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	<title>Stuttgart Archive - Ahnenblog</title>
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	<description>Geschichten, Tipps und Tricks aus meiner Ahnenforschung</description>
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		<title>Der Ruin der Familie Ellenberg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Jun 2024 12:50:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familiengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Jüdische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Ortsgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte des Stuttgarter Eierhändlers Karl Ellenberg, seine Ausraubung durch die Nationalsozialisten und der Neuanfang in Palästina.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/der-ruin-der-familie-ellenberg/">Der Ruin der Familie Ellenberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>„Ich bin am 18.6.1882 geboren und somit in’s 78. Lebensjahr und in die Vorhalle der Vergänglichkeit eingetreten. Das Weltengeschehen würde wahrscheinlich anders verlaufen, wenn alle Menschen an ihre Vergänglichkeit dächten, aber während Körperkraft und impulsiver Lebensdrang junge Menschen von solchen Betrachtungen abhalten, drängen sie sich älteren Menschen, deren Lebenskraft von Tag zu Tag sinkt, umso eindringlicher auf.“</p>



<p>Karl Ellenberg leitete so keine philosophische Abhandlung oder Biografie seines ereignisreichen Lebens ein. Es war ein einfacher Brief an eine Stuttgarter Behörde. Karl Ellenberg schrieb diese Zeilen im Juli 1959 an das Landesamt für Wiedergutmachung, um einen mehr als zehn Jahre dauernden Kampf zu Ende zu bringen. Die deutschen Behörden hatten nur wenige Monate gebraucht, ihn wirtschaftlich zu ruinieren. Um das Unrecht auszugleichen, wenigstens ein bisschen, sollte der deutsche Staat mehr als ein Jahrzehnt benötigen. Aber Karl Ellenberg hatte überlebt und er hatte es geschafft, seine Familie aus Deutschland heraus und in Sicherheit zu bringen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-04-26-um-14.52.09.jpeg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="404" height="612" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-04-26-um-14.52.09.jpeg" alt="" class="wp-image-2127" style="width:auto;height:400px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-04-26-um-14.52.09.jpeg 404w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-04-26-um-14.52.09-198x300.jpeg 198w" sizes="(max-width: 404px) 100vw, 404px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Karl Ellenberg ca. 1929 <br>Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 215 Bü 312</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Vom &#8222;Ostjuden&#8220; zum geachteten Stuttgarter Kaufmann</h2>



<p>Als Karl Ellenberg am 18. Juni 1882 in Tarnorouda geboren wurde, trug er noch die Vornamen Kalman Hirsch und die ersten Worte, die er hörte, dürften jiddische gewesen sein. Heute liegt Tarnorouda in der West-Ukraine. Damals war der Ort einer der östlichsten Außenposten Österreichisch-Galiziens, nur vom Fluss Sbrutsch getrennt vom Russischen Kaiserreich und der Stadt gleichen Namens auf der anderen Uferseite. Knapp 750 Menschen lebten im links des Flusses gelegenen Tarnorouda und die Hälfte von ihnen waren Jüdinnen und Juden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup> Ein Stetl, weit entfernt von jeder Anatevka-Romantik. Die Familien waren meist bitterarm und wer dem Elend entfliehen wollte, der musste auch Tarnorouda hinter sich lassen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Tarnorouda-1.jpg"><img decoding="async" width="765" height="1024" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Tarnorouda-1-765x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2138" style="width:auto;height:400px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Tarnorouda-1-765x1024.jpg 765w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Tarnorouda-1-224x300.jpg 224w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Tarnorouda-1-768x1028.jpg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Tarnorouda-1.jpg 876w" sizes="(max-width: 765px) 100vw, 765px" /></a></figure></div>


<p>Kalman Ellenberg entschied sich, sein Glück in einer größeren Stadt zu suchen. Vermutlich wählte er Podwolocyska, eine 20 Kilometer nördlich ebenfalls am Fluss gelegene Grenzstadt, die durch die Eisenbahn innerhalb kurzer Zeit zum Handelsknotenpunkt geworden war. Sein Name taucht am 3. Dezember 1902 im Wiener Jüdischen Volksblatt auf &#8211; ein Karl Ellenberg aus Podwolocyska hatte für die Errichtung eines Denkmals gespendet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup></p>



<p>Podwolocyska hatte sich zu einem der bedeutendsten Umschlagplätze für südrussische Güter entwickelt. Wer Geschäfte sowohl mit dem russischen Reich als auch den Staaten Mitteleuropas machen wollte, der war in der galizischen Grenzstadt an der richtigen Stelle. Vielleicht etwas hochgegriffen für einen Ort mit 5000 Einwohnern nannte sich das Städtchen Klein-Paris in Ostgalizien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> Ganz und gar realistisch war aber die wachsende Bedeutung von Podwolocyska für den Eierhandel. Auf die Eierbörse der Stadt blickte der Handel in ganz Europa &#8211; hier legte man die Eierpreise fest und telegraphierte sie täglich in die weite Welt, an die Börsen von Berlin und London.<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup> </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Podwolocyska-Eierboerse.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="766" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Podwolocyska-Eierboerse-1024x766.jpg" alt="" class="wp-image-2169" style="width:auto;height:400px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Podwolocyska-Eierboerse-1024x766.jpg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Podwolocyska-Eierboerse-300x224.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Podwolocyska-Eierboerse-768x574.jpg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Podwolocyska-Eierboerse-1536x1149.jpg 1536w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Podwolocyska-Eierboerse.jpg 1714w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Eierbörse in Podwolocyska, mit freundlicher Genehmigung von Norbert Sedghi</figcaption></figure></div>


<p>Ein idealer Ort für Kalman Ellenberg, eine Karriere im Eierhandel zu beginnen. Vielleicht inspirierte ihn sein künftiger Kompagnon Chaim Kesten, dessen Familie 1904 von Podwolocyska nach Nürnberg auswanderte,<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup> in dieser Branche sein Glück zu finden. Noch hieß Karl Ellenberg offiziell Kalman und es gibt auch keinen Nachweis, dass er in Podwolocyska in den Eierhandel einstieg. Gesichert ist aber, dass er am 3. April 1907 als Kompagnon der Firma Ellenberg und Kesten, einer &#8222;Eierhandlung en gros&#8220;, ins Handelsregister Stuttgart eingetragen wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6127.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="288" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6127-1024x288.jpg" alt="" class="wp-image-2155" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6127-1024x288.jpg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6127-300x84.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6127-768x216.jpg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6127-1536x432.jpg 1536w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6127.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Anzeigen aus dem Stuttgarter Tagblatt 1908, die dort genannte Bergstraße heißt heute Firnhaberstraße</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Eier aus Galizien</h2>



<p class="has-text-align-left">Der Appetit der Deutschen auf Eier stieg im beginnenden 20. Jahrhundert stetig &#8211; wurden im Jahr 1883 noch knapp 57 Eier pro Person und Jahr konsumiert, so waren es 1930 schon 150.<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> Die deutschen Geflügelzüchter konnten diesen Bedarf nicht mehr decken. Zwischen 1883 und 1900 wuchs die Einfuhr von Eiern aus dem Ausland um mehr als das siebenfache.<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> Ein guter Teil dieser Importe kam aus dem überwiegend agrarisch geprägten Galizien. Viele galizische Juden zog es ins Deutsche Reich, wo sie sich auf den Eierhandel spezialisierten. Trotz der langen Transportwege konnten ostjüdische Händler die Preise für Eier aus Deutschland mit ihrer Importware unterbieten. Dafür nutzen sie ihre Kontakte zu Landwirten und Kaufleuten in ihrer Heimat, bei denen sie die Ware sehr günstig einkaufen konnten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup></p>



<p>Der schwunghafte Handel mit Eiern verschaffte den galizischen Kaufleuten Wohlstand &#8211; so auch Karl Ellenberg. Er setzte zudem auf hohe Qualität. Die steirischen Eier, die er im Angebot hatte, rangierten auf Platz 1 der österreichisch-ungarischen Qualitätsskala, weit vor den ostgalizischen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup> Und diese Strategie schien aufzugehen. Nach dem Ausscheiden von Chaim Kesten und dem Einstieg des Offenburger Kaufmanns Ludwig Haueisen im März 1909 wurde das Portfolio der Firma erweitert. Jetzt war auch Butter im Angebot.</p>



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<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6112.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6112-1024x731.jpg" alt="" class="wp-image-2121" style="width:auto;height:300px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6112-1024x731.jpg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6112-300x214.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6112-768x549.jpg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6112.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p></p>



<p>Anzeigen aus Stuttgarter Tageszeitungen zwischen 1909 und 1914</p>



<p><em>Ei ist nicht gleich Ei. In Wasser und Löschkalk eingelegt waren <strong>Kalkeier</strong> mehrere Monate haltbar. Ganz frische Eier verzehrte man roh als <strong>Trinkeier</strong>. <strong>Suppeneier</strong> waren nur mittelgroß und die stark mit Hühnerkot verunreinigten <strong>Schmutzeier</strong> nur kurz haltbar. </em></p>
</div>
</div>



<p>Der Erste Weltkrieg stürzte die Wirtschaft in die Krise. Die Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland funktionierte nicht mehr, Lebensmittel wurden zwangsbewirtschaftet, die Preise amtlich festgelegt und Vorräte beschlagnahmt. Eine harte Zeit für Bevölkerung und Handel, die mit dem Ende des Krieges noch nicht vorbei war. Die Rationierung für Eier endete erst 1919.<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> Als Reaktion auf den Wegfall der Eierzwangsbewirtschaftung schlossen sich die Eierhändler im Südwesten 1920 zur &#8222;Vereinigte Eierimporteure Württemberg GmbH&#8220; zusammen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup> Als einen ihrer Geschäftsführer bestimmten sie Karl Ellenberg.<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup></p>



<p>Und auch seine eigene Firma steuerte Karl Ellenberg sicher durch die harten Zeiten. Sie überstand Inflation und Krieg und gehörte bald zu den bedeutendsten württembergischen Eierimportfirmen<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup>, die auch bei Banken einen hervorragenden Ruf hatte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Bürger, Jude und Familienvater</h2>



<p>Die Grenzen der Religion verwischten sich im Wirtschaftsleben zunehmend. Karl Ellenbergs neuer Kompagnon Ludwig Haueisen war kein Jude. Bei den Vereinigten Eierimporteuren arbeiteten Juden und Nichtjuden Seite an Seite. Doch der Antisemitismus war tief verankert in der Gesellschaft, &#8222;galizischer Eierjude&#8220; galt als gängige Beleidigung, die schon Anfang des 20. Jahrhunderts Verwendung fand.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> Doch Karl Ellenberg stand zu seiner Religion ebenso wie zu seiner neuen Heimat. 1918 spendete er Blumen für den städtischen Hilfsausschuss &#8211; in illustrer Gesellschaft von Kommerzien-Räten, Direktoren und Dr. Robert Bosch.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> Regelmäßige finanzielle Gaben an die jüdische Gemeinde waren für ihn ebenso selbstverständlich.<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> Viele Jahre war er Mitglied der Chewra Kadischa, des jüdischen Beerdigungsvereins.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup> Nur die angesehensten Männer der Gemeinde durften die Sterbenden begleiten und die Angehörigen trösten.</p>



<p>Karl Ellenberg drängte es, voll und ganz zur Stuttgarter Stadtgesellschaft zu gehören, ein anerkannter und gleichgestellter Bürger zu sein. Am 15. Juni 1929 wurde ihm die Württembergische Staatsangehörigkeit verliehen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup> Und auch seinen Vornamen, der auf seine Herkunft hinwies, wollte er ablegen. Statt Kalman Hirsch nannte er sich schon lange Karl. Offiziell bestätigt wurde die Namensänderung durch Beschluss des Amtsgerichts Stuttgart vom 9. Juli 1932.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup></p>



<p>Mittlerweile hatte Karl Ellenberg auch geheiratet, vermutlich seit 1910 war Frieda Steindecker aus Fürth seine Frau.<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup> </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/06/Verlobungsanzeige.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="370" height="262" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/06/Verlobungsanzeige.jpg" alt="" class="wp-image-2195" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/06/Verlobungsanzeige.jpg 370w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/06/Verlobungsanzeige-300x212.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 370px) 100vw, 370px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Stuttgarter Neues Tagblatt 2. Juni 1910</figcaption></figure></div>


<p>1913 wurden ihre Tochter Ruth,<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup> 1916 die kleine Edith in Stuttgart geboren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup> Die Familie wohnte in der Kasernenstraße, der heutigen Leuschnerstraße, am Rande des Hospitalviertels und nicht weit entfernt von der prächtigen Stuttgarter Synagoge.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup> Mit dem Familiennachwuchs war jetzt die Zeit gekommen, die Stadtwohnung gegen eine kinderfreundlichere Unterkunft zu tauschen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Haus im Westen</h2>



<p>Die Hasenbergsteige im Stuttgarter Westen galt schon im 19. Jahrhundert als exzellente Wohnlage. Fabrikanten, Verleger und Architekten bauten sich hier ihre Villen, Künstler residierten in den prachtvollen Häusern. Im unteren Teil der Steige säumen noch heute mehrstöckige Wohnhäuser aus der Gründerzeit die breite Straße. Parallel zur Straße aufgereiht bilden sie eine fast geschlossene Front.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Stuttgart-Hasenberg-1900.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="932" height="607" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Stuttgart-Hasenberg-1900.jpg" alt="" class="wp-image-2174" style="width:auto;height:350px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Stuttgart-Hasenberg-1900.jpg 932w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Stuttgart-Hasenberg-1900-300x195.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Stuttgart-Hasenberg-1900-768x500.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 932px) 100vw, 932px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Stuttgart, oberer Teil der Hasenbergsteige um 1900, gemeinfrei</figcaption></figure></div>


<p>Nur ein Haus sperrt sich keck der Ordnung. Ein im Vergleich zu den Nachbarn niedriges Spitzdachhaus, schräg zur Straße, Gauben im Schwarzwaldstil, hölzerne Verzierungen am Giebel und ein Garten, der sich die Karlshöhe hinaufzieht. Der Gärtner Gottlieb Eberspächer hatte es Ende des 19. Jahrhunderts bauen lassen, Erdgeschoss, Obergeschoss, Dachgeschoss und ein kleines Türmchen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> Ein großer Garten gehörte zum Haus, nicht selbstverständlich im schon damals dichtbesiedelten Stuttgarter Westen. Ruth Ellenbergs Schulfreundin Lore erinnerte sich noch viele Jahre später an das Haus in der Hasenbergsteige, &#8222;in einem bevorzugten Wohnviertel&#8220; und mit eben diesem &#8222;Garten, der das Haus umgab&#8220;.<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> Wie geschaffen für eine Familie mit zwei Kindern. 1917 kaufte Karl Ellenberg das Anwesen in der Hasenbergsteige 7.<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_4826.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_4826.jpg" alt="" class="wp-image-2151" style="width:auto;height:350px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_4826.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_4826-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Das Haus in der Hasenbergsteige, eigenes Bild</figcaption></figure></div>


<p>Doch dann fiel ein Schatten auf das glückliche Leben der Familie. Am 30. Dezember 1921 starb Frieda Ellenberg mit nur 37 Jahren. Ihre Töchter waren acht und fünf Jahre alt und Karl Ellenberg am Boden zerstört.</p>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Collage-Tod-Frieda.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="500" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Collage-Tod-Frieda.jpg" alt="" class="wp-image-2183" style="width:auto;height:350px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Collage-Tod-Frieda.jpg 1000w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Collage-Tod-Frieda-300x150.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Collage-Tod-Frieda-768x384.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Traueranzeige im Stuttgarter Neuen Tagblatt 31.12.1921, Grab im Israelitischen Teil des Pragfriedhofs Stuttgart (eigenes Bild)</figcaption></figure></div></div>
</div>



