In der Gärtnerei gegenüber kaufte ich einen Blumenstrauß, faltete den beschriebenen Briefbogen und schob ihn zwischen die Blüten. Es hat lange gedauert, bis ich euch gefunden habe. Schade, dass wir uns nie kennenlernen durften.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wer-sind-tante-annelise-und-onkel-paul/">Wer sind Tante Annelise und Onkel Paul?</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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		<title>Die Reise zu Onkel Ernst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Jun 2021 15:21:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familiengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps + Tricks]]></category>
		<category><![CDATA[Familie Krüger]]></category>
		<category><![CDATA[gefallen im 2. Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Kurtsalas]]></category>
		<category><![CDATA[Pommern]]></category>
		<category><![CDATA[vermisste Soldaten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf der Suche nach einem Soldatengrab in Lettland</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/die-reise-zu-onkel-ernst/">Die Reise zu Onkel Ernst</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Auf der Suche nach einem Soldatengrab in Lettland</strong></p>



<p>Meine Großmutter Meta Krüger hatte acht Geschwister. 1900 geboren war sie die Älteste. Ihr jüngster Bruder Ernst wurde mehr als 23 Jahre später geboren, als Meta selber schon eine kleine Tochter hatte. Meine Urgroßmutter Albertine war 46 Jahre alt als sie nochmals schwanger wurde. Der kleine Nachzügler war hoffentlich eine freudige Überraschung für die Familie. </p>



<p>Meine Urgroßeltern lebten damals in Teschenbusch, einem sehr kleinen Ort fünf Kilometer nordwestlich von Schivelbein in Pommern. Mein Urgroßvater Albert war Schweinemeister auf dem Gut des Justus von Cleve. In Teschenbusch drehte sich alles um die Landwirtschaft. Es gab keinen Laden, keine Gewerbebetriebe, keine Schule und in den Häusern kein fließendes Wasser &#8211; und doch muss die Kindheit von Ernst eine schöne gewesen sein, zwischen Feldern und Wäldern, mit Kühen, Schafen und reichlich Spielkameraden aus den Teschenbuscher Bauernfamilien.</p>



<figure class="wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-6 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex"><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3914.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3914.jpg" alt="" data-id="475" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3914.jpg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=475" class="wp-image-475" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3914.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3914-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3907.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3907.jpg" alt="" data-id="474" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3907.jpg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=474" class="wp-image-474" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3907.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/IMG_3907-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0596.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="427" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0596.jpg" alt="" data-id="473" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0596.jpg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=473" class="wp-image-473" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0596.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0596-300x200.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0590.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="427" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0590.jpg" alt="" data-id="472" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0590.jpg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=472" class="wp-image-472" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0590.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Polen_20200929-_DSC0590-300x200.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a></figure></li></ul><figcaption class="blocks-gallery-caption">Besuch in Teschenbusch, heute Cieszyno, im Herbst 2020</figcaption></figure>



<p>Ernst war zehn Jahre alt als sein Vater in Rente ging und die Familie ins eigene Haus im benachbarten <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/ein-haus-in-pommern/">Pribslaff </a>zog. Dort wird er zur Schule gegangen sein und vielleicht auch einen Beruf erlernt haben. Aber dann kam der Krieg. Wann Ernst eingezogen wurde, ob er sich freiwillig gemeldet hat, ob er mit Euphorie oder Angst in die Schlacht zog &#8211; all das weiß ich nicht. Ernst wurde nur 21 Jahre alt. Er fiel in Lettland und ist dort auch begraben, verscharrt im Chaos des Krieges. Es gibt nicht mal ein Photo von ihm.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="578" height="178" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familienbuch-KrügerBecker3-e1616857438395.jpg" alt="" class="wp-image-486" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familienbuch-KrügerBecker3-e1616857438395.jpg 578w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familienbuch-KrügerBecker3-e1616857438395-300x92.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 578px) 100vw, 578px" /><figcaption>Aus dem Familienbuch meiner Urgroßeltern</figcaption></figure></div>