<p>Die Kinder brauchten eine Mutter und der Vater eine Partnerin. Und die fand er in Betty Offenbacher, die wie Frieda aus Fürth kam. Nach Ablauf des Trauerjahrs gaben sich Karl Ellenberg und Betty Offenbacher am 1. Februar 1923 in Stuttgart das Ja-Wort.<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/betty.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="284" height="425" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/betty.jpeg" alt="" class="wp-image-2126" style="width:auto;height:400px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/betty.jpeg 284w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/betty-200x300.jpeg 200w" sizes="auto, (max-width: 284px) 100vw, 284px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Betty Ellenberg, geb. Offenbacher ca. 1929 Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 215 Bü 312</figcaption></figure></div>


<p>Ab jetzt musste es bergauf gehen. Der Krieg war vorbei, die Familie wieder komplett und alle lebten in einem schönen Haus mit großem Garten. Die Töchter Ruth und Edith gingen auf die Höhere Schule &#8211; das Königin-Olga-Stift in der Johannes-Straße im Stuttgarter Westen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> Vor allem Ruth war blitzgescheit &#8211; sie war die beste Schülerin ihres Jahrgangs, so gut, dass sie die siebte Klasse übersprang. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="555" height="344" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/06/Ruth-Vorderseite.jpeg" alt="" class="wp-image-2193" style="width:auto;height:300px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/06/Ruth-Vorderseite.jpeg 555w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/06/Ruth-Vorderseite-300x186.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 555px) 100vw, 555px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karteikarte des Königin-Olga-Stift Stuttgart, mit bestem Dank an Herrn Rektor Wollnitz</figcaption></figure></div>


<p>Ruth hatte einen Traum &#8211; sie wollte Nationalökonomie studieren und Dozentin werden. Ein Wunsch, dessen Erfüllung nicht unwahrscheinlich erschien, bei ihren Noten und den finanziellen Möglichkeiten ihres Vaters. Edith war eher praktisch veranlagt. Sie wechselte nach der achten Klasse auf die Höhere Mädchenhandelsschule in der Rotebühlstraße, die heute als Wirtschaftsgymnasium West weiterbesteht.<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup></p>



<p>Karl Ellenberg hatte es geschafft &#8211; er war in der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft Stuttgarts angekommen, beruflich erfolgreich, gut situiert, allseits anerkannt und geachtet, seinen Töchtern würde er alles bieten können. Er hatte das getan, was die deutsche Gesellschaft von einem &#8222;Ostjuden&#8220; erwartete &#8211; er hatte sich angepasst und eingefügt. Gleichzeitig schürte der Erfolg seiner harten Arbeit Neid und nährte das stereotype Vorurteil vom kapitalistischen Juden. Eine Mixtur, die lebensgefährlich werden sollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Ausplünderung</h2>



<p>Schon 1932 wurden die Vorzeichen der dunklen Zeiten in der Familie Ellenberg spürbar. Ruth Ellenberg hatte ihr Abitur gemacht, mit Leichtigkeit und guten Noten. Aber der Antisemitismus lauerte bereits seit Jahren an den Universitäten, nicht nur, aber auch im Südwesten. An der Universität Heidelberg bekam im Januar 1925 ein Antrag in der studentischen Vollversammlung, Juden das Stimmrecht zu entziehen, da auf der Tagesordnung nur rein deutsche Themen stünden, starken Beifall.<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup> Die Leitung der Universität Tübingen erklärte 1922, dass man &#8222;wenn irgend möglich, rassefremde Ausländer (namentlich Ostjuden) nicht zulässt&#8220;.<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup></p>



<p>Ruth wollte sich dem nicht aussetzen und entschloss sich, zunächst eine Ausbildung als kaufmännischer Lehrling in der Bücherabteilung des Stuttgarter Kaufhauses Schocken zu machen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup> Eine gute Vorbereitung auf ein wirtschaftswissenschaftliches Studium und noch hoffte sie darauf, dass sich die politische Lage zum Besseren entwickeln würde. </p>



<p>Die persönliche Krise durch den Tod seiner Ehefrau hatte Karl Ellenberg überstanden. Eine schlimmere wirtschaftliche Krise als Krieg, Zwangswirtschaft und Inflation war für ihn kaum denkbar. Und all das hatte er souverän gemeistert. Zudem war da auch noch das Haus, ausgestattet, wie &#8222;gut situierte Bürgerhäuser in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ausgestattet waren&#8220;.<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup> Betty hatte &#8222;reichlich Kult- und Hausgeräte in die Ehe mitgebracht&#8220;.<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup> Was sollte der Familie wirtschaftlich schon passieren?</p>



<p><strong>Zuerst nahmen sie ihm das Geschäft. </strong></p>



<p>Antisemitische Anfeindungen hatte es immer gegeben. Aber mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde aus Einzelfällen ein zerstörerisches System. Am 1. April 1933 begann der &#8222;Judenboykott&#8220;. &#8222;Die Juden sind unser Unglück&#8220;, titelte die NS-Tageszeitung für Württemberg und Hohenzollern. Verbunden mit der Warnung, diese &#8222;Vernichter von Handwerk und Mittelstand&#8220; zu meiden, waren alle jüdischen Betriebe in Stuttgart aufgelistet. Darunter auch die Eierhandlung von Karl Ellenberg.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Boykottaufruf.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="132" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Boykottaufruf-1024x132.jpg" alt="" class="wp-image-2149" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Boykottaufruf-1024x132.jpg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Boykottaufruf-300x39.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Boykottaufruf-768x99.jpg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Boykottaufruf.jpg 1362w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Nationalsozialistische Tageszeitung für Württemberg und Hohenzollern 01.04.1933</figcaption></figure>



<p>Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Im Dezember 1933 erließen die Nationalsozialisten das &#8222;Gesetz über den Verkehr mit Eiern&#8220; und dazugehörige Verordnungen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup> Ab jetzt kontrollierte die &#8222;Reichsstelle für Eier&#8220; den Eiermarkt und die Preise. Was die jüdischen Eierhändler besonders traf und ganz gezielt treffen sollte: die Einfuhr von Eiern aus dem Ausland war künftig nur noch unter strenger Aufsicht der Reichsstelle für Eier möglich.<sup class="modern-footnotes-footnote ">38</sup> Und damit zunehmend unmöglich. Nicht ganz unbeteiligt an der Neuordnung des Eiermarktes war ein junger Tierarzt, der es zum Leiter der Eierüberwachung des Reichsnährstandes brachte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">39</sup> Dieser Bernhard Grzimek sollte später der Lieblings-Tieronkel der Deutschen werden, sich über seine Rolle im System der Nationalsozialisten aber stets bedeckt halten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">40</sup></p>



<p>Den jüdischen Eierhändlern wurden 1934 vorläufig noch begrenzte Einfuhrkontingente aus dem Ausland zugeteilt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">41</sup> Die Gründung der &#8222;Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft&#8220; im November 1935<sup class="modern-footnotes-footnote ">42</sup> bedeutete dann das Ende des jüdischen Eierhandels. &#8222;Von da an wurde die Auslandsware nicht mehr in Form von Einfuhrkontingenten den Eiergrosshändlern zugeteilt, sondern von der Reichsstelle grösstenteils selbst eingeführt und über die Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft Berlin an den Handel weiterverkauft und zwar nur an den nichtjüdischen Handel&#8220;, schrieb Georg Schwab, Inhaber eines Stuttgarter Eiergeschäfts.<sup class="modern-footnotes-footnote ">43</sup> Entsprechend jubelte der &#8222;Der Angriff&#8220; im April 1935 unter der Überschrift &#8222;Wieder arische Ostereier&#8220;, Ostern 1935 werde man endlich Gewissheit haben, dass die &#8222;Ostereier auf dem Wege zu uns nur durch arische Hände gegangen sind&#8220;.<sup class="modern-footnotes-footnote ">44</sup> Am 13.12.1935 gab es in Stuttgart keine jüdischen Eierhändler mehr.<sup class="modern-footnotes-footnote ">45</sup> &#8222;In einem Säuberungsprozess, der an Tempo und Totalität kaum seinesgleichen findet, hat der deutsche Eierhandel sich selbst von den jüdischen Schmarotzern befreit&#8220;, fasste das &#8222;Adressbuch des deutschen Eierhandels&#8220; 1938 die wirtschaftliche Existenzvernichtung stolz zusammen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">46</sup> Karl Ellenberg hatte kein Einkommen mehr.</p>



<p><strong>Dann stahlen sie seinen Töchtern die Zukunft.</strong></p>



<p>Ruth Ellenberg hatte ihre Lehre im Kaufhaus Schocken im April 1934 beendet. An ein Studium war jetzt nicht mehr zu denken. Deshalb blieb sie &#8222;beim Schocken&#8220; und arbeitete als Verkäuferin in der Bücherabteilung. Die Gleichschaltung des Buchhandels erfolgte im November 1933 mit der Gründung der Reichsschrifttumkammer als Teil der Reichskulturkammer. Ab jetzt mussten nicht nur alle Kulturschaffenden Mitglied werden, sondern auch alle, die mit dem Vertrieb von Kulturgut befasst waren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">47</sup> Bis zum Ausschluss der Juden aus der Reichskulturkammer dauerte es dann nicht mehr lange. Anfang 1935 durften Jüdinnen und Juden nicht mehr im Buchhandel arbeiten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">48</sup> &#8222;Da Sie jüdischer Abstammung sind, halte ich sie nicht für geeignet, in einem kulturvermittelnden Beruf tätig zu sein&#8220;, lautete die gängige Formulierung.<sup class="modern-footnotes-footnote ">49</sup> Das jüdische Kaufhaus Schocken legte Ruth nahe, jetzt an Auswanderung zu denken.<sup class="modern-footnotes-footnote ">50</sup> Auch für Edith Ellenberg, die nach dem Besuch der Höheren Mädchenhandelsschule wahrscheinlich im Betrieb des Vaters gearbeitet hatte, gab es in Deutschland keine Zukunft mehr. Die Schwestern gingen auf &#8222;Hachschara&#8220; &#8211; sie absolvierten eine landwirtschaftliche Ausbildung speziell für junge Jüdinnen und Juden, die auswandern wollten. Auf Gut Winkel in Brandenburg, einem Lehrgut, das Ruths früherer Arbeitgeber Salman Schocken gegründet hatte, fanden beide Aufnahme. Ruth zog im Oktober 1935 nach Gut Winkel, Edith folgte ihr im Mai 1936.<sup class="modern-footnotes-footnote ">51</sup></p>



<p><strong>Dann nahmen sie ihm das Haus. </strong></p>



<p>Das zurückgelegte Geld wurde immer knapper. Karl Ellenberg war gezwungen, das Haus in der Hasenbergsteige aufzugeben. Am 16.04.1936 musste er die Villa für 25.000 Reichsmark verkaufen, weniger als die Hälfte des eigentlichen Werts.<sup class="modern-footnotes-footnote ">52</sup> Ein Schleuderpreis für das schöne Haus, das Karl und Betty Ellenberg verlassen mussten, das Haus, in dem sie viele Jahre mit den Töchtern glücklich waren und vermeintlich dazu gehörten, zum Stuttgarter Bürgertum. In der neuen Wohnung im 2. Stock des Hauses Militärstraße 47, heute Breitscheidstraße, hatte die Stadtgesellschaft nur noch Verachtung für sie übrig. Weil sie einstmals erfolgreich und weil sie Juden waren. </p>



<p><strong>Dann stahlen sie das Geld, das noch übrig war. </strong></p>



<p>Zwei Jahre schlugen sich Karl und Betty Ellenberg mit ihren Ersparnissen durch, bis sie endlich die Einreisegenehmigung für Palästina bekommen konnten. 22.400 Reichsmark Reichsfluchtsteuer verlangte der Staat, der sie loshaben wollte. Die Gebühren der &#8222;Packgenehmigung&#8220; für die paar Sachen, die sie mitnehmen durften, betrug 4000 Reichsmark. Von den 12.500 Reichsmark, die Karl Ellenberg nach Palästina transferierte, strich die Deutsche Golddiskontbank über die Hälfte als Abschlag beim Devisenverkehr ein. Dazu die Reisekosten, Kosten für den &#8222;Lift&#8220;, in dem sich ihre Sachen befanden und das &#8222;Vorzeigegeld&#8220; für Palästina &#8211; das Vermögen, das sich Karl Ellenberg hart erarbeitet hatte, war weg.<sup class="modern-footnotes-footnote ">53</sup></p>



<p><strong>Und zuletzt plünderten alle.</strong></p>



<p>Dann traf es die letzten Wertgegenstände. Jeder griff zu, der Staat und seine Helfershelfer. Am 15.03.1938 wurde der &#8222;Lift&#8220;, die Transportbox für Palästina, unter Aufsicht von zwei Zollbeamten beladen. Zur Begutachtung der Wertgegenstände wurde ein vermeintlich amtlicher Schätzer, ein &#8222;Taxator aus der Olgastraße&#8220; gerufen, &#8222;der fast die gesamten echten Bestecke ausschied und mitnahm&#8220;. Wahrscheinlich steckte er die wertvollen Gegenstände in die eigene Tasche, denn sie tauchten später auf keiner offiziellen Liste mehr auf. Klarer Fall für die deutschen Behörden 15 Jahre später: eine Entschädigung für das Silberbesteck könne nicht gewährt werden, da es sich hierbei nicht um einen staatlichen Akt gehandelt hätte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">54</sup></p>



<p>Am 21. März 1939 löschten die Behörden die Firma Karl Ellenberg in Stuttgart. Auch hier traten sie nochmal nach. &#8222;Da es sich bei dem Firmeninhaber um einen Juden handelt und dieser aus dem deutschen Wirtschaftsleben auszuschalten ist, kann von der Benachrichtigung desselben von der beabsichtigten Löschung der Firma nach § 141 FGG abgesehen werden.&#8220;, verfügte das Amtsgericht Stuttgart 1.<sup class="modern-footnotes-footnote ">55</sup></p>



<p>Karl Ellenberg hatte tatenlos mitansehen müssen, wie sein Lebenswerk zugrundegerichtet und die Zukunft seiner Töchter ruiniert wurde. Wehren konnte er sich nicht, &#8222;weil ich unter dem bedrückenden Gefühl litt, dass ich rechtlos und der Willkür ausgeliefert bin.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote ">56</sup> Vielleicht verschaffte es ihm wenigstens Genugtuung, dass er seine Frau und seine Töchter in Sicherheit bringen konnte. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Neuanfang</h2>



<p>Edith Ellenberg war die erste, der die Auswanderung nach Palästina glückte. Am 7. März 1938 erreichte sie Haifa.<sup class="modern-footnotes-footnote ">57</sup> Kurz danach verließen Karl und Betty Ellenberg Deutschland. In Triest nahmen sie den Dampfer Galilea, der sie nach Haifa brachte. Am 28. März 1938 konnten sie Edith dort in die Arme schließen. Ihre neue Heimat fanden sie in Tel Aviv.<sup class="modern-footnotes-footnote ">58</sup> Ruth Ellenberg sollte die Einwanderung erst im Dezember 1940 gelingen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">59</sup></p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="708" height="704" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Abschied-Ellenberg.jpg" alt="" class="wp-image-2147" style="width:auto;height:350px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Abschied-Ellenberg.jpg 708w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Abschied-Ellenberg-300x298.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Abschied-Ellenberg-150x150.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 708px) 100vw, 708px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 15. April 1938</figcaption></figure></div>


<p>In Palästina und später Israel kam Karl Ellenberg wirtschaftlich nicht mehr auf die Beine. Er war jetzt Mitte 50, er hatte all seine Kraft in das Unternehmen gesteckt, dessen Niedergang er hilf- und rechtlos mitansehen musste. &#8222;Der Antragsteller lebt in dürftigen Verhältnissen. Seit der Auswanderung bestreitet er in Israel seinen Lebensunterhalt von Ersparnissen, Verwandtenunterstützung und aus geringen Einkünften durch gelegentliche Büroarbeiten&#8220;, schrieb sein Anwalt in den Fünfzigerjahren. Bis 1959 kämpfte Karl Ellenberg mit den deutschen Behörden um eine Entschädigung. Häppchenweise erhielt er Zahlungen und 1956 dann auch endlich eine Rente, aber nichts, was ihm auch nur annähernd den Lebensstandard vor 1933 ermöglichte. Das Unrecht, das er durch den Verlust der Firma, den Verkauf des Hauses weit unter Wert und den Diebstahl seines sonstigen Eigentums erlitten hatte, wurde nur zu einem kleinen Teil und nach immensem bürokratischen Kampf finanziell entschädigt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">60</sup></p>



<p>Auch das Haus bekam Karl Ellenberg, so wie viele jüdische Eigentümer, nicht zurück. Auf eine Klage verzichtete er und einigte sich mit den neuen Besitzern im Wege des Vergleichs auf eine Entschädigungszahlung.<sup class="modern-footnotes-footnote ">61</sup> Denn Karl Ellenberg konnte nicht abwarten, bis ein Gericht entschied. Ihm lief die Zeit davon, er war jetzt über 70, ohne Einkommen und brauchte jeden Pfennig. Am Ende reichte es für einen Lebensabend in einem Altersheim in Haifa, in der Nähe seiner Tochter Edith. Seine 1946, 1949 und 1951 in Israel geborenen Enkelkinder konnte er noch kennenlernen. Seine Tochter Edith starb 1967 mit nur 50 Jahren in Haifa.<sup class="modern-footnotes-footnote ">62</sup></p>



<p>Die Geschichte ihrer Schwester Ruth Ellenberg, die den Schivelbeiner Kaufmannssohn Erich Lewin heiratete, hat mich erst auf die Spuren der Familie Ellenberg gebracht. Ihr langer Weg von Stuttgart über Schweden in einen Kibbutz in Galiläa habe ich in <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/der-traum-vom-kibbutz-familie-lewin-aus-schivelbein/">Der Traum vom Kibbutz &#8211; Familie Lewin aus Schivelbein</a> beschrieben.</p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="450" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6131.jpg" alt="" class="wp-image-2165" style="width:auto;height:400px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6131.jpg 700w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/IMG_6131-300x193.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /><figcaption class="wp-element-caption">Edith und Ruth Ellenberg ca. 1940</figcaption></figure></div>


<p>1951 besuchte Karl Ellenberg das zerstörte Stuttgart. An der Stelle, an der das Haus des diebischen Taxators in der Olgastraße gestanden hatte, fand er &#8222;nur einen Schutthaufen&#8220; vor. <sup class="modern-footnotes-footnote ">63</sup> Hatte Karl Ellenberg vorgehabt, wieder zurück nach Stuttgart zu ziehen? War es die Hoffnung, sein Haus zurückbekommen zu können oder wenigstens adäquat entschädigt zu werden? Oder hatte er sehen wollen, was geworden war aus dem Land, das Millionen Juden umgebracht, die Überlebenden traumatisiert und viele so wie ihn ruiniert hatte? Karl Ellenberg kehrte nie mehr dauerhaft nach Stuttgart zurück. Er starb am 25. September 1966 im Alter von 84 Jahren in Haifa.<sup class="modern-footnotes-footnote ">64</sup></p>



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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="283" height="412" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-05-09-um-09.27.41.jpg" alt="" class="wp-image-2128" style="width:auto;height:400px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-05-09-um-09.27.41.jpg 283w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Bildschirmfoto-2024-05-09-um-09.27.41-206x300.jpg 206w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" /><figcaption class="wp-element-caption">Betty Ellenberg ca. 1940</figcaption></figure></div></div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="152" height="233" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2024/05/Karl.jpg" alt="" class="wp-image-2129" style="width:auto;height:400px"/><figcaption class="wp-element-caption">Karl Ellenberg ca. 1940</figcaption></figure></div></div>
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</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Literatur</h2>



<p>Adreßbuch des deutschen Eierhandels: Handbuch und Anschriftenverzeichnis der Mitglieder der Fachschaft Eierverteiler im Reichsnährstand sowie der Eierkennzeichnungsstellen, Berlin 1938</p>



<p>Blotenberg, Johannes &#8222;Der Eiermarkt in Westfalen und Lippe&#8220;, Dissertation an der Universität Marburg 1937</p>



<p>Dahm, Volker &#8222;Die nationalsozialisitische Schrifttumspolitik nach dem 10. Mai 1933&#8220; in Walberer, Ulrich (Hrsg.) &#8222;10. Mai 1933, Bücherverbrennung in Deutschland und die Folgen&#8220;, S. 36 ff., Frankfurt a.M 1983</p>



<p>Sonndorfer, Rudolf &#8222;Der internationale Eierhandel&#8220;, Wien 1909</p>



<p>Steinke, Karoline &#8222;Simon Adler, Eierhändler in Berlin&#8220; Berlin 2011</p>



<p>Teuteberg, Hans Jürgen &#8222;<a href="https://d-nb.info/1137209267/34">Der Verzehr von Nahrungsmitteln in Deutschland pro Kopf und Jahr seit Beginn der Industrialisierung (1850 – 1975), Versuch einer Quantitativen Langzeitanalyse</a>&#8222;, Münster 1988</p>



<p>Windmueller Horowitz, Inge,&nbsp;Horowitz, Rita Janet,&nbsp;Stein Windmueller, Ida &#8222;<a href="https://www.google.de/books/edition/Windmueller_Family_Chronicle/z2ZKCgAAQBAJ?hl=de&amp;gbpv=1">Windmüller Family Chronicle</a>&#8222;, 1981</p>



<h2 class="wp-block-heading">Akten aus Archiven und Internetportale</h2>



<p><strong>aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg:</strong></p>



<p>Stuttgarter Passakten 1914-1944, F 215 Bü 312<br>Entschädigungsakte Karl Ellenberg: Landesamt für die Wiedergutmachung Baden-Württemberg: Einzelfallakten / ca. 1945-2021,<strong> </strong>EL 350 I Bü 26347<br>Amtsgericht Stuttgart: Handelsregisterakten / 1865-1938, Haueisen &amp; Ellenberg, Stuttgart &#8211; Eiergroßhandel, Staatsarchiv Ludwigsburg F 303 II Bü 448</p>



<p><strong>aus dem Stadtarchiv Stuttgart:</strong></p>



<p>Bauakte Hasenbergsteige 7</p>



<p><strong>aus dem Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden:</strong></p>



<p>Entschädigungsakte Ruth Lewin geb. Ellenberg: Regierungspräsidium Wiesbaden, 1956-1974, HHStAW Bestand 518 Nr. 82341<br>Entschädigungsakte Erich Lewin: Regierungspräsidium Wiesbaden, 1956-1974, HHStAW Bestand 518 Nr. 81792</p>



<p><strong>von MyHeritage:</strong></p>



<p>Einbürgerungsakte Edith Ellenberg, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947<br>Einbürgerungsakte Ruth Lewin, geb. Ellenberg, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947<br>Einbürgerungsakte Karl Ellenberg, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://kehilalinks.jewishgen.org/suchostaw/sl_tarnoruda.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://kehilalinks.jewishgen.org/suchostaw/sl_tarnoruda.htm</a></div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2435530?query=%22Karl%20Ellenberg%22" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jüdisches Volksblatt, Nr. 49 3. Dezember 1902, S. 7</a></div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://kesten.de/station/podwoloczyska/podwoloczyska/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://kesten.de/station/podwoloczyska/podwoloczyska/</a></div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pidwolotschysk" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Pidwolotschysk</a></div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://kesten.de/station/podwoloczyska/die-vorfahren/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://kesten.de/station/podwoloczyska/die-vorfahren/</a></div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Handelsregister-Akten, Stadtarchiv Stuttgart</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Verzehr von Nahrungsmitteln in Deutschland pro Kopf und Jahr seit Beginn der Industrialisierung, S. 240</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href="http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Gefl%C3%BCgelzucht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Geflügelzucht</a></div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Simon Adler, Eierhändler in Berlin, S. 36</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der internationale Eierhandel, S. 28</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/alltagsleben/hunger-und-elend.html#:~:text=Die%20Lebensmittelrationierung%20wurde%20nach%20dem,%2C%20Getreide%2C%20Butter%20und%20Milch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/alltagsleben/hunger-und-elend.html#:~:text=Die%20Lebensmittelrationierung%20wurde%20nach%20dem,%2C%20Getreide%2C%20Butter%20und%20Milch</a></div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schwäbische Tagwacht 07.09.1920 S.6</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stuttgarter Neues Tagblatt 24.06.1920, S. 6</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stellungnahme von Georg Schwab vom 14.11.1951 in Entschädigungsakte: &#8222;Die Fa. Ellenberg ist mir aus den Angaben meines Vaters bekannt und ich weiss, dass sie als eine der bedeutenden württembergischen Eierimportfirmen gegolten hat.&#8220;</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stellungnahme der Deutschen Bank vom 25.08.1959 in Entschädigungsakte: &#8222;Die Firma Ellenberg zählte zu den guten und vertrauenswürdigen Kunden der Deutschen Bank Filiale Stuttgart. Sie tätigte größere Umsätze. In Stuttgart gab es vor dem Kriege ca. zehn bedeutende Eierhändler. Nach dem Umfang ihrer Umsätze dürfte die Firma Karl Ellenberg ungefähr an sechster Stelle gelegen sein.&#8220;</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jüdische Rundschau 21.01.1926</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stuttgarter Neues Tageblatt 18.06.1918, S. 284 </div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;z.B. Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs 18.01.1933, S.1</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 15. April 1938</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Antrag auf Ausstellung eines Reisepasses in Passakte</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Randvermerk Heiratsregister Stuttgart Nr. 115/1923</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stuttgarter Neues Tagblatt 02.06.1910: Verlobung Juni 1910, Schwäbischer Merkur 26.08.1910: Aufgebot August 1910</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Karteikarte des Königin-Olga-Stifts Stuttgart</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Karteikarte des Königin-Olga-Stifts Stuttgart</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stuttgarter Adressbücher 1911-1917</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bauakte</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eidesstattliche Versicherung von Eleonore Heukeshoven vom 17.10.1957 in Entschädigungsakte Ruth Lewin, geb. Ellenberg</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Standesamt Stuttgart, Heiraten 1923/115</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Karteikarten der beiden Schülerinnen sind bis heute im Königin-Olga-Stift archiviert.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Karteikarte des Königin-Olga-Stifts Stuttgart</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Juden an der Universität Heidelberg, S. 149 <a href="http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/13683/1/juden_hd.pdf">http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/13683/1/juden_hd.pdf</a> </div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Juden an der Universität Tübingen im Nationalsozialismus <a href="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Dokumente/2006/06-01-19AkUniimNS.pdf">https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Dokumente/2006/06-01-19AkUniimNS.pdf</a></div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eidesstattliche Versicherung Ruth Lewin vom 15.09.1957 in Entschädigungsakte Ruth Lewin, geb. Ellenberg</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gesetz über den Verkehr mit Eiern vom 20. Dezember 1933, RGBl. I, 1094 f., Verordnung über die Regelung des Eiermarktes vom 21. Dezember 1933, RGBl. I, 1103 f., Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über den Verkehr mit Eiern vom 21. Dezember 1933, RGBl. I, 1104 ff.</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;VG Berlin, Urteil vom 24.09.2015 &#8211; 29 K 187.13, Rdnr. 29 </div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Eiermarkt in Westfalen und Lippe, S. 86, Simon Adler, Eierhändler in Berlin S.40 f.</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://fzs.org/de/ueber-uns/geschichte/bernhard-grzimek/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://fzs.org/de/ueber-uns/geschichte/bernhard-grzimek/</a></div><div>41&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Georg Schwab Stellungnahme 14.11.1951 in Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>42&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Verordnung über den Zusammenschluss der deutschen Eierwirtschaft vom 22. November 1935, RGBl. I, 1355 ff. </div><div>43&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Georg Schwab Stellungnahme 14.11.1951 in Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>44&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Angriff, 10. April 1936</div><div>45&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jüdische Rundschau 13.12.1935</div><div>46&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Adreßbuch des deutschen Eierhandels April 1938, S. 7</div><div>47&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die nationalsozialisitische Schrifttumspolitik nach dem 10. Mai 1933, S. 47</div><div>48&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die nationalsozialisitische Schrifttumspolitik nach dem 10. Mai 1933, S. 54</div><div>49&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die nationalsozialisitische Schrifttumspolitik nach dem 10. Mai 1933, S. 56 </div><div>50&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eidesstattliche Erklärung Ruth Lewin 15.09.1957 in Entschädigungsakte Ruth Lewin, geb. Ellenberg</div><div>51&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Liste Deutschland, jüdische &#8222;Trainings&#8220;-Zentren, Lehrgut Winkel 30.09.1936</div><div>52&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>53&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>54&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>55&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Verfügung des Amtsgerichts Stuttgart 1 vom 04.05.1939, Handelsregisterakte S. 18</div><div>56&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>57&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einbürgerungsakte Edith Ellenberg</div><div>58&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einwanderungsakte Edith Ellenberg.</div><div>59&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eidesstattliche Versicherung Erich Lewin 21.02.1958 in Entschädigungsakte</div><div>60&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>61&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>62&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Windmueller Family Chronicle, S. 141</div><div>63&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><div>64&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Karl Ellenberg</div><p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/der-ruin-der-familie-ellenberg/">Der Ruin der Familie Ellenberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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		<title>Der Schivelbeiner Rabbi aus Stuttgart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2023 14:52:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familiengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Jüdische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Ortsgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte des Rabbiners Karl Richter aus Stuttgart und sein Weg über Breslau, Schivelbein und Mannheim in die USA</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/der-schivelbeiner-rabbi-aus-stuttgart/">Der Schivelbeiner Rabbi aus Stuttgart</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Eine Tragödie und ein Entschluss</h2>