<p>Vom <a href="https://www.volksbund.de/">Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge</a> bekam ich vor Jahren die Auskunft, Ernst sei im August 1944 gefallen und in der Dorfmitte von Kurtsalas, acht Kilometer westlich von Madona, Lettland beerdigt. Madona, zu deutsch Modon oder Modohn, im Zentrum Lettlands, etwa 170 km östlich von Riga. Schon damals war mir klar, dass ich irgendwann dorthin fahren würde. 2018 habe ich mich auf den Weg ins <a href="https://www.globonauten.de/lettische-begegnungen/">Baltikum</a> gemacht und nach Ernst gesucht:</p>



<p>&#8222;Nach einigen Kilometern über unbefestigte Straßen komme ich in Kurtsalas an. Der Ort besteht aus drei Häusern und einer Scheune. Ich steige aus dem Auto und schaue mich ein wenig um, da kommt eine alte Frau aus ihrem Haus, vielleicht so um die 70. Sie guckt mich fragend an und ich strecke ihr mein Handy entgegen, mit Google Translate hatte ich den Satz „Ich suche ein Grab aus dem 2. Weltkrieg“ ins Lettische übersetzen lassen. Sie schaut mich an, nickt und geht mit mir um das Haus in ihren Garten. Unter einem Baum bleibt sie stehen und deutet auf die Erde. Ich habe sie leider nicht verstanden, ich spreche kein Wort lettisch und sie vielleicht 10 Worte Englisch. 1944, sagt sie. Ja, sage ich und tippe ins Handy „Bruder meiner Großmutter“. Sie spricht weiter, hätte ich das nur alles verstehen können. Ich mache ein paar Photos und wir gehen wieder. Zum Abschied umarmt sie mich und winkt mir noch lange hinterher.<br>Was für ein Erlebnis. Was hätte meine Großmutter dazu gesagt? Ist es wirklich Ernst, der unter dem Baum vergraben liegt? Soll ich noch mal hin und aufnehmen, was die alte Frau sagt und das Ganze in Deutschland übersetzen lassen? Nein, dieser Moment war zu einzigartig, ich will jetzt glauben, dass der kleine Bruder meiner Omi an diesem friedlichen Ort in einem schrecklichen Krieg seine letzte Ruhe gefunden hat.&#8220;</p>



<figure class="wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-7 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex"><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080428.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080428.jpeg" alt="" data-id="479" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080428.jpeg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=479" class="wp-image-479" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080428.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080428-300x225.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="blocks-gallery-item__caption">Kurtsalas</figcaption></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080429.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080429.jpeg" alt="" data-id="478" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080429.jpeg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=478" class="wp-image-478" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080429.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080429-300x225.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="blocks-gallery-item__caption">Das Haus der alten Frau</figcaption></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080427.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080427.jpeg" alt="" data-id="477" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080427.jpeg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=477" class="wp-image-477" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080427.jpeg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080427-300x225.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="blocks-gallery-item__caption">Ist das das Grab?</figcaption></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-scaled.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-scaled.jpeg" alt="" data-id="490" data-full-url="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-scaled.jpeg" data-link="https://ahnenblog.globonauten.de/?attachment_id=490" class="wp-image-490" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-scaled.jpeg 2560w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-300x225.jpeg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-1024x768.jpeg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-768x576.jpeg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-1536x1152.jpeg 1536w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-2048x1536.jpeg 2048w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/P1080424-1320x990.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption class="blocks-gallery-item__caption">Kurtsalas</figcaption></figure></li></ul></figure>



<p>Am Abend nach dieser unfassbaren Begegnung schrieb ich dem Volksbund. Ich berichtete auch, dass die alte Frau gestikuliert hatte, dass mehrere Menschen unter dem Baum begraben seien. Ob der Volksbund hier tätig werden könne. Die Antwort folgte schon drei Tage später. Der Lettland-Experte werde einen Auftrag erhalten, vielleicht könnte irgendwann eine Umbettung erfolgen. Ich war begeistert und voller Hoffnung.</p>



<p>Leider ist bis zum heutigen Tag nichts passiert. 2019 habe ich nochmals nachgefragt, es kam keine Antwort. Vor einigen Wochen habe ich es wieder probiert, diesmal ist aber Corona Schuld, dass es zur Zeit nicht vorangeht. Ich hoffe weiter.</p>