<p>März 1927. Schulschluss in der Römerschule im Stuttgarter Süden. Nach dem Läuten der Schulglocke schwillt der Lärmpegel an, laute Stimmen, Rufen, Lachen, das Scharren von Stühlen auf dem Holzboden, das Trappeln von Füßen in den Fluren. Dann öffnet sich die Eingangstür und die Erstklässler strömen nach draußen, die ledernen Tornister auf dem Rücken. Verabredungen für den Nachmittag werden gemacht. Aber erst heim, die Mutter wartet mit dem Mittagessen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/10/adbgjdbiahcggnng.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/10/adbgjdbiahcggnng.jpg" alt="Römerschule Stuttgart" class="wp-image-1781" style="height:500px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/10/adbgjdbiahcggnng.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/10/adbgjdbiahcggnng-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Römerschule in Stuttgart (eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<p>Edith Richter ist gerade sieben Jahre alt geworden, vor zwei Wochen. Sie springt die Treppen des Schulgebäudes hinunter, umringt von anderen Kindern, die sich gemeinsam auf den Heimweg machen. Eine knappe Viertelstunde Fußweg bis zur Wohnung ihrer Eltern in der Schlosserstraße 5a. Sie kennt den Weg und sie weiß, dass sie aufpassen muss. Nicht einfach über die Straße laufen, ein Blick nach links, nach rechts und noch mal nach links, wie es ihr die Eltern beigebracht haben. Alle Kinder wissen das, denn alle laufen allein zur Schule und zurück. Schnell erreicht Edith die Heusteigstraße, noch ein kleines Stück bis zur Weißenburgstraße und dann ist es nicht mehr weit bis zum unteren Ende der Schlosserstraße, in der sie wohnt. Sie freut sich auf das Mittagessen, ihre Schwester Ruth wird da sein und vielleicht schafft es auch ihr großer Bruder Karl, der das Gymnasium nicht weit von hier besucht. Immer mehr Autos gibt es in Stuttgart, sie knattern und stinken und die Fahrer sehen kleine Mädchen nicht immer. Aber hier auf dem Trottoir kann ihr nichts passieren. Und wenn mal ein Auto aus einer der Durchfahrten der großen Häuser vom Hinterhof auf die Straße fahren will, dann hört sie das Brummen und riecht den Schwall der Abgase früh genug.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/10/Weissenburgstrasse.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="480" height="640" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/10/Weissenburgstrasse.jpeg" alt="Weißenburgstraße in Stuttgart" class="wp-image-1774" style="width:auto;height:550px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/10/Weissenburgstrasse.jpeg 480w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/10/Weissenburgstrasse-225x300.jpeg 225w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">An der Weißenburgstraße in Stuttgart (eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<p>Der Elektrokarren einer Brauerei<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup>, der den Hof in der Weißenburgstraße verlässt, trifft sie mit voller Wucht. Vielleicht ist es der Fahrer selbst, der aus dem Auto herausstürzt, den leblosen Körper des Kindes unter dem Wagen hervorzieht, verzweifelt ruft, man brauche einen Arzt, einen Krankenwagen. Beteuert, dass er sie nicht sehen konnte, wie sie da auf dem Bürgersteig lief und er aus der Einfahrt zurücksetzte. Edith Richter wird ins Marienhospital gebracht. Ihre Eltern Samuel und Josefine eilen verzweifelt herbei, die verstörten Geschwister Ruth und Karl hinter sich herziehend. Aber für Edith kommt die Hilfe zu spät &#8211; sie stirbt an ihren schweren inneren Verletzungen. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-18-03-1927.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="317" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-18-03-1927-1024x317.png" alt="" class="wp-image-1394" style="height:200px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-18-03-1927-1024x317.png 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-18-03-1927-300x93.png 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-18-03-1927-768x238.png 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-18-03-1927.png 1188w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Stuttgarter Neues Tagblatt 18.03.1927, das angegebene Alter ist falsch</figcaption></figure></div>


<p>Edith Richter wird auf dem jüdischen Teil des Stuttgarter Pragfriedhofs beerdigt.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Grabstein1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="480" height="640" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Grabstein1.jpg" alt="Grab von Edith Richter auf dem Pragfriedhof in Stuttgart" class="wp-image-1395" style="width:auto;height:550px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Grabstein1.jpg 480w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Grabstein1-225x300.jpg 225w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Hier ruht unser geliebtes Kind Edith Richter <br>geb. 2. März 1920 gest. 16. März 1927&#8243; (eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<p>Die Eltern wollen es nicht glauben, können sich nicht damit abfinden, dass ihre kleine Tochter, das Kind, das nach der Not des Ersten Weltkriegs für den Aufbruch in eine neue, bessere Zeit stand, nicht mehr lebt. Wollen wenigstens wissen, warum Edith sterben musste. Sogar ein Detektiv wird eingeschaltet. Aber ob Samuel und Josefine Richter je Gewissheit erhalten haben, wer Schuld am Tod ihrer Tochter trug, ist nicht dokumentiert.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-23.04.1927.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="265" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-23.04.1927-1024x265.png" alt="" class="wp-image-1393" style="height:200px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-23.04.1927-1024x265.png 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-23.04.1927-300x78.png 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-23.04.1927-768x199.png 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-23.04.1927-1200x312.png 1200w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Neues-Tagblatt-23.04.1927.png 1204w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Stuttgarter Neues Tagblatt 23.04.1927, das Jahr des Unfalls ist falsch angegeben.</figcaption></figure></div>


<p>Ediths Bruder Karl ist 16 Jahre alt als seine kleine Schwester stirbt. Er fühlt nicht nur Trauer über den Verlust, seine Fragen gehen tiefer. Warum hat Gott das kleine Mädchen zu sich genommen? Hat ihr Tod irgendeinen Sinn? Und was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Arzt wollte er werden, aber die Medizin hat Edith nicht helfen können. So reift in ihm der Entschluss: er will Antworten auf seine Fragen finden. Karl Richter beschließt, Rabbiner zu werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Beginn des 20. Jahrhunderts: Von Oberschlesien nach Württemberg</h2>



<p>Als Samuel Richter Ende des 19. Jahrhunderts im oberschlesischen Bielitz-Biala im Ortsteil Komorowice geboren wurde, gehörte die Stadt an der Grenze zum heutigen Polen noch zu Österreich. Die Textilindustrie hatte den Wohlstand gebracht, Jugendstilvillen, elegante Einkaufsstraßen, große Tuchfabriken, fast wie in der Großstadt. &#8222;Klein-Wien&#8220; nannte man Bielitz damals. Zwanzig Prozent der Bevölkerung waren Juden, die prächtige Synagoge an der Kaiser Franz Josef-Straße zeugte von einer aufstrebenden Gemeinde. Obwohl die Stadt von polnischsprachigen Gebieten umgeben war, sprachen die meisten Menschen und vor allem die jüdische Bevölkerung in der Bielitz-Bialer Sprachinsel<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> deutsch. Samuels Vater Jacob betrieb eine kleine Werkstatt für Regenschirme, zusammen mit seiner Frau Hannah hatte er acht Töchter und Söhne. Sein Wohlstand war bescheiden, aber seine Kinder, die sollten es einmal besser haben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Bielsko-Biala_1910_Synagoga_i_ul._3_Maja-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="711" height="461" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Bielsko-Biala_1910_Synagoga_i_ul._3_Maja-1.jpg" alt="" class="wp-image-1403" style="height:500px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Bielsko-Biala_1910_Synagoga_i_ul._3_Maja-1.jpg 711w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Bielsko-Biala_1910_Synagoga_i_ul._3_Maja-1-300x195.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Synagoge von Bielitz, gemeinfrei<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup></figcaption></figure></div>


<p>Josefine Pick, die viele Jahre später Samuels Frau werden sollte, wurde 1882 etwa 100 Kilometer südlich von Bielitz-Biala in Turocz geboren. In einer Region wechselnder Staatszugehörigkeiten war Turocz damals Teil des Königreichs Ungarn. Nach 1918 kam es zur Tschechoslowakei, heute liegt der Ort in der Slowakei. Die Sprache der Familie war aber deutsch. Josefines Vater Karl war Aufseher einer Sägemühle. Als sie vier Jahre alt war, änderte sich ihr Leben schlagartig: Karl Pick wurde von einem durchgehenden Pferd überrannt und starb mit gerade einmal 33 Jahren. Seine Frau Jeanette, Josefines Mutter, musste sich und die sechs kleinen Kinder jetzt alleine durchbringen. Sie wurde Hebamme und entschied sich, einen Neuanfang im wohlhabenden Oberschlesien zu versuchen, in Bielitz-Biala. Glück im Unglück für die Halbwaise Josefine: In ihrer neuen Nachbarschaft lebte der vier Jahre ältere Samuel und der hatte es ihr schon früh angetan. Sie wuchsen zusammen auf, sie mochten sich und sie verbrachten ihre Freizeit zusammen: Josefines Auftritt beim Stiftungsfest des Bialaer jüdischen Turnvereins als &#8222;graziöse Pferdeturnerin&#8220; und Samuels anschließende Gesangseinlage sind dokumentiert. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="621" height="297" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image.png" alt="" class="wp-image-1404" style="height:300px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image.png 621w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-300x143.png 300w" sizes="auto, (max-width: 621px) 100vw, 621px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Jüdische Turnzeitung &#8211; Monatsschrift für die körperliche Hebung der Juden, V. Jahrg. No. 1 Januar 1904 <sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup></figcaption></figure></div>


<p>Josefine und Samuel verlobten sich, als sie 18 und er 22 war. Es sollte aber noch zehn Jahre dauern, bis sie endlich heiraten konnten. Samuels Familie war nicht begütert, er musste die Schule nach der achten Klasse verlassen und eine Arbeit annehmen. Aber Samuel war wissbegierig, fleißig, gesellig und beliebt &#8211; beste Voraussetzungen für eine Karriere als Verkäufer. Das Musikhaus des Hoflieferanten Levi Jakob in der Stuttgarter Innenstadt lockte Samuel Richter 1905 ins Schwabenland.<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup> Fünf Jahre brauchte er, um sich hier eine Existenz aufzubauen. Und jetzt konnte endlich geheiratet werden. Am 2. Januar 1910 traute Rabbiner Dr. Markus Steiner Samuel Richter und Josefine Pick in Bielitz.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup> Am 5. Januar 1910 bezogen die beiden eine Wohnung im zweiten Stock der Schlosserstraße 5a im Stuttgarter Heusteigviertel. Zehn Monate später, am 31. Oktober 1910, kam ihr Sohn Karl auf die Welt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Schlosserstr2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Schlosserstr2.jpg" alt="Schlosserstraße 5 in Stuttgart" class="wp-image-1446" style="height:500px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Schlosserstr2.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Schlosserstr2-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Schlosserstraße 5 in Stuttgart (eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Eine jüdische Familie in Stuttgart</h2>



<p>1910 lebten knapp 4300 Jüdinnen und Juden in Stuttgart.<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> Die prächtige Synagoge im Hospitalviertel war am 3. Mai 1861 eingeweiht worden, auf dem Pragfriedhof gab es seit 1874 einen jüdischen Teil, das Bahnhof-Hotel betrieb ein koscheres Restaurant. Jüdische Warenhäuser wie das &#8222;Kaufhaus der Einheitspreise&#8220; Kadep an der Ecke Tübinger/Kleine Königstraße, &#8222;Hermann Tietz&#8220; in bester Lage in der Königstraße 27 und ab Ende der 1920er-Jahre das schönste Kaufhaus Deutschlands, der &#8222;Schocken&#8220; in der Eberhardstraße<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup>, waren bestens besucht. Das Traditionsunternehmen Stuttgarter Hofbräu hatte einen jüdischen Direktor. Jüdische Politikerinnen und Politiker wie Thekla Kauffmann oder Fritz Elsas saßen im württembergischen Landtag, der Jude Berthold Heymann war Innenminister. Juden gehörten zum Stadtbild einfach dazu, trotz immer wieder aufkeimender antisemitischer Anfeindungen. Die gab es und die hatte es immer schon gegeben. Aber noch griff der Staat mehr oder minder engagiert ein, wenn es zu Angriffen gegen Eigentum, Leib und Leben jüdischer Bürgerinnen und Bürger kam. Noch galten die Gesetze für alle.</p>



<p>Das Leben der Richters ging den Gang einer ganz normalen Familie am Anfang des 20. Jahrhunderts. Samuel Richter war im Beruf erfolgreich, Josefine Richter sorgte für ein behagliches Zuhause, der kleine Karl tobte mit den Nachbarskindern durch die Hinterhöfe des Viertels. Mit den Nachbarn aus dem dritten Stock, dem Ehepaar Nikolaus und Bertha Heinl, er Katholik, sie Jüdin, verband die Familie bald eine herzliche Freundschaft. Diese sollte sich Jahre später als lebensrettend erweisen. Am Wochenende bot die Stadt mit den weinrebengefüllten Hängen beste Möglichkeiten für ausgiebige Spaziergänge. Von der Schlosserstraße aus war man damals wie heute in zwanzig Minuten auf einem der Hausberge Stuttgarts, dem Bopser, angelangt und konnte auf der Waldau stundenlang durch den Wald streifen.&nbsp;</p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/IMG_4536.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/IMG_4536.jpg" alt="Bopser mit Fernsehturm in Stuttgart" class="wp-image-1438" style="height:500px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/IMG_4536.jpg 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/IMG_4536-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Blick auf den Bopser mit Fernsehturm in Stuttgart (eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<p>Die Richters waren gläubige Juden, aber nicht orthodox. Samstags besuchten sie die Synagoge, die Kinder lernten Hebräisch. Jüdische Rabbis gaben genauso wie evangelische Pfarrer und katholische Priester den Religionsunterricht an den Schulen der Stadt. Noch war die Religion der Richters eine vom Staat akzeptierte.</p>



<p>Mitte 1914 kündigte sich erneut Nachwuchs in der Schlosserstraße 5a an: eine kleine Tochter war unterwegs. Die Freude über den Familienzuwachs währte nur kurz: am 1. August 1914 begann um sechs Uhr früh die General-Mobilmachung. Das Deutsche Reich hatte Russland den Krieg erklärt. Am 3. August 1914 rückten die Cannstatter Dragoner und das II. Bataillon der Olga-Grenadiere als erste Stuttgarter Truppen aus.<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> Die jüdische Bevölkerung in Deutschland sah für sich die Chance gekommen, zu beweisen, dass sie unverzichtbarer Teil der deutschen Gesellschaft geworden war. Viele Juden meldeten sich freiwillig und zogen für das Deutsche Reich in den Krieg.</p>



<p>Für Samuel Richter bedeutete der Kriegsbeginn vor allem Abschied &#8211; von seiner Karriere als Kaufmann im Musikgewerbe, von seiner Frau, seinem Sohn Karl und seiner ungeborenen Tochter. Vier Jahre lang kämpfte er an der Front in Russland und Italien. 1935 erhielt er für seinen Einsatz das Ehrenkreuz für Frontkämpfer &#8211; &#8222;im Namen des Führers und Reichskanzlers&#8220;. </p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-1.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="448" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-1.png" alt="" class="wp-image-1406" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-1.png 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-1-300x210.png 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 35312</figcaption></figure>
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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<p class="has-small-font-size"><em>Weniger Ehre als Hoffnung auf Überleben: Das &#8222;Ehrenkreuz für Frontkämpfer&#8220;, von Paul von Hindenburg drei Wochen vor seinem Tod im August 1934 gestiftet, wurde nur auf Antrag des Betroffenen verliehen. Viele Juden erhofften sich, als ehemalige Frontkämpfer der staatlichen Entrechtung entgehen zu können. Mit dem Ehrenkreuz wollten sie dies beweisen. Das sogenannte Frontkämpfer-privileg schützte sie aber nur für kurze Zeit.</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup></p>



<p></p>
</div>
</div>



<p>Wie überall in Deutschland mussten während des Krieges auch in Stuttgart die Frauen das Leben aufrechterhalten. Trotz der schwierigen Versorgungslage waren sie es, die ihre Kinder mit ausreichender Nahrung versorgten und die kämpfenden Männer im Berufsleben vertraten. Die Richters lebten fernab ihrer österreichischen Familie. Josefine, hochschwanger, wollte in diesen schweren Zeiten nicht alleine sein. Ihre ältere, noch ledige Schwester Luise beschloss, Josefine unter die Arme zu greifen und zog von Bielitz-Biala nach Stuttgart, in die Wohnung in der Schlosserstraße. Als am 2. März 1915 die kleine Ruth auf die Welt kam, war Josefine zwar ohne Mann, aber nicht allein. Die Schwestern Pick sorgten für das Überleben der Familie. Josefine fuhr zu den Bauern der Umgebung, um Obst oder ein Stückchen Butter zu ergattern, Luise verdiente als Änderungsschneiderin das notwendige Geld. Aber die Zeiten waren bitter. Ab März 1915 gab es Brot nur noch auf Brotkarten. Auch andere Lebensmittel wurden drastisch rationiert. Der Steckrübenwinter 1916/17 führte dann zu einer Hungersnot. Und am 15. September 1918 rückte der Krieg besonders nah an die Familie Richter heran &#8211; durch einen englischen Fliegerangriff wurden nur ein kleines Stück von der Schlosserstraße entfernt in der Heusteigstraße elf Menschen getötet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> Und dazu die bange Frage, ob Samuel heil aus dem mörderischen Krieg zurückkehren würde.</p>