<p>Die <a href="https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Artikel/Ueber-uns/Aus-unserer-Arbeit/Textsammlung-Unterlagen-Abt-PA/unterlagen-abt-pa.html">&#8222;Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht&#8220;</a> konnte mir kaum etwas über Ernst sagen. Wenigstens kannten sie den Truppenteil, dem Ernst angehörte: 8. Kompanie Grenadier-Regiment 24. Dann einfach mal den Truppenteil und den Suchbegriff &#8222;Feldpostnummer&#8220; in die Suchmaschine eingeben und hoffentlich fündig werden. Hat man die Feldpostnummer, kann man in der <a href="https://vbl.drk-suchdienst.online/Index.aspx">Vermisstenbildliste des Deutschen Roten Kreuzes</a> suchen. </p>



<p>Ernst fand ich dort nicht. Dafür aber zwei Männer, die seit August 1944 in Kurtsalas vermisst sind: den damals genau wie Ernst 21 Jahre alten Kellner Anton Voit  aus der Tschechoslowakei und den 25jährigen Alfred Freppel aus Erlenbach im Elsass. Außerdem den 43jährigen Bäcker Herbert Küssel,  der &#8222;8 km westlich von Modohn&#8220; vermisst ist. Genau das stand auch im Sterbeeintrag von Ernst im Familienbuch der Krügers: vermisst 8 km westlich von Modon. Liegen Ernst und diese drei Männer gemeinsam im Garten der alten Frau in Kurtsalas begraben? </p>



<p>Ich hoffe so sehr, dass ich irgendwann ein Update geben kann und Ernst nach fast 100 Jahren doch noch ein Grab bekommt, auf dem sein Name steht. </p>
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		<title>Ein Haus in Pommern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Mar 2021 14:50:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familiengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Familie Krüger]]></category>
		<category><![CDATA[Pommern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Reise in die Heimat meiner Vorfahren</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/ein-haus-in-pommern/">Ein Haus in Pommern</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Eine Reise in die Heimat meiner Vorfahren</strong></p>



<p>Wir sind bereits seit zwei Wochen in Polen unterwegs, haben prachtvolle, gekonnt restaurierte Städte und Burgen, endlose Ostseestrände und pilzgesprenkelte Wälder erlebt. Wir haben wunderbar gegessen und mit leckerem Bier auf unser Glück mit dem strahlend spätsommerlichen Wetter angestoßen. Während in den meisten Nachbarstaaten Deutschlands die Corona-Zahlen aus dem Ruder laufen, scheinen wir mit Polen genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben, zumindest im September 2020.</p>



<p>Auch im Slowinski-Nationalpark haben wir alles richtig gemacht. Wir wohnen nicht im geschäftigen Leba am östlichen Rand des Parks, sondern im winzigen Smoldzino. Und wenn die Matratze nicht so durchgelegen und die Kissen nicht so hart gewesen wären, hätten wir in dem Ferienhäuschen Pod Jesionem das Paradies gefunden. Wir empfehlen es trotzdem!</p>



<p>Mit einer Tasse Kaffee gehe ich nach einer unruhigen Nacht auf die schöne Dachterrasse. Der Morgendunst liegt über dem Dörfchen und den Feldern in der Ferne. Der Nachbar ist auch schon wach und bemerkt nicht, dass ich ihm von meinem Ausguck in den Hof schauen kann. Ein kleines altes Gehöft, ganz sicher aus der Zeit als Smoldzino noch Schmolsin hieß. Ein einfaches Wohnhaus, ein winziger Stall, vor dem Hühner im Gras picken. Der Nachbar läuft langsam und gebückt, ein alter Mann, der seine Tiere versorgt und es sich irgendwann auf der mittlerweile sonnenbeschienenen Holzbank gemütlich macht. Nicht viel anders wird es vor 100 Jahren gewesen sein, als meine Urgroßeltern drei Stunden westlich von hier in einem kleinen Dörfchen bei Schivelbein ihren Lebensabend genießen wollten. Lass uns nach Pribslaff fahren, sage ich zu meinem Mann.</p>