<p>Im November 1918 hatte die Angst ein Ende: der Krieg war vorbei und Samuel kam wieder nach Hause. Sein Sohn Karl war jetzt acht und die kleine Ruth, die ihren Vater wahrscheinlich zum ersten Mal sah, drei Jahre alt. Seine Arbeitsstelle hatte Samuel verloren und es sollte wie bei vielen Kriegsheimkehrern einige Jahre dauern, bis sich die Familie wirtschaftlich fangen würde. Aber sie waren wieder vereint, das war jetzt erst mal die Hauptsache.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Samuel-Richter1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="366" height="524" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Samuel-Richter1.jpg" alt="" class="wp-image-1812" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Samuel-Richter1.jpg 366w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Samuel-Richter1-210x300.jpg 210w" sizes="auto, (max-width: 366px) 100vw, 366px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Samuel Richter 1939 <br>(Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 35312)</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Die Zwanziger Jahre: Aufbruch in eine bessere Zeit?</h2>



<p>Geht man heute durch die Innenstadt Stuttgarts, geprägt von einer fehlgeleiteten Verkehrspolitik, endlosen Baustellen und austauschbarer Architektur, die ihre wenigen innovativen Gebäude verschämt hinter unschönen Hotel- und Shoppingcenter-Bauten zu verstecken scheint, mag man nicht glauben, wie modern die Stadt in den 20er Jahren war. Für die Werkbundausstellung 1927 schuf die Crème de la Crème des Neuen Bauens mit der Weissenhofsiedlung eine Ahnung des Wohnens von Übermorgen. Erich Mendelsohn setzte mit dem Neubau des Kaufhaus Schocken Maßstäbe, Josephine Baker tanzte im Friedrichsbau-Theater.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup> Zwar kein Vergleich mit der brodelnden Hauptstadt Berlin, aber zumindest ein Tänzle auf dem Vulkan.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-2.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-2.png" alt="" class="wp-image-1407" style="height:500px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-2.png 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-2-300x225.png 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Installation in der Sonderausstellung &#8222;Stuttgart Twenties&#8220; im StadtPalais &#8211; Museum für Stuttgart <br>(eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<p>Wie ein Zeichen des Aufbruchs für die Richters in ein neues glückliches Familienleben kam im März 1920 die kleine Edith auf die Welt. Ein Kind, das in Frieden und Wohlstand aufwachsen sollte. Gleichzeitig blickte die Weimarer Republik nach Stuttgart. Am 13. März 1920, elf Tage nach Ediths Geburt, meuterte das Militär in Berlin im Kapp-Putsch gegen die Regierung. Reichspräsident Ebert flüchtete nach Stuttgart. Am 16. März tagte die Reichsregierung im Alten Schloss, am 18. März trat die Nationalversammlung im Kunstgebäude am Schlossplatz zusammen. Für vier Tage war Stuttgart quasi Hauptstadt des Deutschen Reichs.<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup></p>



<p>Bevor danach alles besser werden konnte, wurde das Leben zunächst vor allem teuer. Streiks, Arbeitslosigkeit und die Preise stiegen uferlos. Am 8. Januar 1923 kostete ein Kilo Weißbrot 530 Mark, neun Monate später musste man dafür mehr als eine Million Mark hinlegen. Die Stuttgarter Stadtverwaltung druckte Geld am laufenden Band. Am 20. Oktober 1923 wurde eine 100 Milliarden Mark Note herausgegeben. Dafür konnte man sich im November 1923 gerade noch zwei Liter Milch kaufen. <br>Im Jahr 1923 wurde Karl Richter 13 Jahre alt. Ein wichtiges Ereignis stand an: im Oktober feierte er seine Bar Mitzwa. Trotz der wirtschaftlichen Not bereitete ihm Mutter Josefine ein schönes Fest im kleinen Kreise. Sie buk mehrere Kuchen. Nachbarn und Freunde schenkten Bücher und Geld &#8211; das am nächsten Tag kaum noch etwas wert war. Am 15. November 1923 hatte der Spuk ein Ende &#8211; die Ausgabe der Rentenmark stoppte die Inflation.<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/495673.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="512" height="276" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/495673.jpg" alt="" class="wp-image-1467" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/495673.jpg 512w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/495673-300x162.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Landesmuseum Württemberg. MK 2012-89: Geldschein der Stadt Stuttgart 5 Milliarden Mark 1923, zuletzt bearbeitet 2023-05-19 <sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup></figcaption></figure></div>


<p>Das Leben in Stuttgart war in diesen Zeiten für alle nicht einfach. Für den jüdischen Teil der Bevölkerung kam jedoch  hinzu, dass in der Stadt seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein dichtes Netzwerk von völkischen Gruppen und Personen existierte, die mit Unterstützung der deutschnationalen &#8222;Süddeutschen Zeitung&#8220; gegen Juden hetzten. Dies führte dazu, dass in den frühen 20er Jahren in Stuttgart ein bedrohlicher antisemitischer Normalzustand erreicht worden war.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> Schon 1920 besuchte Hitler Stuttgart regelmäßig und hielt Vorträge. Die Stuttgarter Ortsgruppe der NSDAP hatte im Mai 1923 bereits 800 Mitglieder. Im August 1924 sprach Hitler vor über 3000 Zuhörern in der Liederhalle, trotz Redeverbots im übrigen Reich. Im April 1926 waren es Tausende, die auf dem Gauparteitag im Stuttgarter Wulle- und Dinkelackersaal Hitler und Goebbels zujubelten. Prügeleien zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, antisemititische Störaktionen, all das gehört jetzt zum Alltag in Stuttgart.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup></p>



<p>Die Familie Richter trotzte den stürmischen Zeiten. Für Vater Samuel ging es beruflich wieder bergauf. Als die Schuhfabrik Peter Kaiser aus Pirmasens einen Vertreter für Süddeutschland und die Schweiz suchte, ergriff er die Chance. 1927 wurde er mit wachsendem Erfolg Handelsvertreter für hochwertige Schuhe. Im gleichen Jahr wurde die Familie eingebürgert. Jetzt waren sie keine Österreicher oder Polen mehr, sie waren echte Württemberger. </p>



<p>Und Samuel Richter hatte wieder Zeit für seine Leidenschaft: Fußball. Vielleicht war er sogar Mitglied der Stuttgarter Kickers, einem Fußballverein mit starken jüdischen Wurzeln.<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> Sicherlich war aber ab 1933 Hakoah Stuttgart sein Team, hier wurde er am 15. Dezember 1934 in den Vorstand gewählt und leitete fortan den Spielausschuss.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup> 1937 erhielt er für sein Engagement die Silberne Makkabi-Ehrennadel.<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup> Das Engagement von Samuel Richter für Hakoah Stuttgart sollte sich später als lebensrettend erweisen.</p>



<p>Was Samuel und Josefine in Bielitz-Biala verwehrt blieb, eine gute Schulausbildung, das wollten sie zumindest ihrem Sohn ermöglichen. Karl besuchte das humanistische Karls-Gymnasium, lernte Latein, Griechisch, Englisch und Französisch. Am Nachmittag bekam er Geigenunterricht. In Karls Freundeskreis spielte Religion keine große Rolle, seine engsten Freunde waren nichtjüdische Mitschüler. Mit Hans Weitbrecht, später Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Bonn, verband ihn eine lebenslange Freundschaft.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-3.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="480" height="640" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-3.png" alt="Karls-Gymnasium in Stuttgart" class="wp-image-1442" style="width:auto;height:550px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-3.png 480w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-3-225x300.png 225w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Karls-Gymnasium Stuttgart (eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<p>1927 kam aber auch die große Zäsur für die Familie. Der Tod der kleinen Edith stellte alles in Frage, was bisher so selbstverständlich schien. Karl Richter hatte in Paul Rieger, seinem Religionslehrer am Karls-Gymnasium, seinem Rabbi, ein spirituelles Vorbild gefunden. Paul Rieger, der Stadtrabbiner von Stuttgart, liberal und deutsch-national. &#8222;Typus des deutsch-bewussten Juden&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup>, ein Lehrer, &#8222;an dessen Lippen seine Schüler hingen&#8220;.<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup> Paul Rieger hatte am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau studiert. Der charismatische Geistliche inspirierte Karl Richter für dessen weiteren Lebensweg: auch er wollte Rabbi werden und auch er wollte in Breslau studieren.</p>



<p>Nach bestandenem Abitur verließ Karl Richter 1928 seine Heimatstadt Stuttgart, die Geborgenheit der Familie und der elterlichen Wohnung. Er machte sich auf nach Breslau. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Studium in Breslau</h2>



<p>In der Hauptstadt von Niederschlesien lebten Ende der Zwanziger Jahre fast 600.000 Einwohner, darunter über 20.000 Juden. Die meisten stammten aus Polen, waren traditionell und religiös-orthodox, und schotteten sich in ihrem Schtetl ab. Die deutschen Juden in Breslau hingegen gehörten zum liberalen Bürgertum, waren integriert und patriotisch.<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup> Karl Richter schrieb sich an der philosophischen Fakultät der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität ein und absolvierte parallel die Rabbinerausbildung am jüdisch-theologischen Seminar, einer der wichtigsten jüdischen Bildungseinrichtungen in Europa. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Breslauseminar.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="390" height="375" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Breslauseminar.png" alt="" class="wp-image-1472" style="width:auto;height:500px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Breslauseminar.png 390w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Breslauseminar-300x288.png 300w" sizes="auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><br><a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33310370" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau</a><br>Autor unbekannt, gemeinfrei</figcaption></figure></div>


<p>Karl war intelligent und fleißig, er kam im fernen Breslau gut voran. 1933 hätte er sein Universitätsstudium abschließen können, seine Dissertation war bereits fertig. Die Nationalsozialisten verhinderten jedoch seinen Abschluss und auch die Dissertation wurde nicht veröffentlicht.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup> Karl Richter stürzte sich trotzdem oder gerade deswegen mit Leidenschaft in die Arbeit am Rabbinerseminar, war von 1932 bis 1933 Präsident der Studentischen Vertretung<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup>  und fand sogar seine große Liebe. Lina Ruth May, die Tochter des Kurators des Seminars, hatte es ihm angetan. Einladungen ins Haus ihrer Eltern Richard und Clara May nahm er gerne an &#8211; als Student war er dankbar für eine gute Mahlzeit und bei der anschließenden Hausmusik, bei der Vater Richard Klavier spielte und er selber Geige, verzauberte ihn Lina Ruths schöne Stimme. Diese Frau sollte es sein, auch wenn sie eigentlich noch ein Mädchen war. Nachdem Karl Richter seine Rabbinerausbildung mit dem Gesamtprädikat &#8222;mit Lob&#8220; abgeschlossen hatte<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup>, hielt er um ihre Hand an. </p>



<p>Doch bevor geheiratet werden konnte, musste dafür gesorgt werden, dass Lina Ruth lernte, was sie als Frau eines Rabbiners so brauchen würde. Koscher kochen, zum Beispiel. Am 1. Februar 1935 machte sie ein zweimonatiges Praktikum in der Küche der Israelitischen Altersversorgungsanstalt zu Breslau. </p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-09-um-19.35.15.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="837" height="1024" data-id="1441" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-09-um-19.35.15-837x1024.png" alt="" class="wp-image-1441" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-09-um-19.35.15-837x1024.png 837w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-09-um-19.35.15-245x300.png 245w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-09-um-19.35.15-768x940.png 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-09-um-19.35.15.png 1020w" sizes="auto, (max-width: 837px) 100vw, 837px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Akten der Israelitischen Kranken-Verpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft zu Breslau 105/855 auf <a href="https://cbj.jhi.pl" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Central Jewish Library </a> </figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-4.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="787" height="1024" data-id="1443" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-4-787x1024.png" alt="" class="wp-image-1443" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-4-787x1024.png 787w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-4-231x300.png 231w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-4-768x1000.png 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-4.png 922w" sizes="auto, (max-width: 787px) 100vw, 787px" /></a></figure>
</figure>



<p>Karls allererste Anstellung als Rabbiner führte ihn ins schlesische Hirschberg. Eine kleine Gemeinde, vielleicht ein guter Einstieg. Und jetzt konnte endlich geheiratet werden. Ruth war gerade erst 17 Jahre alt als sie dem jungen Rabbi am 31. März 1935 das Ja-Wort gab. Die Ehe würde 67 Jahre lang glücklich sein.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-12-um-20.12.46.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="562" height="168" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-12-um-20.12.46.png" alt="" class="wp-image-1449" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-12-um-20.12.46.png 562w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Bildschirmfoto-2023-06-12-um-20.12.46-300x90.png 300w" sizes="auto, (max-width: 562px) 100vw, 562px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs 1. Oktober 1934</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Die 30er Jahre: die Katastrophe naht</h2>



<p>Nach Stuttgart hatte Karl Richter nach wie vor eine enge Bindung, zu seiner Familie und zur dortigen jüdischen Gemeinde. Immer wieder hielt er Vorträge im Gemeindehaus in der Hospitalstraße.&nbsp;In Stuttgart existierte seit Anfang 1926 ein jüdisches Lehrhaus, eine Art Volkshochschule für jüdische Themen, das Hebräisch-Unterricht, theologische Kurse und Vorträge anbot. Schon als Student in Breslau beteiligte sich Karl Richter aktiv am Bildungsangebot. Aber auch als Rabbiner kam er regelmäßig nach Stuttgart, um Vorträge zu halten. </p>


<div class="wp-block-image is-resized">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/IMG_4579.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="594" height="640" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/IMG_4579.jpg" alt="" class="wp-image-1480" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/IMG_4579.jpg 594w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/IMG_4579-278x300.jpg 278w" sizes="auto, (max-width: 594px) 100vw, 594px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">aus unterschiedlichen Ausgaben des Jüdischen Gemeindeblatts für die Israelitischen Gemeinden Württemberg</figcaption></figure></div>


<p>1931 hatte es bei den Richters in Stuttgart wieder familiären Zuwachs gegeben. Josefines kleiner Bruder Arpad Pick war nach Stuttgart gezogen. Arpad war Pediceur und damit beauftragt, eine Niederlassung der &#8222;Deutschen Schollwerke GmbH&#8220; in der Königstraße 62 aufzubauen. Gesunde Füße und kranke Füße &#8211; die Richters waren ab sofort für alles zuständig.</p>



<p>Die Machtergreifung der Nazis am 13. Januar 1933 änderte alles. Für Stuttgart und für die Familie Richter. Zunächst ein kurzes Aufbäumen: als Hitler in der Stadthalle am 21. Februar 1933 eine Rede hielt, kappten vier Kommunisten beim &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgarter_Kabelattentat">Stuttgarter Kabelattentat</a>&#8220; das Übertragungskabel. Die wohl einzige spektakuläre Widerstandsaktion in Stuttgart. Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Am 1. April 1933 postierten sich SA- und SS-Männer vor jüdischen Geschäften, Arzt- und Rechtsanwaltspraxen und riefen zum Boykott auf. Am 9. Mai 1933 wurde der langjährige Oberbürgermeister Karl Lautenschlager aus dem Amt gedrängt und durch einen Nationalsozialisten ersetzt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> Die Gleichschaltung schritt voran und die Lage für die Juden und mit ihnen die Richters wurde immer schlimmer.</p>



<p>In Breslau wurde Karl Richter der Abschluss an der Universität verweigert. Seine Dissertation über&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Natorp">Paul Natorp</a>&nbsp;wurde nicht veröffentlicht</p>



<p>Am 9. April 1933 unterzeichneten auf Einladung der Stuttgarter Kickers 14 süddeutsche Spitzen-Fußballvereine die &#8222;Stuttgarter Erklärung&#8220;. Hierin bekundeten sie ihre Absicht, alle Juden aus ihren Vereinen auszuschließen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> Selbst wenn Samuel Richter kein Mitglied der Kickers war, ab jetzt spielten die jüdischen Fußballvereine nur noch unter sich.</p>



<p>Beruflich traf es bei den Richters Arpad Pick als ersten: „aus rassischen Gründen“ wurde er entlassen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> 1934 zogen die Richters und Arpad aus der Wohnung in der Schlosserstraße in eine Wohnung in der Kronenstraße 39 in der Nähe des Bahnhofs. Immer noch eine gute Adresse, eine 5-Zimmer-Wohnung, bestehend aus Wohn-, Arbeits- Schlaf-, Mädchen- und Fremdenzimmer, bis zuletzt auch mit Telefonanschluss.<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> Arpad schlug sich jetzt als &#8222;Reisevertreter&#8220; durch. Samuel wurde Mitte 1937 auf Anordnung des Kreisleiters der NSDAP in Pirmasens entlassen. Anfang 1938 wurde ihm auch die Reiselegitimationskarte entzogen. Damit konnte er nicht mehr als Handelsvertreter arbeiten. Die Familie war wirtschaftlich am Ende. </p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="480" height="640" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/IMG_4331.jpg" alt="" class="wp-image-1846" style="width:auto;height:550px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/IMG_4331.jpg 480w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/IMG_4331-225x300.jpg 225w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kronenstraße 39 in Stuttgart, das Haus, in dem die Richters lebten, hat den Krieg nicht überstanden (eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Schivelbein- Der motorisierte Rabbi </h2>



<p>Für Karl Richter war seine erste Anstellung in Hirschberg nur eine kurze Zwischenstation. Er hatte eine neue Stelle in Pommern angenommen. Schivelbein in Hinterpommern. Viel größer hätte der Kontrast zur schlesischen Metropole Breslau nicht sein können. Eine Kleinstadt am anderen Ende des Deutschen Reichs, knapp 10.000 Einwohner, inmitten eines klassischen Agrarlands, geprägt durch große Adelsgüter, auf denen die Zeit stehengeblieben zu sein schien. Der Ort lebte von Landwirtschaft und Handel, Industrie gab es kaum. Die pommerschen Gutsherrn wählten traditionell konservativ und legten auch ihren Mitarbeitern nahe, dies zu tun. 56 % der Bevölkerung hatten bei den Wahlen 1933 für die NSDAP gestimmt<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup>, 10% mehr als im übrigen Reich. Und der radikale Antisemitismus fand bereitwillige Anhänger. </p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Swidwin_synagoga_03.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="331" height="390" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Swidwin_synagoga_03.jpg" alt="" class="wp-image-1782" style="width:auto;height:500px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Swidwin_synagoga_03.jpg 331w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Swidwin_synagoga_03-255x300.jpg 255w" sizes="auto, (max-width: 331px) 100vw, 331px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Synagoge in Schivelbein (Public Domain wegen Alters)</figcaption></figure></div>


<p>Seit 1893 war die jüdische Gemeinde von Schivelbein ohne eigenen Rabbiner ausgekommen. Kantoren und Lehrer hatten das Gemeindeleben gestaltet. Nur an hohen Feiertagen kam der Rabbiner aus einer der benachbarten Gemeinden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup> Das hatte auch finanzielle Gründe. Die Mittel, die die Gemeindemitglieder für ihr geistliches Personal aufbringen konnten, sanken stetig. Schon vor 1933 war die jüdische Gemeinde geschrumpft. Das nahe Berlin bot so viel mehr Möglichkeiten für das berufliche und kulturelle Leben. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der verbliebenen Juden dramatisch. Nach dem Boykottaufruf vom 1. April 1933 und dem &#8222;Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums&#8220; vom 7. April 1933 wurde es für viele Juden immer schwieriger, ihren ursprünglichen Berufen nachzugehen. Zudem verloren die jüdischen Gemeinden ihren Status als Körperschaften des öffentlichen Rechts und damit jegliche staatliche Zuschüsse. Der Verband der Synagogengemeinden in Pommern musste darauf reagieren und beschloss deshalb im November 1934, in Schivelbein ein Bezirksrabbinat einzurichten. Von hier aus sollten von nun an Stadt und umgebendes Land, geschätzte 1000 Seelen, betreut werden.&nbsp;Und man entschied, dass sich der junge Rabbi Karl Richter dieser Herausforderung stellen sollte. Am 10. Februar 1935 wurde er feierlich in sein Amt eingeführt.</p>



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<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-3.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="456" height="222" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-3.png" alt="" class="wp-image-1409" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-3.png 456w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-3-300x146.png 300w" sizes="auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens 01.02.1935</figcaption></figure>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-4.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="470" height="178" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-4.png" alt="" class="wp-image-1410" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-4.png 470w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/image-4-300x114.png 300w" sizes="auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs 16.02.1935</figcaption></figure></div></div>
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<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Einfuehrung-Schivelbein.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="404" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Einfuehrung-Schivelbein-1024x404.jpg" alt="" class="wp-image-1412" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Einfuehrung-Schivelbein-1024x404.jpg 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Einfuehrung-Schivelbein-300x118.jpg 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Einfuehrung-Schivelbein-768x303.jpg 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/05/Einfuehrung-Schivelbein.jpg 1440w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden Preussens 01.03.1935</figcaption></figure>



<p>Den Vorsitz der jüdischen Gemeinde von Schivelbein hatte vor kurzem der angesehene Arzt Dr. Meyersohn<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup> übernommen. Die Gemeinde bereitet Karl und Lina Ruth Richter einen herzlichen Empfang. Auch einige nichtjüdische Bürgerinnen und Bürger Schivelbeins waren dem neuen Rabbi wohlgesonnen. Das änderte sich nur ein halbes Jahr später. Die Nürnberger Gesetze wurden verabschiedet, und sie schienen den Schivelbeinern einen neuen moralischen Kompass an die Hand gegeben zu haben. Ab sofort verging kaum eine Nacht, in der Karl und Lina Ruth Richter nicht durch Klopfen an die Fensterscheiben, Schläge gegen die Tür und &#8222;Juden raus!&#8220;-Rufe aus dem Schlaf gerissen wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup></p>



<p>Karl Richter stürzte sich trotzdem in die Arbeit. Zwölf Dörfer im Umkreis musste er abdecken und der Bedarf an seelsorgerischem Beistand wurde immer größer. Die offene Feindschaft, die jahrzehntelange Nachbarn den Juden entgegenbrachten, schockierte die Gemeindemitglieder und rückte den Glauben noch mehr in den Mittelpunkt ihres Lebens. Karl und Lina Ruth Richter fuhren über Land, der jüdische Rat hatte ihnen ein kleines Auto zur Verfügung gestellt &#8211; noch eine Seltenheit in Schivelbein &#8211; und so wurde aus Karl Richter einer der ersten motorisierten Rabbis in Deutschland. Sie besuchten die verschiedenen Gemeinden, Karl gab den wenigen Kindern Religionsunterricht, veranstaltete Gottesdienste und Vorlesungen. Die Gemeinden bestanden meist aus älteren Menschen, weil immer mehr Jüngere Deutschland verließen. Im benachbarten Bad Polzin war er öfter bei Dr. Leo Levy, dem Inhaber einer großen Holzhandlung eingeladen. Leo Levy wurde am frühen Morgen des 10. November 1938 in seinem Haus von einem SS-Mann erschossen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup> Roman Frister hat der Familie Levy aus Bad Polzin in seinem Buch &#8222;Ascher Levys Sehnsucht nach Deutschland&#8220; 1999 ein Denkmal gesetzt. Vielleicht hatte Karl Richter noch die Gelegenheit, es zu lesen.</p>



<p>Die Situation in Schivelbein spitzte sich für Juden immer mehr zu. Als die Richters eines Tages nach Hause kamen, war ein Plakat über die Straße gezogen auf dem stand &#8222;Am nächsten Sonntag wird der Rabbiner im Stadion gehängt&#8220;. Auch die nächtlichen Attacken wurden schlimmer. Das Paar entschloss sich im Oktober 1935, aus dem Gemeindehaus in eine Wohnung am Marktplatz umzuziehen, die einem Gemeindemitglied gehörte. Im 2. Stock hofften sie auf mehr Sicherheit. Doch dann wurde durch ihr Fenster geschossen. Im Herbst 1935 wude Karl Richter in die Gestapozentrale in Köslin vorgeladen. Er habe in der Synagoge eine Rede gegen die Regierung gehalten. Er wurde befragt und für mehrere Stunden in eine Zelle eingeschlossen. Mit der Drohung, beim nächsten Vorfall würde er ins Konzentrationslager kommen, wurde er schließlich entlassen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup></p>



<p>Als sich der Stettiner Rabbi Dr. Max Elk entschloss, nach Palästina auszuwandern, kam eine jüdische Delegation aus der pommerschen Hauptstadt nach Schivelbein gereist, um dem gerade einmal 25 Jahre alten Karl Richter die Nachfolge anzutragen. Eine große Ehre und Anerkennung für den jungen Rabbi. So währte Karl Richters Aufenthalt in Schivelbein nur elf Monate. Sein Nachfolger Siegfried Scheuermann wurde zum Liquidator der Gemeinde &#8211; seine Hauptaufgabe bestand nur noch darin, den Menschen zur Flucht zu verhelfen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">38</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Stettin und Mannheim &#8211; der Anfang vom Ende</h2>



<p> Am 1. Februar 1936 trat Karl Richter seinen Dienst in der Synagoge in Stettin an. Sein stolzer Vater Samuel hatte die beschwerliche Reise aus dem 800 km entfernten Stuttgart auf sich genommen, um diesen wichtigen Tag im Leben seines Sohnes mit ihm zu teilen. Doch die Hoffnung der Richters, dass der wachsende Judenhass das tägliche Leben in der Großstadt nicht dominieren würde, erfüllte sich nicht. Auch in Stettin wurde nichts besser. Schnell wurde der Familie Richter klar, dass es keine gute Zukunft für Juden in Deutschland mehr geben konnte. Auch in Stettin war die Gemeinde in Auflösung begriffen. Pommern sollte judenfrei werden, als erster Gau des Reiches, das hatte sich Gauleiter Franz Schwede fest vorgenommen. &#8222;Es war eine traurige Zeit. Einige verzweifelte ältere Leute nahmen sich das Leben.&#8220;, erinnerte sich Karl Richter später an seine Zeit in Stettin. Trotzdem glaubten seine Frau Lina Ruth und er an ihre ganz persönliche Zukunft &#8211; am 3. Mai 1936 kam Tochter Esther Edith in Stettin zur Welt. Edith wie die kleine Schwester, die Karl Richter vor zehn Jahren verloren hatte. </p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/New_Synagogue_in_Szczecin_01.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="403" height="600" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/New_Synagogue_in_Szczecin_01.jpg" alt="" class="wp-image-1420" style="width:auto;height:550px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/New_Synagogue_in_Szczecin_01.jpg 403w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/New_Synagogue_in_Szczecin_01-202x300.jpg 202w" sizes="auto, (max-width: 403px) 100vw, 403px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Stettiner Synagoge, Autor unbekannt, gemeinfrei<sup class="modern-footnotes-footnote ">39</sup></figcaption></figure></div>


<p>Als Karl Richter das Angebot erhielt, Rabbiner in Mannheim zu werden, stimmte er sofort zu &#8211; Mannheim liegt nur etwas über 100 km von Stuttgart entfernt, was immer passieren mochte, er wäre näher bei den Eltern und seiner Schwester. Am 1. Februar 1938 begann er seinen Dienst als Stadtrabbiner in der Hauptstadt der Kurpfalz. Keine anderthalb Jahre würde er hier verbringen und es würden seine letzten 15 Monate in Deutschland sein.  </p>



<p>Die Deportation der Mannheimer Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit Ende Oktober 1938 markierte den Beginn der Lebensgefahr, in der sich bald alle Juden in Deutschland befanden. Am 10. November 1938 um sechs Uhr morgens ließ die Mannheimer SA eine Sprengladung an der Synagoge zünden, die das prächtige Gotteshaus zur Ruine werden ließ.<sup class="modern-footnotes-footnote ">40</sup> Fassungslos stieg Rabbi Richter durch die Trümmer, die verbrannten Bücher, die zerstörte Einrichtung.<sup class="modern-footnotes-footnote ">41</sup> Jetzt war klar &#8211; er musste gehen. Er musste alles tun, um seine Familie in Sicherheit zu bringen. Zunächst war es aber seine Frau Lina Ruth, die sein Überleben sicherte. Sie wusste, dass die Gestapo nach ihm suchen würde. Die Rabbiner mit ihrem Einfluss auf die Gemeinden standen auf der Einschüchterungsliste der Nazis ganz oben. Lina Ruth Richter beschwor ihren Mann, nicht in die Wohnung zurückzukehren, sondern ein Versteck zu suchen. Das fand Karl Richter &#8211; er verbrachte die Nacht im jüdischen Krankenhaus Mannheims genau dort, wo keiner nach ihm suchen würde &#8211; auf der Isolierstation für Patienten mit Scharlach. </p>