<p>Ein paar Tage später machen wir uns auf Richtung Swidwin. 2015 habe ich meine erste Reise hierher gemacht, versucht, mir in den Resten des alten Schivelbein vorzustellen, wie meine Großmutter, mein Vater und meine Tanten hier bis 1946 lebten. Und meine vielen anderen Verwandten, die Schivelbein über die Jahrhunderte treu blieben. Ich habe sie nie kennengelernt und erst durch meine Ahnenforschung herausgefunden, wie groß die Familien der Krügers und Henkes, der Beckers, Völz und Polzins hier eigentlich waren. Sichtbare Spuren sind keine geblieben, sie alle waren einfache Arbeiter und Bauern, und noch nicht einmal die Mittelstraße im Herzen Schivelbeins, in der meine Omi Meta lebte, ist noch erkennbar.</p>



<p>Keine drei Kilometer liegt das kleine Bauerndorf Stary Przybysław vor den Toren Swidwins. Als es in den dreißiger Jahren noch Pribslaff hieß, hatten die Kinder der Familie Krüger mitgeholfen, hier ein Haus zu bauen. Die Eltern &#8211; meine Urgroßeltern August und Albertine Krüger – sollten darin noch ein paar schöne Jahre verleben. August Krüger musste nach einem Leben schwerer Arbeit als Schweinemeister auf dem Gut von Cleve in Teschenbusch mit 61 Jahren in den Ruhestand gehen. Seine Gesundheit spielte nicht mehr mit. Im Herbst 1936 zogen er und seine Frau Albertine in ihr eigenes Haus, ein zweistöckiges Gebäude mit Stall und Schuppen, einem Gemüsegarten und einem Kartoffelacker, zusammen etwa 2500 qm. Im „Antrag auf Feststellung von Vertreibungs­schäden“ ist alles genau festgehalten. 1935 hatte August Krüger das Grundstück für 1000 Reichsmark erworben. Gebaut wurde ein Wohnhaus mit massivem Hartdach, 10 x 9 Meter, ein Stall, 12 x 6 Meter, ebenfalls mit massivem Hartdach und ein Schuppen, 7 x 4 m, mit einem Dach aus Brettern und Pappe. 3200 Reichsmark betrug die Hypothek bei der Kreissparkasse Belgard. August bekam 50 Reichsmark Rente, schrieb mein Großonkel Max, seine Frau Albertine 20 Reichsmark. Das reichte gerade für die Hypothek und zum Leben. Und Max schrieb weiter: „Soweit ich es beurteilen kann, war die Zeit von 1936 bis zum Kriege die schönste Zeit im Leben der Eltern.“ Drei Jahre also.</p>


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<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="682" height="1024" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familie-Krüger-682x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-53" style="width:auto;height:800px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familie-Krüger-682x1024.jpeg 682w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familie-Krüger-200x300.jpeg 200w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familie-Krüger-768x1153.jpeg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familie-Krüger-1024x1536.jpeg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familie-Krüger-1365x2048.jpeg 1365w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Familie-Krüger-scaled.jpeg 1706w" sizes="auto, (max-width: 682px) 100vw, 682px" /><figcaption class="wp-element-caption">Albertine Krüger mit Max, Bruno, Meta, Willi und Grete</figcaption></figure>
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<p>Die Söhne Bruno und Ernst, die Schwiegertochter Käthe und die kleine Enkelin Waltraud starben im Krieg. Nach der Besetzung Pribslaffs am 04.03.1945 kamen August und Albertine mit dem Leben davon, schreibt Max. 16 Bewohner des Ortes, darunter unmittelbare Nachbarn, starben durch „Mord und andere Greueltaten“. Der Schwiegersohn Otto Remus wurde verschleppt und kehrte nie mehr zurück, Tochter Grete flüchtete nach Berlin und erlag dort 1946 dem Fleckfieber. Die drei verbliebenen Kinder, darunter meine Großmutter Meta, wurden 1946 mit ihren Familien aus Schivelbein ausgewiesen.</p>