<p>Auch in Stuttgart wurde die Synagoge im Hospitalviertel, das Zentrum jüdischen Lebens in der Stadt, in Schutt und Asche gelegt.  </p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/IMG_5239-e1699560075904.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="470" height="554" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/IMG_5239-e1699560075904.jpg" alt="" class="wp-image-1809" style="width:auto;height:550px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/IMG_5239-e1699560075904.jpg 470w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/IMG_5239-e1699560075904-255x300.jpg 255w" sizes="auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Bild der alten Stuttgarter Synagoge in der Neuen Synagoge in Stuttgart <br>(eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<p>Samuel Richter war außer sich, er sorgte sich um den Sohn, die Schwiegertochter und die kleine Enkelin in Mannheim. Er musste etwas tun. Samuel machte sich auf nach Mannheim. Die Wohnung seines Sohnes fand er verlassen vor. Jemand gab ihm den Tipp, im jüdischen Krankenhaus nachzusehen. Als der erleichterte Samuel seinen Sohn dort gefunden hatte, bestand er darauf: Karl, Lina Ruth und Esther müssten mit ihm nach Stuttgart kommen, dort schien es noch nicht losgegangen zu sein mit den Verhaftungen. Jemand brachte sie mit dem Auto ins nahe Heidelberg, von dort nahmen sie den Zug nach Stuttgart. Doch schon bei ihrer Ankunft am Bahnhof merkten sie, dass sie der Verfolgung auch hier nicht entgehen würden. Auf keinen Fall konnte Karl jetzt mit in die Wohnung der Richters kommen, dort würde man ihn sicherlich finden. Ihr Freund und früherer Nachbar aus der Schlosserstraße Nikolaus Heinl war die Rettung &#8211; er versteckte Karl mehrere Nächte auf dem Dachboden seiner Wohnung in der Johannesstraße 70, bis die Familie wieder nach Mannheim zurückkehren konnte.</p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-6.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="480" height="640" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-6.png" alt="Johannesstraße in Stuttgart" class="wp-image-1474" style="width:auto;height:550px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-6.png 480w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-6-225x300.png 225w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Das Haus in der Johannesstraße 70, auf dessen Dachboden sich Karl Richter nach der Pogromnacht versteckte (eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<p>Samuel Richter konnte seinen Sohn schützen, fiel den Häschern aber selber zum Opfer. Er wurde grundlos verhaftet und in &#8222;Schutzhaft&#8220; genommen. Einen Monat musste er im Konzentrationslager Welzheim verbringen, wurde bei der Einlieferung vom Gefängniskommandanten ausgeplündert und verlor in den kräftezehrenden folgenden vier Wochen 18 Pfund an Gewicht. Vermutlich bewahrte ihn nur seine Vergangenheit als Frontkämpfer vor einer langen Inhaftierung. Jahre später wird ihn die Bundesrepublik Deutschland nach langem bürokratischem Kampf mit vier D-Mark pro Tag für die ungerechtfertigte Haft entschädigen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">42</sup></p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-7.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="389" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-7.png" alt="" class="wp-image-1476" style="height:500px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-7.png 640w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-7-300x182.png 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Riegel einer Zellentür aus dem Polizeigefängnis Welzheim, Museum &#8222;Hotel Silber&#8220; Stuttgart (eigenes Bild)</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Die Flucht</h2>



<p>Samuel Richter hatte bei seiner Entlassung aus dem KZ Welzheim unterschreiben müssen, dass er Deutschland innerhalb von vier Monaten verlassen würde. Der Einschüchterung durch die Nazischergen hätte es aber gar nicht bedurft. In diesem Land, ihrer Heimat, wollten die Richters in Stuttgart auf keinen Fall mehr bleiben. In Mannheim machte sich Karl Richter die Entscheidung nicht leicht. Er hatte Skrupel, er wollte seine Gemeinde nicht im Stich lassen. Erst ein Briefwechsel mit der moralischen Instanz des liberalen Judentums in Deutschland, Rabbi Leo Baeck, überzeugte ihn: er musste sich und seine Familie retten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">43</sup></p>



<p>Deutschland zu verlassen war zu dieser Zeit ein vergleichsweise geringes Problem, wenn man bereit war, sich wirtschaftlich zu ruinieren. Eine viel größere Herausforderung war es, ein Land zu finden, das jüdische Flüchtlinge aufnahm. Die Vorgänge in Deutschland geschahen nicht im Verborgenen, die brennenden Synagogen, die Verfolgungen, die Entrechtungen &#8211; all dies fand vor den Augen der Weltöffentlichkeit statt. Trotzdem schlossen sich die Türen für jüdische Flüchtlinge rund um den Globus. Die internationale Konferenz von Évian, bei der Vertreter von 32 Staaten auf Einladung der USA über Perspektiven für die verfolgten Juden diskutierten, endete am 15. Juli 1938 mit einer moralischen Bankrotterklärung der Weltgemeinschaft &#8211; unschön, die Situation da in Deutschland, aber wir können euch nicht aufnehmen. </p>



<p>Doch die Familie Richter war findig. Samuel Richters Fußballleidenschaft entpuppte sich als Rettung für Tochter Ruth. Ernst Freudenheim<sup class="modern-footnotes-footnote ">44</sup>, Vorsitzender des Fußballvereins Hakoah Stuttgart, emigrierte Ende 1937 in die USA<sup class="modern-footnotes-footnote ">45</sup> und bot ihr eine Stelle als Haushälterin an. Die notwendige Basis, um ein Arbeitsvisum für die USA zu ergattern. Am 15. Dezember 1938 erreichte Ruth Richter New York und war in Sicherheit. </p>



<p>Am 20.03.1939 erhielt Samuel Richter in Stuttgart die Nachricht vom englischen Konsulat in Berlin, dass er und seine Frau nach Palästina einreisen dürften &#8211; wenn sie es schafften, am 4. April 1939 das Schiff in Triest zu erreichen. Zwei Wochen, um ein ganzes Leben in Stuttgart aufzulösen. Drei Kisten Hausrat gestand man ihnen zu. Für ein Drittel des eigentlichen Werts verkaufte Samuel die gesamte Wohnungseinrichtung, um die Kosten der Reise nach Palästina bestreiten zu können. Wären noch Wertgegenstände vorhanden gewesen, die Nazis hätten auch diese geraubt. Erlaubt war die Mitnahme &#8222;einer Uhr (kein Gold), zweier Bestecke (4teilig) pro Person, des Eheringes&#8220;. Und 10 Reichsmark pro Person.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/StAL-EL-350-I_BA-35312_0005.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="616" height="481" data-id="1426" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/StAL-EL-350-I_BA-35312_0005.jpeg" alt="" class="wp-image-1426" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/StAL-EL-350-I_BA-35312_0005.jpeg 616w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/StAL-EL-350-I_BA-35312_0005-300x234.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 616px) 100vw, 616px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">(Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, </figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/StAL-EL-350-I_BA-35312_0006.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="617" height="480" data-id="1425" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/StAL-EL-350-I_BA-35312_0006.jpeg" alt="" class="wp-image-1425" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/StAL-EL-350-I_BA-35312_0006.jpeg 617w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/StAL-EL-350-I_BA-35312_0006-300x233.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 617px) 100vw, 617px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 35312)</figcaption></figure>
</figure>



<p>Samuel und Josefine Richter überquerten die jugoslawische Grenze bei Rosenbach in Österreich am 4. April 1939 und erreichten das Schiff in Triest am 5. April 1939. Am 10. April 1939 bekamen sie die Aufenthaltsgenehmigung für Palästina und ließen sich in Tel Aviv nieder. </p>



<p>Karl und Lina Ruth Richter flohen mit der kleinen Tochter Esther in die USA. Über Kontakte eines Rabbinerkollegen aus Heidelberg hatte Karl eine Rabbinerstelle in Fredericksburg, Missouri angeboten bekommen. Der Visumsprozess zog sich quälend langsam hin. Doch da kam unerwartete Hilfe von einem Senator aus Missouri, der das amerikanische Konsulat in Stuttgart bat, das Visum schnell zu erteilen. Dieser Senator namens Harry S. Truman wurde 1945 zum 33. Präsidenten der USA gewählt und Karl Richter bewahrte sein lebensrettendes Empfehlungsschreiben zeitlebens wie einen Schatz auf. Am 20. April 1939 sollte es dann endlich soweit sein &#8211; Karl und Lina Ruth Richter machten sich auf den Weg von Mannheim nach Stuttgart, um ihre Visa im amerikanischen Konsulat in der Königstraße 19 A in Empfang zu nehmen. Doch sie standen vor verschlossenen Türen &#8211; an &#8222;Führers Geburtstag&#8220; machten sogar die Amerikaner Pause. Eine lange Nacht mussten sie in Stuttgart warten und konnten dann endlich das rettende Visum in Empfang nehmen. Auch sie durften aus Mannheim kaum etwas mitnehmen. Beim Packen der Umzugskisten kam ein Zollbeamter in die Wohnung nach Mannheim um darüber zu wachen, dass keine Wertgegenstände in die Kisten gelangten. Vielleicht möchte er einen Schnaps trinken, während sie packen, fragten ihn die Richters. Mochte er, aus einem wurden mehrere und der strenge Blick des Aufsehers verschwamm. So gelang es der Familie, neben dem ein oder anderen verbotenen Kerzenleuchter eine kleine Besanimbüchse, einen rituellen Gewürzbehälter, die Karl Richter in Breslau gekauft hatte, in die Kisten zu schmuggeln. Seine Tochter Esther hält diese kleine silberne Box bis heute in Ehren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">46</sup> Am 11. Mai 1939 erreichte die Familie New York. Auf der Überfahrt hatte Esther ihren dritten Geburtstag gefeiert.</p>



<p>Josefines Bruder Arpad, der viele Jahre mit den Richters in einer Wohnung in Stuttgart lebte, hatte weniger Glück. Er hatte weder ein Visum für die USA noch für Palästina ergattern können. Durch die Grenzverschiebungen nach dem 1. Weltkrieg gehörte sein Geburtsort Grenitz jetzt zur Tschechoslowakei und Arpad war dadurch tschechischer Staatsangehöriger. Deswegen floh er zunächst nach Prag. Am 15.03.1939 war die Wehrmacht in die tschechische Hauptstadt einmarschiert, aber noch war es für Juden sicherer als in Deutschland. Doch Ende 1939 wurde die Situation auch hier lebensgefährlich. Arpad hatte Glück im Unglück &#8211; eine zionistische Organisation hatte im Oktober 1939 kurzfristig ein größeres Schiff als ursprünglich geplant zur Verfügung, das Juden über das Schwarze Meer nach Palästina bringen sollte. Abreise: sofort. Am 28.10.1939 ging es zunächst nach Bratislava, dann mit dem Raddampfer über die Donau weiter ins rumänische Sulina an der Schwarzmeerküste. Hier hatte der türkische Eigner des Frachtdampfers Sakarya gerade gemerkt, dass er jüdische Flüchtlinge illegal nach Haifa bringen sollte und wollte jetzt den Preis neu verhandeln. Arpad bestieg die S.S. Sakarya am 25.12.1939, aber es sollte Wochen dauern bis die Reise starten konnte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">47</sup> Weitere Schiffe kamen über die Donau an und am Ende waren es 2175 Menschen, die in der winterlichen Kälte ihre Hoffnung in den alten Kohlendampfer legten. Verzweifelt versuchten die Organisatoren, mehr Geld aufzutreiben, ihr Hilferuf drang bis nach Südafrika und endlich war genug zusammen, um den Reeder zufriedenzustellen. Am 1. Februar 1940 konnte die Sakarya endlich auslaufen. Am 10. Februar verließen sie das Schwarze Meer, das Mittelmeer war schon in Sicht, da hielt ein britischer Kreuzer das Schiff an. Ein Schock, und dann eine kurze Erleichterung: man würde sie nicht zurückschicken. Ein Kommando der Briten kam an Bord und dirigierte die restliche Fahrt. Am 13.02.1940, dreieinhalb Monate, nachdem er Prag verlassen hatte, warf Arpad den ersten Blick auf das Heilige Land.<sup class="modern-footnotes-footnote ">48</sup> Doch es dauerte sechs Monate, bis er ein freier Mensch war. Die Briten brachten die Passagiere zunächst in das Internierungslager Atlit, südlich von Haifa. Ein Camp aus Baracken und Zelten, das sich für viele Insassen anfühlte, als seien sie jetzt im Konzentrationslager angekommen. Und Arpad war krank. Als kerngesunder Mann hatte er Stuttgart verlassen, die Monate auf dem eisigen Schiff, die Ungewissheit und die Enttäuschung hatten sein Herz krank gemacht. Doch wenigstens waren in Palästina Menschen aus der Heimat, die ihn besuchten und ihm über die Zeit im Lager hinweghalfen. Erwin Alter aus der Augustenstraße im Stuttgarter Westen und Max Arm, Erwins Schwager, seine guten Freunde. Und seine Schwester Josefine. Bei ihr konnte er in der Wohnung in Tel Aviv unterkommen, als er im August 1940 endlich entlassen wurde, sie pflegte ihn gesund. Und er schaffte es, an sein Leben in Stuttgart anzuknüpfen &#8211; auch in Tel Aviv gab es eine Filiale von Dr. Scholl, bei der er als Pediceur und Verkäufer arbeiten konnte. Doch Arpad würde sich nie wieder ganz von den Strapazen der Flucht erholen. Am 28. Mai 1948 starb er mit 62 Jahren an einem Herzleiden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">49</sup></p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="480" height="539" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image.png" alt="" class="wp-image-1427" style="width:auto;height:550px" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image.png 480w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/image-267x300.png 267w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Sterbeurkunde von Arpad Pick (Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 38445)</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Überleben</h2>



<p>Samuel und Josephine Richter blieben nur einige Jahre in Tel Aviv. Samuel fand keine bezahlte Arbeit und managte schließlich ein jüdisches Fußballteam. Das Ehepaar verdiente sich ein kleines Zubrot, indem sie Untermieter aufnahmen, die von Josefine bekocht wurden. Ihre Kinder in den USA unterstützen sie finanziell, soweit es ihnen möglich war. Doch der Krieg verfolgte sie bis nach Palästina. Am Nachmittag des 9. September 1940 wurde Tel Aviv von italienischen Kampfflugzeugen angegriffen. 137 Menschen starben, 80 wurden zum Teil schwer verletzt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">50</sup> Unter den schwer Verletzten befand sich auch Samuel Richter.<sup class="modern-footnotes-footnote ">51</sup> Am 1. April 1947 siedelten Samuel und Josefine Richter in die USA über und lebten bis zu ihrem Tod in Buffalo, New York. Samuel, mittlerweile im Rentenalter, war &#8222;als einfacher Arbeiter&#8220; in einer Fabrik beschäftigt &#8211; bis er 81 Jahre alt war.<sup class="modern-footnotes-footnote ">52</sup>   Nach langem bürokratischen Kampf bekam er eine kleine Rente aus Deutschland zur Kompensation des &#8222;Schadens im beruflichen Vorankommen&#8220;. Seine Frau Josefine starb am 6. August 1961 mit 78 Jahren. Samuel Richter starb 91-jährig am 15.11.1970 in Buffalo. </p>



<p>Karl und Ruth Richter schaffen es, in den USA Fuß zu fassen. Ihr Sohn David kam dort 1945 zur Welt, ihr &#8222;Peace Baby&#8220; nannten sie ihn. Karl Richter war lange Jahre als Rabbi in Missouri, South Dakota und Indiana tätig, bevor er seinen Ruhestand in Florida genießen konnte. Dutzende Familienmitglieder waren in der Shoah ermordet worden, von vielen kann bis heute nicht einmal der genaue Ort ihres Todes ermittelt werden. Albträume und die Schuldgefühle der Überlebenden begleiteten Karl Richter für den Rest seines Lebens. Trotzdem besuchte er seine Heimat noch ein paar mal, zuletzt zur Einweihung der neuen Synagoge in Mannheim im Jahr 1998, wo er zur Hoffnung und Versöhnung aufrief.<sup class="modern-footnotes-footnote ">53</sup> Das Bedürfnis, Zeugnis abzulegen über das, was ihm, seiner Familie und allen Jüdinnen und Juden in Deutschland widerfahren ist, hat ihn nie verlassen. Im hohen Alter von fast 87 Jahren stellte er sich 1997 einem Interview der Shoah Foundation, das in Teilen Basis der hier geschilderten Geschichte ist. Seine Frau Lina Ruth Richter starb vier Jahre später, kurz vor Weihnachten 2001. Den Verlust der Frau, mit der er mehr als 65 Jahre seines Lebens geteilt hatte, war für ihn kaum zu verwinden. Karl Richter starb am 25. September 2005 mit 94 Jahren in Tampa, Florida. </p>


<div class="wp-block-image is-resized">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Karl-Richter.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="550" height="710" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Karl-Richter.jpg" alt="" class="wp-image-1482" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Karl-Richter.jpg 550w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/06/Karl-Richter-232x300.jpg 232w" sizes="auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Dr. Karl Richter<br> mit freundlicher Genehmigung von Esther Blumenfeld Richter</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Nachwort</h2>



<p>Ich habe mich auf die Zeit von Dr. Karl Richter in Stuttgart und Schivelbein konzentriert. Seinem reichen Leben, insbesondere seiner theologischen Arbeit, werde ich damit sicherlich nicht gerecht. Insofern muss dieser Beitrag unvollständig bleiben. Warum gerade diese beiden Orte? Meine Familie väterlicherseits kommt aus Schivelbein, sie waren einfache evangelische Arbeiterinnen und Arbeiter. Und Stuttgart ist die Stadt, in der ich heute lebe. Dass sich die Spuren von Rabbi Karl Richter in meiner direkten Umgebung finden würden, hatte ich nicht erwartet.</p>



<p>Die Familie Richter lebte in unmittelbarer Nähe der Familie meines Mannes. Die Wohnung meiner Schwiegereltern, die ich hunderte Male besucht habe, ist eine Minute von der Schlosserstrasse 5a entfernt. Der Kindergarten meines Mannes befand sich direkt neben dem Haus der Richters. Ich bin überzeugt, dass meine &#8222;Schwiegergroßmutter&#8220; die Familie Richter kannte &#8211; Ruth Richter, die Schwester von Karl, war nur knapp zwei Jahre jünger und nur 100 Meter trennten die Häuser der beiden &#8222;Backfische&#8220;, wie man Teenagerinnen damals nannte. Um die Ecke meiner Wohnung im Stuttgarter Westen liegen die Stolpersteine der Eltern von Erwin Alter<sup class="modern-footnotes-footnote ">54</sup>, dem Freund von Arpad Pick, der ihn im Lager Atlit besuchte. Die Geschichte der Familie Richter in Stuttgart ist mir räumlich so nah wie sie es meinen Großeltern in Schivelbein gewesen sein muss. Sie lebten in der Mittelstraße, nur wenige Meter entfernt von der Wohnung von Rabbi Richter am Marktplatz.</p>



<p>Die Reise in die Stuttgarter Vergangenheit von Dr. Karl Richter hat meine Sicht auf die Stadt verändert. Gerade in Gegenden wie dem Heusteigviertel, wo das alte Stuttgart noch aufblitzt, wo Krieg und Verkehrsplanung wenig gewütet haben, wird mir deutlich, welchen Anteil  jüdische Familien, ihre Kultur und Geschäfte, am Stuttgarter Leben bis 1933 hatten. Karl Richter hat nie begreifen können, wie die deutsche Gesellschaft ihre jüdischen Mitbürger demütigen, verfolgen und ermorden konnte. Auch das verbindet mich mit ihm.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Stammbaum der Familie Richter</strong></h2>


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<figure class="aligncenter size-large"><a href="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Bildschirmfoto-2023-11-08-um-18.43.26.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="458" src="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Bildschirmfoto-2023-11-08-um-18.43.26-1024x458.png" alt="" class="wp-image-1797" srcset="https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Bildschirmfoto-2023-11-08-um-18.43.26-1024x458.png 1024w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Bildschirmfoto-2023-11-08-um-18.43.26-300x134.png 300w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Bildschirmfoto-2023-11-08-um-18.43.26-768x344.png 768w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Bildschirmfoto-2023-11-08-um-18.43.26-1536x688.png 1536w, https://ahnenblog.globonauten.de/wp-content/uploads/2023/11/Bildschirmfoto-2023-11-08-um-18.43.26.png 1912w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">eigene Grafik <br>Josephine Pick hatte weitere Geschwister, nur die beiden in diesem Bericht erwähnten sind aufgeführt</figcaption></figure></div>


<p>&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verwendete Quellen</h2>



<h4 class="wp-block-heading">Internet</h4>



<p><a href="https://www.alemannia-judaica.de/index.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alemannia Judaica</a>, Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum </p>



<p>Arolsen Archives: <a href="https://collections.arolsen-archives.org/de/search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Online Archiv</a></p>



<p><a href="https://cbj.jhi.pl" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Central Jewish Library</a> des Emanuel Ringelblum Jewish Historical Institute, Warschau</p>



<p><a href="https://www.hagalil.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">HaGalil, Jüdisches Leben online</a></p>



<p><a href="https://www.jri-poland.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jewish Records Indexing Poland</a></p>



<p><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/judaica/nav/index/all" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Judaica</a> der Universitätsbibliothek der Goethe Universität Frankfurt am Main, hier &#8211; unter vielem anderen &#8211; die Gemeindezeitungen der jüdischen Gemeinden</p>



<p><a href="https://digital.wlb-stuttgart.de/index.php?id=6&amp;tx_dlf%5Bid%5D=115625&amp;tx_dlf%5Bpage%5D=1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stuttgarter Neues Tagblatt</a> auf den Seiten der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart</p>



<p><a href="https://www.ushmm.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">United States Holocaust Museum</a></p>



<p><a href="https://vha.usc.edu/home" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Visual History Archive der USC Shoa Foundation</a>, hier nach Registrierung das Interview mit Dr. Karl Richter</p>



<p>Yad Vashem: <a href="https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer</a></p>



<p>Arizona Jewish Post: <a href="https://azjewishpost.com/2017/havdalah-spice-box-reminder-of-fathers-legacy-of-hope/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Havdalah spice box reminder of father&#8217;s legacy of hope</a></p>



<p>Tampa Bay Times: <a href="https://www.tampabay.com/archive/2005/09/28/karl-richter-tampa-rabbi-a-prophet-for-our-times/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Karl Richter, Tampa Rabbi, &#8222;a prophet for our times&#8220;</a></p>



<p>History Museum on the Square, Springfield, Missouri: <a href="https://historymuseumonthesquare.org/rabbi-karl-richter/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rabbi Karl Richter</a></p>



<h4 class="wp-block-heading">Bücher und Aufsätze</h4>



<p>Antifaschistische Initiative gegen das Vergessen: &#8222;Der Bedarf an Bestecken ist gedeckt, Dokumente zur Ausplünderung der Stuttgarter Juden&#8220;</p>



<p>Fliedner, Hans-Joachim: Die Judenverfolgung in Mannheim 1933 &#8211; 1945, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Mannheim, 1991</p>



<p>Frister, Roman: Ascher Levys Sehnsucht nach Deutschland, München 1999</p>



<p>Kolloquim der Sektionen Geschichtswissenschaft und Theologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald: Der faschistische Pogrom vom 9./10. November 1938 &#8211; Zur Geschichte der Juden in Pommern, Greifswald 1988</p>



<p>Kotzurek, Annegret, Reddies, Rainer: Stuttgart von Tag zu Tag 1900-1949, Stuttgart 2009</p>



<p>Mannheim Reunion Committee New York: <a href="https://www.jewishgen.org/yizkor/Mannheim/images/Mannheim%20Survivors%20Reflections%20June1990.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Reflections by Jewish survivors from Mannheim</a>,  Juni 1990</p>



<p>Peiser, Jacob: Die Geschichte der Synagogen-Gemeinde zu Stettin, 2. Auflage, Würzburg 1965</p>



<p>Rischin, Moses, Asher, Raphael: The Jewish Legacy and the German Conscience, Berkeley 1991</p>



<p>Röder, Werner, Strauss, Herbert A.: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933–1945, München 1999</p>



<p>Rohwer, Jürgen: <a href="https://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/ksp/schwarzmeer/juden_flucht_schiffe.htm">Jüdische Flüchtlingsschiffe im Schwarzen Meer (1934-1944)</a></p>



<p>Roth, Wolfgang: <a href="https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20337/WRoth%20Jued%20Sport%20BAW.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jüdischer Sport in Baden und Württemberg bis 1938</a></p>



<p>Schulze-Marmeling, Dietrich (Hrsg.): Davidstern und Lederball, Die Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball, Göttingen 2005</p>



<p>Strauss, Walter: Lebenszeichen, Juden aus Württemberg nach 1933, Gerlingen 1982</p>



<p>Ulmer, Martin: Antisemitismus in Stuttgart 1871-1933, Berlin 2011</p>



<p>Waller, Anja: Das Jüdische Lehrhaus in Stuttgart 1926-1938, Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, 2017</p>



<p>Wilhelmus, Wolfgang: Flucht oder Tod, Erinnerungen und Briefe pommerscher Juden, Rostock 2001</p>



<p>Wilhelmus, Wolfgang: Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Hildesheim 1995</p>



<p>Wilhelmus, Wolfgang: Geschichte der Juden in Pommern, Rostock 2004</p>



<p>Zelzer, Maria: Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden, Stuttgart 1964</p>



<h4 class="wp-block-heading">Akten des Landesarchivs Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg</h4>



<p>Akten zu Entschädigungszahlungen für Samuel Richter und Arpad Pick</p>



<p>Akten zur Todeserklärung von Johanna (Jeanette) Pick, geb. Loew, Max Pick, Luise Grünstein, geb. Pick, Leo Pick</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auskunft von Ari Richter, Enkel von Karl Richter</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bielitz-Bialaer_Sprachinsel" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Bielitz-Bialaer_Sprachinsel</a></div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;skan z &#8222;Bielsko-Biała w starej fotografii&#8220;, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bielsko-Biała_1910,_Synagoga_i_ul._3_Maja.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bielsko-Biała 1910, Synagoga i ul. 3 Maja</a>, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Template:PD-old" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wikimedia Commons</a></div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/4923775" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/4923775</a></div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bericht von Karl Richter in Lebenszeichen, Juden aus Württemberg nach 1933, S. 250</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Trauungsmatrik des israelitischen Bielitzer Matrikenbezirks 1921, Folio 161</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden, S. 500</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgarter-kaufhaus-schocken-eine-fuenfzig-jahre-alte-suende.71d11515-605d-41a8-ac21-110472b3e1e7.html">https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgarter-kaufhaus-schocken-eine-fuenfzig-jahre-alte-suende.71d11515-605d-41a8-ac21-110472b3e1e7.html</a></div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stuttgart von Tag zu Tag 1900-1949, S. 39 </div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.dw.com/de/eisernes-kreuz-und-dolchsto%C3%9Flegende/a-17758896" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.dw.com/de/eisernes-kreuz-und-dolchsto%C3%9Flegende/a-17758896</a></div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stuttgart von Tag zu Tag 1900-1949, S. 44</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://archiv0711.hypotheses.org/8667" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://archiv0711.hypotheses.org/8667</a></div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-und-der-kapp-putsch-vor-100-jahren-hauptstadt-fuer-vier-tage.515d32ac-0e9d-4a08-9a34-aa05e19570b6.html</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Chronik der Stadt Stuttgart 1918-1933, S. 367</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://bawue.museum-digital.de/object/91069" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://bawue.museum-digital.de/object/91069</a></div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das jüdische Lehrhaus in Stuttgart 1926-1938, S. 67</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stuttgart von Tag zu Tag 1900-1949 S. 57 ff.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href="https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.die-juden-und-der-fussball-als-die-wurzeln-herausgerissen-wurden.f28afcbe-9af5-4274-89f6-fc64236b45f6.html">https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.die-juden-und-der-fussball-als-die-wurzeln-herausgerissen-wurden.f28afcbe-9af5-4274-89f6-fc64236b45f6.html</a></div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20337/WRoth%20Jued%20Sport%20BAW.pdf">Jüdischer Sport in Baden und Württemberg bis 1938, S. 9</a></div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner Skrentny in: Davidstern und Lederball, S. 188</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_J%C3%B6rg_Weitbrecht">https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jörg_Weitbrecht</a></div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/download/webcache/2000/2287395">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/download/webcache/2000/2287395</a></div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20275/RIEGER%20Stuttgart%20JuedNachrichtenblatt%20Berlin%2012071940.jpg">http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20275/RIEGER%20Stuttgart%20JuedNachrichtenblatt%20Berlin%2012071940.jpg</a></div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;https://www.deutschlandfunkkultur.de/juedisches-leben-in-breslau-wroclaw-das-juedische-erbe-der-100.html</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933–1945, S. 602</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933–1945, S. 602</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs 16.02.1935, S. 192</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Chronik der Stadt Stuttgart 1918-1933, S. 371 </div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgarter_Erklärung_(1933)">Stuttgarter Erklärung auf Wikipedia  </a></div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Arpad Pick, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 38445</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Samuel Richter, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 35312</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="gestimmthttps://www.wahlen-in-deutschland.de/wrtwpommern.htm">https://www.wahlen-in-deutschland.de/wrtwpommern.htm</a></div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://belgard.org/orte/schivelbein/juedische-gemeinde/die-schivelbeiner-rabbiner/">https://belgard.org/orte/schivelbein/juedische-gemeinde/die-schivelbeiner-rabbiner/</a></div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://ahnenblog.globonauten.de/der-juedische-arzt-von-schivelbein/">https://ahnenblog.globonauten.de/der-juedische-arzt-von-schivelbein/</a></div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erinnerungen von Karl Richter in &#8222;Flucht oder Tod&#8220;, S. 111 ff.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ascher Levys Sehnsucht nach Deutschland, S. 332</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erinnerungen von Karl Richter in &#8222;Flucht oder Tod&#8220;, S. 111 ff.</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Brief von Else Peters, Ehefrau von Siegfried Scheuermann in &#8222;Flucht oder Tod&#8220;, S. 121</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2655385" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> <br>https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2655385</a></div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Judenverfolgung in Mannheim 1933-1945, S. 199</div><div>41&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Reflections by Jewish survivors from Mannheim, S. 83</div><div>42&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Samuel Richter, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 35312</div><div>43&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Karl Richter &#8222;A Refugee Rabbinate&#8220; in: The Jewish Legacy and the German Conscience, S. 207</div><div>44&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ernst Freudenheim rettete einer großen Zahl von Jüdinnen und Juden das Leben, <a href="https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn511779">von seinem Leben berichtet er in einem Interview aus dem Jahr 1989</a></div><div>45&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg XIV Nr. 15, 01.11.1937, S. 130</div><div>46&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;https://azjewishpost.com/2017/havdalah-spice-box-reminder-of-fathers-legacy-of-hope/</div><div>47&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aussage von Erwin Alter in Entschädigungsakte Arpad Pick, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 38445 </div><div>48&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Sakarya-Expedition in: Jürgen Rohwer: Jüdische Flüchtlingsschiffe im Schwarzen Meer</div><div>49&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Entschädigungsakte Arpad Pick, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 350 I Bü 38445</div><div>50&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="HaGalil: Vor 80 Jahren wurde Tel Aviv von der italienischen Luftwaffe bombardiert ">HaGalil: Vor 80 Jahren wurde Tel Aviv von der italienischen Luftwaffe bombardiert </a></div><div>51&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bericht von Karl Richter in &#8222;Lebenszeichen, Juden aus Württemberg nach 1933&#8220;, S. 251</div><div>52&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bericht von Karl Richter in &#8222;Lebenszeichen, Juden aus Württemberg nach 1933&#8220;, S. 251</div><div>53&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://azjewishpost.com/2017/havdalah-spice-box-reminder-of-fathers-legacy-of-hope/">https://azjewishpost.com/2017/havdalah-spice-box-reminder-of-fathers-legacy-of-hope/</a></div><div>54&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.stolpersteine-stuttgart.de/biografien/mali-amalie-und-sandor-alexander-alter-augustenstr-65/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.stolpersteine-stuttgart.de/biografien/mali-amalie-und-sandor-alexander-alter-augustenstr-65/</a></div><p>Der Beitrag <a href="https://ahnenblog.globonauten.de/der-schivelbeiner-rabbi-aus-stuttgart/">Der Schivelbeiner Rabbi aus Stuttgart</a> erschien zuerst auf <a href="https://ahnenblog.globonauten.de">Ahnenblog</a>.</p>
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