<p>Max beschreibt auch die letzten Tage von August. „Die Herzkrankheit des Vaters verschlimmerte sich immer mehr. Es war ein Herzasthma mit qäulendem Luftmangel verbunden. Weder ärztliche Betreuung noch Medikamente waren vorhanden. Die Kinder waren alle fort und die Eltern allein, krank und hilflos. Für das tägliche Brot musste gebettelt werden. Als Vater sein Ende nahen fühlte, bat er die Mutter, sie möge ihm einen Sarg bauen. Vater starb am 22.06.1946. Ein Bekannter hat aus dem Holz des Bettes einen Sarg gezimmert. Den letzten Weg zum Friedhof in Pribslaff legte Vater auf einem Handwagen zurück.“</p>



<p>Albertine Krüger wurde im Frühjahr 1947 siebzigjährig aus Pribslaff ausgewiesen. Auf abenteuerlichen Wegen schaffte sie es endlich zu ihren Kindern nach Ratzeburg. Sie starb dort 1956 mit fast 79 Jahren.</p>



<p>2015 war es schon später Nachmittag als ich von Swidwin nach Stary Przybysław fuhr. Ich hatte zwei Photos von dem Haus dabei, in den 40er Jahren aufgenommen. Und die Hausnummer 19 aus einem alten Einwohnerverzeichnis von Pribslaff. Es war aussichtslos. Das Dorf zog sich entlang einer nicht enden wollenden Straße, im Ortskern ein paar Backsteinhöfe, die Kirche schon lange abgerissen, der Friedhof eine verwilderte Wiese. Die Hausnummern hatten sich über die vielen Jahre verändert und auch von den damaligen Häusern schienen einige die Zeit nicht überstanden zu haben. Die Sonne ging langsam unter, es wurde kühl und ich beschloss, nach Swidwin zurückzufahren. Das Haus schien es nicht mehr zu geben. Am Dorfende, kurz vor dem Abzweig nach Swidwin wollte ich einen letzten Blick auf den Ort werfen, schaute nach links und hielt kurz die Luft an. Da stand es, ganz eindeutig, das Haus von August Krüger. Ich stieg aus. Wie konnte mir das Haus beim Herfahren entgangen sein? Da hat Dich Deine Omi kurz geschubst, sagte mein Mann später, und genau dieses Gefühl hatte ich in dem Moment. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-Stary-Przybyslaw.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="1016" height="697" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-Stary-Przybyslaw.png" alt="" class="wp-image-340" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-Stary-Przybyslaw.png 1016w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-Stary-Przybyslaw-300x206.png 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-Stary-Przybyslaw-768x527.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1016px) 100vw, 1016px" /></a></figure>



<p>Und jetzt also 2020. Auch in Stary Przybysław haben wir das gleiche Glück mit dem Wetter wie die zwei Wochen zuvor. Wir fahren erst in den Ort hinein, parken am Spielplatz in der Dorfmitte, wo früher die Kirche stand. Keine Kirche mehr, kein Laden, keine Gaststätte. Ein Trecker mit Kartoffeln biegt um die Ecke, sonst sind kaum Menschen zu sehen. Wer hier lebt, scheint sich nach Swidwin zu orientieren. Wir machen einen Spaziergang und merken dann doch, dass zwischen dem Verfall etwas Neues entsteht. Ein paar schmucke Neubauten, ein liebevoll restauriertes Häuschen am Weg zum Sportplatz, Kürbisse säumen die Straße dorthin.</p>



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<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-1d.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="422" height="282" data-id="288" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-1d.jpeg" alt="" class="wp-image-288" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-1d.jpeg 422w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-1d-300x200.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 422px) 100vw, 422px" /></a></figure>



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<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-1e.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="422" height="282" data-id="289" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-1e.jpeg" alt="" class="wp-image-289" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-1e.jpeg 422w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-1e-300x200.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 422px) 100vw, 422px" /></a></figure>
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<p>Jetzt noch zu August Krügers Haus, sage ich. Wir setzen uns wieder ins Auto, fahren Richtung Swidwin und parken am Straßenrand gegenüber. Ein Mann spricht uns auf deutsch an. Was das denn für ein Kennzeichen sei, „DR“. Wir lachen, wissen wir auch nicht, das ist ein Mietwagen. Wir kommen ins Plaudern, er ist LKW-Fahrer und wohnt in Cloppenburg, hier genießt er das Landleben. Warum wir so auf das Haus gegenüber schauen? Das hat mein Urgroßvater gebaut, sage ich. Er ruft hinüber, da sind Leute, ich hatte sie gar nicht gesehen. Eine Frau kommt ans Tor, „August Krüger“, ruft sie, und mir läuft ein Schauer über den Rücken.</p>



<p>Wir gehen hinüber, der freundliche LKW-Fahrer übersetzt. Aus der Nähe sieht man, dass im Haus renoviert wird. Das rechte Fenster steht offen, eine frisch gestrichene weiße Zimmerwand leuchtet hinaus. Die Frau sprudelt los, sie hätten gerade den Holzboden entfernt, die Dielen lägen noch im Hof und auf einem der Bretter stünde „August Krüger Neu Pribslaff“. Sie bittet uns in den Innenhof, ein Stall, ein Schuppen, eine Wasserpumpe, Blumen. Da liegen die Bodendielen. Die Frau und ihr Mann suchen kurz, hier, das ist das Brett mit dem Namen drauf. Die Frau erzählt und erzählt, der LKW-Fahrer kommt kaum mit dem Übersetzen nach. Sie bittet mich ins Haus, entschuldigt sich für das Renovierungschaos. Trotzdem darf ich in jedes Zimmer. Die Kachelöfen und die Holztreppe nach oben sind noch genauso erhalten, wie sie 1936 gebaut wurden. Die Zimmer sind klein, aber gemütlich, das Haus ist von innen viel heimeliger als von außen. Ein richtiges Zuhause, für August und Albertine in den 30er Jahren, für die herzliche polnische Familie heute.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-9 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-3b.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="422" height="282" data-id="294" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-3b.jpeg" alt="" class="wp-image-294" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-3b.jpeg 422w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-3b-300x200.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 422px) 100vw, 422px" /></a></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-3a.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="422" height="282" data-id="293" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-3a.jpeg" alt="" class="wp-image-293" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-3a.jpeg 422w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Pribslaff-3a-300x200.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 422px) 100vw, 422px" /></a></figure>
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<p>Wieder auf dem Hof versuchen wir, uns noch ein wenig zu unterhalten, aber außer „dzień dobre“- Guten Tag &#8211; und „dziękuję“ &#8211; danke &#8211; sprechen wir kein polnisch. Und der arme LKW-Fahrer ist ja eigentlich hier, um die Ruhe des Dorfes zu genießen. Also verabschieden wir uns, all das muss ich sowieso erst mal verdauen.</p>



<p>Hatte mich meine Omi 2015 geschubst, um das Haus zu entdecken, muss jetzt August Krüger selbst am Werk gewesen sein. Über achtzig Jahre liegen die Holzdielen im Haus und ein paar Tage bevor ich nach Pribslaff reise, werden sie herausgenommen und jemand entdeckt die Aufschrift. Und dann kommt zufällig noch ein Pole dazu, der sehr gut deutsch spricht. Ein kleines Zauberhäuschen. August und ich haben am selben Tag Geburtstag, er 1875, ich 1965. Vielleicht wollte er mich ja einfach einmal kennenlernen, wer weiß <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>


<div class="wp-block-image is-resized">
<figure class="aligncenter size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Albertine-und-August-1-e1744221103372.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="717" height="1024" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2021/03/Albertine-und-August-1-717x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-297" style="width:auto;height:800px"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Albertine Wilhelmine Auguste Krüger, geb. Becker <br>* 18.03.1877 in Neu Pribslaff † 13.02.1956 in Ratzeburg <br>August Ferdinand Eduard Krüger <br>* 28.04.1875 in Seligsfelde † 22.0.1946 in Pribslaff</figcaption></figure>
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<p>Update: Wieder zurück in Deutschland habe ich dem herzlichen polnischen Ehepaar ein kleines Paket geschickt, Kekse, Pralinen und Kaffee als voradventlichen Gruß, ein weiteres altes Photo des Hauses und meinen herzlichsten Dank. Im Frühjahr bekam ich Post aus Polen: wunderschönen selbst gemachten Schmuck und die Botschaft, dass ich immer willkommen sei. Wollt Ihr wissen, wann mich diese schöne Überraschung erreichte? Genau am 28. April&#8230; </p>
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